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Magerfläche nördlich vom Haus - wie bepflanzen/gestalten?

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Liebe Judith,

du brauchst nicht verzweifeln !

Danke für die Fotos, jetzt werden deine Worte runder....

Die Welt der Steingärten ist vielfältig und dafür stehen zahlreiche Pflanzengruppen zur Verfügung. Auch im schattigen Nordbereich kann es blühen und gleichzeitig der kühlere Rückzugsort für Insekten werden.

Ich würde mir an deiner Stelle jetzt erstmal einen Plan zeichnen . Grundriss vom Haus und Vorgartenfläche im Maßstab 1:100 (1cm=1m)

Dann zeichnet du die Strukturen rein, die du haben möchtest. Du modelierst das Relief durch Höhen und Tiefen, damit die Flächen nicht langweilig für das Auge werden. Dafür kannst du gut Naturmodule, wie Steinpyramiden, Wasserstellen, Totholzhaufen, stehendes Totholz und ein paar höhere Sträucher, die kalkhaltigen, trocken- warmen Standort mögen. Für deine Sortenauswahl kann ich dir den Pflanzenkatalog von Bruns empfehlen, da werden auch die Lebensräume von Pflanzen toll beschrieben ( bestellbar gegen eine kleine Schutzgebühr) https://www.bruns.de/

In Markus Gastl' s Buch der Drei- Zonen- Garten gibt es auch wunderbare Tipps zur Steingartenanlage, auch welche Schichten du über den Schotter aufbringen kannst und welche Substrate du zur Anpflanzung von Pflanzen brauchst.

Steinpyramiden kannst du mit ungewaschenem (!) Sand befüllen, worin Bienen nisten. Ebenso kannst du damit Löcher im Schotter füllen. Vielleicht wirst du hier inspiriert : https://hortus-netzwerk.de/forum/topic/pyramide/

Deinen noch vorhandenen Lehmboden auf dem Schotter zu verteilen, finde ich eine gute Idee. Lehmboden brauchen viele Insekten und Vögel zum Verbauen ihrer Nester und darauf wachsen wunderbar Sedum- und Hauswurzgewächse. Auch der Huflattich wächst dort wunderbar,große Königskerzen im Hintergrund....

Du kannst auch Kalkmagerrasenflächen anlegen auf dem lehmhaltigen Kalkschotter im helleren- sonnigeren Standort , wie du es schon angedacht hattest.

Du wirst nicht drumherumkommen, dir Gedanken zu machen und kreativ zu werden....;-)

Du hast tolle Vorraussetzungen etwas tolles daraus entstehen zu lassen.

 

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Bienchen, du bist so toll

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Lass die Schultern nicht hängen.

Wenn ich mir ansehe, was auf meiner Besetzbaren Kräuterspirale wächst, dann ist es höchst erstaunlich, was alles auf Schotter auf Schotter, auf Schotter gelegt, wächst.

Als ich sie bepflanzt habe, habe ich ihnen nur die Erde gelassen, die in den Pflanztöpfen war. Den Blumenziwebeln habe ich ein Schippchen Erde spendiert.
Es war im letzten Jahr ALLES prächtig am Blühen.
Das wird es bei Dir auch! Erdwespen werden ihre Nester bauen, andere auch. Es ist erstaunlich, was sich dort im Schotter wohlfühlt!

 

Edit: Obwohl ich die lehmige Erde NICHT auf dem Schotter verteilen würde. wenn dann eher einarbeiten oder als eigenen Haufen anlegen und den Wildbienen zur Verfügung stellen.
So nah am Haus will man keine stauende Nässe haben. Es gibt ja viele Pflanzen, die genau dieses trockene gut ab können.
Sedum, einige Kräuter, Wildpflanzen. Dann noch schöne Tothölzer und der Ort ist ein lebenswerter Ort.

Viele Grüße von der Gartenphilosophin. Übrigens: Jeder kann etwas tun!

Würde es vielleicht helfen, den Sand gesiebt in Löcher zu packen? Wie breit und tief müsste so ein Loch sein - und welche Körnung darf Sand maximal haben, damit er zum Nisten taugt?

Zu deinen Fragen , findest du hier ganz viele Informationen:

https://www.wildbienen.info/nistweise/nestbauten.php

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Hallo Ihr Lieben,

Danke für Eure Antworten.

Ich nehme dreierlei mit:

  • einen Plan haben - oder einen machen
  • Lesen, Lesen- Lesen - hier herzlichen Dank für die Links - vor allem der Wildbienen Link ist ja  abendfüllend
  • einfach machen und sich nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Auch wenn die Reihenfolge vermutlich lesen - Plan - machen ist, werde ich das Pferd etwas von hinten aufzäumen. Ich fang mal mit ein paar typischen Sonne-Halbschatten Mager Pflanzen an und schaue dann, ob sie attraktiv sind. Futter vor Wohnung, sozusagen.. Und dann in Ruhe immer weiter. Ich glaube, es ist so das Trauma des weißen Blattes... wenn noch NICHTS da ist, ist es am Schwersten. Und wenn erst mal was da ist, gibt es bestimmt auch viel zum Verbessern :-D

Kleiner Nachtrag zu Bruns: die haben den Katalog auch als App, inklusive vieler Informationen, wenn auch nicht nach z.b. Bodenansprüchen filterbar...

