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Substrat zum Abmagern für Blumenwiese

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Liebe Hortusianer,

ich bin neu hier und hätte zwei Fragen bezüglich des Substrats zum Abmagern für eine Blumenwiese.

Zur Ausgangssituation: auf einer Fläche von ca. 80-100 qm soll eine artenreiche, magere Blumenwiese entstehen mit Schwerpunkt auf eher kalkliebende Arten, da in der weiteren Umgebung auch einige Kalkmagerrasen zu finden sind. Geplant ist, die Grassoden (Tiefe ca. 15-20cm) auszustechen und abzutransportieren. Dann soll mit einem mageren Substrat wieder aufgefüllt werden. Ursprünglich wollte ich hierfür ungewaschenen Sand verwenden und ggf. mit kohlesaurem Kalk etwas "aufkalken", da normaler Sand nicht kalkhaltig ist. Nun habe ich aber gesehen, dass ein lokaler Betrieb, der sich auf Kalkprodukte spezialisiert hat, sogenannten Brechsand 0/5 aus Kalkstein anbietet.

Hat jemand von Euch Erfahrung mit einem Sand, der aus Kalkstein hergestellt ist? Man würde sich meiner Meinung nach mit diesem Material das Kalken sparen, und vermutlich würde der Boden auch länger kalkhaltig bzw. basisch bleiben als wenn man den Sand nur mit etwas Kalk versetzt. Die Firma hätte auch Kalkschotter 0/32 im Sortiment, von dessen Verwendung im Naturgarten ich schon gelesen habe. Allerdings sehe ich einen Vorteil, wenn weniger grobe Steine dabei sind, da sowohl die Ausbringung mit Schaufel und Schubkarren bei feinem Material leichter ist (ich muss alles per Hand machen, da keine Zufahrt für einen Minibagger existiert), und auch später beim Rechen des Mähguts/Laub etc. die Steine vermutlich etwas stören könnten.

Denkt ihr, ich könnte den Kalkbrechsand statt normalem Sand verwenden, oder beides mischen?

Die zweite Frage bezieht sich auf Granitsplit (Körnung ca. 5-8mm, siehe auch Bilder). Der Split hat zwar keinen 0-Anteil, ist aber über die Jahre doch mit etwas Erde verunreinigt und vermischt worden. Dieses Material ist auf einer Fläche von ca. 3x3 Meter und einer Schichtdicke von ca. 30-40 cm bereits im Garten vorhanden, wo es als Untergrund für ein altes Gartenhäuschen vom Vorbesitzer des Gartens diente, das ich aber mittlerweile abgerissen habe. Meine Frage: wäre dieser Granitsplit als Untergrund für die magere Blumenwiese geeignet? Ich dachte an eine Art Drainageschicht auf einer Teilfläche der Blumenwiese mit ca. 20-30 cm Sand oder Kalksand als Abdeckung darüber, weiß aber nicht, ob das für die Wurzeln durchgängig wäre, zudem macht Granit vermutlich eher einen sauren PH-Wert. Die meisten Berichte verwenden Bruchsteine oder Dachziegel als Drainagematerial, das natürlich viel gröber ist als der Split.

Ich kann den Split natürlich auch entfernen, aber vielleicht ist das gar nicht notwendig, und es würde an einer Stelle dadurch ein mehr trockener Bereich entstehen.

Bin gespannt auf Eure Meinung!

 

VG, Christian

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erster Gedanke:

100m² x 0,2m macht 20 m³. Ein m³ Boden wiegt ca. 1,5 to. Macht dann 30 to.

Das muss raus aus dem Garten und dann wieder 30 to rein. Also 60 Tonnen. Und das mit Schubkarre. Hm.

Was hast du denn für einen Boden? Wie sehr musst/willst du ihn abmagern? Was wächst da aktuell?

Der Granitsplitt ist schonmal super - vor allem weil er schon da ist. Granit ist ph-Wert neutral.

