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Neue Pflanzen - Umdenken im Hortus?

Das Klima ändert sich, das merken wir gerade sehr deutlich. Eine "Säule" des Hortus-Prinzips ist es, dass die Natur nicht statisch ist und auch ein Hortus ständigen Veränderungen unterliegt. Bedeutet der Klimawandel nicht auch, dass wir Hortussianer flexibler werden müssen? Sollten wir darüber nachdenken, das Konzept der "heimischen Pflanzen" zu erweitern? Welche heimischen Pflanzen sind inzwischen vielleicht weniger sinnvoll, weil sie zuviel Pflege benötigen um den neuen Klimabedingungen standhalten zu können? Und mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, welche nichtheimischen Pflanzen vielleicht eine sinnvolle Ergänzung darstellen könnten (und ich meine jetzt nicht die seit lange hier etablierten "Kandidaten" wie Lavendel usw.)

Wie seht ihr das? Was findet ihr sinnvoll?

Ja, in mir findet da ein Umdenken statt, das merke ich. Ich bin wieder toleranter geworden, was z. B. Bauerngartenstauden wie Purpur-Sonnenhut oder Levkojen angeht (innerlich, ich habe die gar nicht, will mir aber den Sonnenhut zulegen).

Aber dann wieder...

Gestern war bei uns in der Tageszeitung ein Artikel zum örtlichen Sojaanbau, der in den letzten Jahren ziemlich zugenommen hat. Soja kommt mit dem Klima, wie es diesen Sommer war, gut zurecht. Ich fand das bisher okay, weil, ich will zwar keine Tiere mästen, aber Tiere mästen UND für Soja Regenwälder töten UND es tausende Kilometer transportieren fand ich noch schlimmer. Außerdem esse ich manchmal Tofu. Nun stand da: Da es die passenden Knöllchenbakterien hier im Boden gar nicht gibt, muss das Sojasaatgut damit geimpft werden. DAS wiederum macht mir ein mieses Gefühl. Denn ich glaube, wenig ist gerade wichtiger, als uns um unsere Böden zu kümmern. Um LEBENDIGE Böden. Und da kommt mir das eher gruselig vor. Wieder so etwas, wo der Mensch mal rasch punktuell etwas ändert, ohne zu wissen, was das für Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben kann. Ich muss noch recherchieren, ob das immer so ist, auch im Bio-Anbau, und ob es alternativlos ist.

Deshalb finde ich es auch ziemlich idiotisch, das sich gerade selbst regulierende System Wald (Flächen mit abgestorbenen Fichten) schon wieder zu stören und Douglasien (die mit der Hitze übrigens gar nicht gut können), Roteichen, Zürgelbäume und weiß der Geier was zu pflanzen. Damit machen wir dann mit viel Aufwand kaputt, was von alleine, angepasst und viel besser wachsen würde... aber ja, wieder ein ganz anderes Thema, Entschuldigung.

Ja, und im Kleinen ist das im Hortus ja auch so. Das System ändert sich, und wir können es unterstützen. Aber das ist echt schwer als Mensch, der doch einfach keine Ahnung hat, was Bodenlebewesen, Pilze usw. dazu sagen, was wir ihnen vor die Nasen (oder Tracheen oder Myzele) setzen...

Ich denke mal, dass es stimmt, dass die Pflanzen südlich der Alpen oder vom Balkan hier noch "bekannt" sind (bei Boden- und auch Insektenwelt), weil erst seit ein, zwei Eiszeiten nicht mehr hier. Also, ich glaube schon, dass ich ein bisschen offener bin für Pflanzen aus diesem Raum. Anderseits gibt es hier ja ein paar Inseln, wo sich solch Relikte noch finden, in BaWü am Kaiserstuhl zum Beispiel. Also, es gibt bei uns ja extreme Standorte, und an denen orientiere ich mich zuerst.

Für mich beschlossen habe ich, mich mehr zu konzentrieren. Also, ich kann ja keine 500 qm Garten bewässern, bzw. WILL das nicht. Also mache ich vielleicht zwei, drei, feuchtere Stellen, die ich am Leben erhalte. So einen Gedanken hatte ich jetzt mal... Mir tut es vor allem um die Bäume leid. Selbst unser Holunder hat unter der Trockenheit deutlich gelitten. Und in der ganzen Gegend ist ein Massensterben von Apfelbäumen auf den Streuobstwiesen zu beobachten.

Neulich hörte ich in einem Radio-Feature eine junge Frau, die meinte, das Problem am Klimawandel sei das Tempo. Es ist (verglichen mit früheren Wandel-Phasen) sehr, sehr schnell, z. B. für die Bäume, deren Leben ja viel länger als das unsere ist. Aber dann wieder so langsam, dass dem einzelnen Menschen es nicht direkt auffällt und man ständig hört, naja, trockene Sommer gibt es immer mal, Sonnenschein ist doch schön...

Ganz konkret ändere ich an meiner Pflanzenauswahl erstmal nichts, denke ich. Das kommt so nach und nach. Aber da bei mir viel "unkontrolliert" wächst, merke ich vielleicht gar nicht gleich, was verschwindet. Und bisschen mulmig ist mir manchmal auch bei den Tieren, die hier jetzt auftauchen - von Tigermücke, Kräuseljagdspinne, invasive Wanzen und Käfer, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Ich gebe es zu: Mir fällt diese Art von Wandel sehr schwer. Manche Landschaften sehen jetzt schon irgendwie ganz anders aus, als ich sie kenne, weil andere Pflanzen vorherrschen. Aber er passiert ja trotzdem.

 

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