Der wäre gut als obere Schicht im Schotterbeet. Untergrund eher Kalkschotter (aber da kenne sich andere besser aus als ich)

Hast du eine Möglichkeit die Rasensoden in deinem Garten zu verwenden so dass du sie nicht entsorgen musst? Hochbeet, Hügel mit Trockenmauer oder so...???

tree12 und Gsaelzbaer haben auf diesen Beitrag reagiert.
tree12Gsaelzbaer

Kurz zur Rechnung: 1 m3 Rasenboden wiegt meines Wissens nach weniger, ich habe das mal in einen Baustoffrechner eingegeben, da kommen 20 mauf ca. 18-20 to. Es hängt sicher auch von der genauen Bodenbeschaffenheit und der Feuchtigkeit ab, aber 1,5 to ist nach meiner Information der Wert für gesiebten Mutterboden zum Auffüllen. Auch 20 to sind natürlich trotzdem jede Menge, ob das mit Schaufel und Schubkarre zu schaffen ist, weiß ich nicht, notfalls müsste ich es eben auf Raten machen, jedes Jahr einen Abschnitt. Ich habe letztes Jahr probeweise ein paar Quadratmeter nach dieser Methode abgemagert (mit normalem Sand), und das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Eine maschinelle Alternative gibt es leider nicht, da weder Bagger/Minibagger noch LKW direkte Zufahrtsmöglichkeiten zum Garten haben.

Der Boden ist relativ lehmig unter dem Humusanteil, derzeit dominieren Gräser (Fettwiese), eher leicht feucht mit viel Moos, eingestreut ein paar  (orangerote und gelbe) Habichtskräuter und teils dichte Bestände von Crepis capillaris, natürlich auch Löwenzahn & Co. Ein sukzessives Abmagern über viele Jahre hinwegdurch häufiges Mähen und Abräumen des Mähguts würde mir zu lange dauern, bliebe ansonsten noch die Burri-Methode oder das Abmagern und Ansäen von kleinen Inseln, die sich dann im Idealfall langsam von selbst vergrößern und die benachbarten Flächen erobern, was bei dem dichten Gras aber schwierig sein dürfte.

Da der Garten so klein ist, möchte ich aber eher die radikale schnelle Methode wählen. Meine Frage wäre hier weiterhin nach der Eignung von bzw. Erfahrung mit Kalkbrechsand als Mager-Substrat. Ein Schotterbeet möchte ich nicht bauen, insofern soll der Splitt nicht als oberste Schicht fungieren, sondern wenn dann als Drainageschicht. Eine halbwegs sinnvolle Möglichkeit, die Grassoden im Garten selbst zu verwenden, existiert leider nicht (Stichwort sehr kleiner Garten mit begrenztem Platz).

Burrimethode wäre tatsächlich eine Möglichkeit ohne diese Massen zu bewegen.

Alternativ, mit dicker Folie 3-4 Monate abdecken und alles sterben lassen und danach besagten Kalksand mit der Gartenfräse einarbeiten, so würde ich es machen. Das passt dann auch mitm Aussaattermin wenn du die Folie jetzt gleich auslegst. (LKW-Plane)

Es gibt auch Kalkschotter in 0/16 den fände ich noch besser, kann zumindest als obere Schicht noch zusätzlich aufgebracht werden ;-)

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. (Victor Hugo)

Ich würde weniger darüber nachdenken. Einfach machen. Gemäß Markus Motto: Machen ist wie wollen nur krasser.

Die Arten, denen der Boden passt, setzen sich nach wenigen Jahren durch.

Ann hat auf diesen Beitrag reagiert.
Ann
Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Ok, da dich die Mengen an Tonnen nicht abschrecken würde ich auch die kurz und schmerzvoll Variante wählen.

Vom Kalkgehalt ist der Kalkbrechsand die definitiv bessere Wahl. Aufgekalkten Sand wirst du wegen Auswaschungen immer wieder nachkalken müssen.

Kalk-Brechsand 0/5 wird sehr dicht und speichert sehr gut das Wasser.

Ich verwende Brechsand sehr gerne für Pflasterfügen genau aus dem Grund: da siedelt sich sehr schnell Moos an und verschließt somit die Fugen wenn man nicht Löwenzahn und Co in den Fugen haben möchte.

Da ein nasses Magerbeet eher schwierig ist (im Sommer nicht - aber im Winter) würde ich untendrunter eine Drainageschicht machen. Entweder aus Kalkschotter (soo schlimm ist das auch nicht den zu schippen - Gehörschutz aufsetzen, ist sehr laut) - was m.E. besser wäre oder alternativ dein Granitsplit.

Wegen Durchwurzelung musst du dir gar keine Sorgen machen. Die Trocken-Magerspezialisten finden ihren Weg auch durch noch groberes Material als 32.

 

 

 

Gsaelzbaer und Amarille haben auf diesen Beitrag reagiert.
GsaelzbaerAmarille

Zunächst einmal vielen Dank an Euch alle für die vielen Ratschläge und Informationen, das hilft mir sehr weiter.

Ihr überzeugt mich langsam aber sicher, dass ein Abtragen und dann wieder Auffüllen dieser Fläche per Schaufel und Schubkarren doch schwieriger sein dürfte, als ich zunächst dachte. Der Zeitfaktor spielt natürlich auch eine Rolle, und diese Arbeiten würden sich doch sehr lange hinziehen. Zudem ist es ja auch, wie Mü geschrieben hat, schade, die Grassoden zu entsorgen, weil ich für soviel Material keinen vernünftigen Platz im Garten hätte.

Burri-Methode wäre eine Alternative, der Vorschlag von Gsaelzbaer mit der Plane zum Abdecken ist da sicher gut. Was mich aber etwas abschreckt ist die Tatsache, dass dann große Teile des Gartens für mehrere Monate abgedeckt wären, das ist nicht unbedingt so ein schöner Anblick und man kann erstmal nicht loslegen. Außerdem habe ich Sorge, dass auch nach dem Einarbeiten von etwas Sand mit der Fräse letztendlich doch zu viele Nährstoffe in der obersten Schicht verbleiben würden.

Ich habe jetzt nochmal im Naturgartenbau-Buch von Reinhard Witt nachgelesen. Ich denke , dass ein Auffüllen mit 20 cm plus X magerem Substrat ohne vorheriges Abtragen von Mutterboden oder Abdecken mit einer Plane, so wie es Witt beschreibt, evtl. ein für mich gangbarer Weg wäre. Das sind dann immer noch 20m3 Sand oder Kalkschotter, die ich mit dem Schubkarren und Schaufel verteilen müsste, aber es sollte doch eher machbar sein. An den Seiten der aufgeschütteten Fläche müsste ich dann Abschrägen, ich hoffe, da wird dann nicht zu viel Sand bei Regen abgeschwemmt, solange der Bewuchs noch nicht kommt.

Drainageschicht wie von Mü vorgeschlagen wäre toll, aber erstens wäre es wieder zusätzlicher Aufwand (Stichwort "Schaufel und Schubkarren"), zweitens komme ich dann noch höher raus, weil ich ja keinen Boden abtragen will. Zumindest an der Stelle mit dem Granit-Splitt hätte ich aber eine Drainageschicht unter dem Sand. Vielleicht kann ich auch auf einem kleinen Teilstück die Soden abstechen, ein paar bekomme ich schon noch im Garten anderweitig unter, und dort dann einfach mehr Sand aufschütten bzw. auch Kalkschotter etc. Insgesamt würden somit auf kleiner Fläche verschiedenartige Bodenvoraussetzungen entstehen, was ja vielleicht nicht das Schlechteste ist. Wie Malefiz schreibt, werden sich dann schon die jeweils am besten angepassten Pflanzen durchsetzen.

Ich bin auch dankbar für den Hinweis, dass Kalkbrechsand stark verdichtet und dann eher feucht ist. Das war mir so nicht bewusst, hier sehe ich schon ein gewisses Problem, da der Boden im Garten an sich eher lehmig ist und nach Regen schon jetzt nicht so schnell abtrocknet. Vielleicht wäre dann doch ungewaschener Sand die bessere Wahl (auch wenn das mit dem Kalkgehalt dann nicht so funktioniert), oder aber ich mische Sand und Kalkbrechsand und evtl. noch Kalkschotter.

Bliebe noch die Frage, ob ich vor dem Aufschütten die Wiese noch fräsen oder Umstechen sollte (z.B. Grassoden umdrehen etc.), der Boden unter dem aufgefüllten Sand würde dadurch gelockert und das Gras hätte noch weniger Chancen zum Durchkommen, auch wenn nach Witt 20 cm Sandauflage reichen. Würdet ihr das machen, oder einfach den Sand auf die kurz gemähte Wiese kippen?

Und nochmal zur Sicherheit: ihr denkt, dass der Granit-Splitt in seiner Verwendung als Drainageschicht unter Sand keine Barriere für die Wurzeln der Wiesenblumen ist?

Ansonsten bleibt mir nur, den Rat von Malefiz zu befolgen und nicht mehr zu lange zu planen, sondern loszulegen, sobald es das Wetter zulässt.

 

Eine Plane ist häßlich - aber nur kurze zeit. Ziel vor Augen haben und den gesparten Zeitaufwand....

Tatsächlich bringt ein bißchen Sand einfräsen in einem so lehmigen nährstoffreichen Boden so gut wie nichts.

So wie du beschreibst mit dem Auffüllen hört sich das ganz gut an.

Ich würde trotzdem erstmal das Gras abdecken und absterben lassen und dann Sand oder Splitt einfräsen und dann mit dem Aufbau beginnen.

Ächz, es ist soo gemein. Ich hätte auch soo gerne einen lehmigen fruchtbaren Boden für mein Gemüse. Und was habe ich? Sand Sand und Sand.

Wäre ein ertragreicher Gemüsegarten nicht eine Alternative? Kompost und Sand einfräsen, dann hast du das nonplusultra für Gemüse. Oder tolle große Sonnenblumen, große Stauden, Kürbisse und leckeren Rosenkohl und.....

tree12 hat auf diesen Beitrag reagiert.
tree12

Wir stehen ganz plötzlich vor dem gleichen Problem.

Unser Nachbar will für sein Grundstück Material bestellen. Wir dürfen mitmachen, bei den Transportkosten ist das sicherlich auch die beste Entscheidung. Geplant war eigentlich erst fürs nächste Jahr, so dass wir null Ahnung haben, was wir wirklich brauchen.

Wir wollen ein Stück Rasen (was halt so dort wächst: Gräser, Gänseblümchen, Gundermann, Löwenzahn v.a.) in eine Magerwiese umwandeln. Rasen weg, mit der Fräse drüber, Substrat darunter abmagern. Aber womit? Boden hier ist sandig mit einem eher kleinen Lehmanteil. Und dann was aussäen.

Bestellt wird hier: https://ksmzentrale.de/index.php?route=common/home .

Nun das Problem: Die Auswahl ist zwar groß, aber so was wie Kalkschotter gibt's schon mal nicht. Sand ist teilweise gewaschen, ebenso der Kies. Ich hätte vermutlich irgendwie zu Sand (0-2mm), Kies (0-4 oder 0-8mm) und/oder Splitt gegriffen. Aber was tatsächlich?

Die Kosten sind ja nicht ohne und ein paar Bigbags ohne Sinn und Verstand rumstehen haben, weil es das falsche Material ist, können wir uns nicht leisten.

Ich weiß, im Hortus-Universum ist sie so etwas wie ein Dogma, die Hotspot-Zone. Aber ich sehe, neben den unbestrittenen Wohltaten für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, auch einige ihrer Nachteile.

  • Man zerstört weitestgehend den unterirdischen Lebensraum für eine ungeheure Menge an Mikroorganismen, Pilzen, Maden oder Würmern, die für die Biosphäre mindestens von gleicher Wichtigkeit sind.
  • Durch den Verlust des Humus verliert der Boden den größten Teil seiner Fähigkeit, Wasser zu speichern. Das ist angesichts der mit Sicherheit zu erwartenden Trockenperioden der Zukunft ein wesentlicher Nachteil.
  • Über mageren Boden mit einer wenig hohen Vegetation steigen die Temperaturen erheblich gegenüber einer dicht und hoch bewachsenen Zone (bis zu 10 Grad). Das macht sie während einer Hitzeperiode zu einer Quelle von Wärme am eigenen Haus.
  • Wenn diese Hotspot-Zone auch noch mit einigem maschinellen Aufwand und mit erheblichem Energieaufwand hergestellten/geförderten Materialien (Kies, Schotter, Sand...), wie oben beschrieben, künstlich geschaffen wird, dann schlägt das negativ auf die Öko-Bilanz durch.
  • Eine Vegetation mit Bäumen, Hecken und Sträuchern entzieht durch die stärkere Bildung von Bio-Masse der Atmosphäre erheblich mehr CO2, als eine bunte Blumenwiese.

Nein, ich werde nicht auf die Schaffung eine Hotspot-Zone verzichten. ;-) Aber ich werde mir genau überlegen, wie ich einen optimalen Kompromiss für mich finde. Diese Zone wird dann womöglich um einiges kleiner ausfallen, als ich das ursprünglich mal im Hinterkopf hatte...

Martin, Tillivilla und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
MartinTillivillaDorotheeAnntree12
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