Zitat von Somnia am 24. Februar 2020, 19:07 Uhr

Kleiner Nachtrag zu Bruns: die haben den Katalog auch als App, inklusive vieler Informationen, wenn auch nicht nach z.b. Bodenansprüchen filterbar...

Ja, ich weiß, als Ergänzung zum Katalog, aber ich habe lieber etwas in der Hand.;-)

Standort- und Boden-Bedürfnisse sind in der App aber auch abrufbar...

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

So, es hat etwas gedauert, aber nun bin ich da.

Tatsächlich erinnert deine Baustelle ein wenig an unser Chaos. Hier mal ein Eindruck, was bei uns los war:

 

Die Gräben waren bis zu ca. 3,50 bis 4m tief, der Untergrund besteht aus schwerem Lehm.

Als Erstes: Nicht verzweifeln, alles wird gut. Ich war zeitweise auch völlig überfordert und dachte, ich bekomme das nie in den Griff. Da ich im Zeichnen eine totale Niete bin, hab ich mir eine Excel-Tabelle gemacht mit Zeilenhöhe=10 und Spaltenbreite=1,25. Dadaurch besteht die Tabelle aus lauter kleinen Quadraten, jedes dieser Quadrate entspricht 25x25cm. Damit kann man zwar keine genauen Pläne zeichnen, aber für einen groben Überblick reicht es. Hochdetaillierte Gartenpläne sehe ich eh skeptisch, bei mir ist immer alles anders gekommen als es geplant war. In meinen Plan hab ich Mager-, Fett-, Puffer-, Wasser- und Ertragszonen eingezeichnet sowie Wege, Mauern und Bäume.  Dann hab ich den Plan kopiert und auf dem zweiten sind Pflanzideen, Module usw. notiert. An diesem zweiten Plan bastel ich auch jetzt noch ständig herum und versuche, neue Ideen einzufügen oder neueste Veränderungen zu berücksichtigen.

Auf der Nordseite habe ich ca. 7m Vollschatten und ungefähr die Hälfte davon ist durch den Dachvorsprung trocken. Die zweite Hälfte ist dagegen feucht, da von der Wetterseite her Regen dort ankommt, durch die mangelnde Sonne aber nicht richtig verdunstet. Die Baufirma hat nicht schlecht geschaut als ich ihnen gesagt habe, sie sollen komplett mit Bauschutt so auffüllen und verdichten, dass ca. 30cm fehlen und ihren Mutterboden behalten. Die fehlenden 30cm hab ich mit selbstgemischten Substrat aufgefüllt, das feuchte Gebiet mit Unterboden, Lehm und etwas Mutterboden für ein eher fettes Schattenstaudenbeet (Fette Zonen sind zwar im Hortus-Prinzip nicht enthalten, können aber auch vielfältigen Lebensraum bieten und in kleinen Dosierungen tragen sie meiner Meinung nach zur Vielfalt bei ;-) ). Der trockene Teil ist mit einem groben Sand/Kies-Gemisch für ein Schatten-Magerbeet befüllt worden.

Jetzt zu deinem Areal: Dass der Lehm auf dem Schotter unregelmäßig verteilt ist, finde ich eigentlich ganz schön, denn so hast du auf kleinem Raum verschiedene Lebensräume geschaffen. Das würde ich so lassen. Die gesamte Fläche würde ich - soweit möglich - ca. 20cm auflockern, muss garnicht super genau sein, nur so grob hier und da, damit es Saaten/Pflanzen am Anfang  etwas leichter haben. Es gibt viele schattentolerante Pflanzen für alle Bereiche von mager bis fett und trocken bis nass - da finden wir schon was für dich. Für erdnistende Insekten würde ich Lehm mit ungewaschenem Natursand mischen und hier und da einen kleinen Hügel bauen (mit 40-50 cm Höhe können die Tierchen schon was anfangen) und, wenn überhaupt, nur sehr spärlich bepflanzen. Bei Syringa gibt es eine Saatmischung für Halbschattenwiesen: https://www.syringa-pflanzen.de/blumenwiesen-saatgut/mischung-08-halbschattenmischug-fur-alle-boden.html, da kannst du ja mal schauen. Wenn dein Budget oder deine Planung einer Komplettbestellung bei Syringa im Wege steht, dann sag einfach bescheid, ich muss eh dort bestellen und könnte die Mischung für dich mit einkaufen und dir dann zuschicken.

Hier noch ein paar Pflanzen, die keine Sonnenanbeter sind und keinen allzu feuchten Boden brauchen:
Gypsophila repens - Kriechende Gipskraut
Saponaria ocymoides - Kriechendes Seifenkraut
Ornithogalum nutans - Nickender Milchstern
Lunaria annua Einjähriges - Silberblatt
Polygonatum odoratum - Salomonsiegel
Cymbalaria muralis - Zimbelkraut
Asplenium trichomanes - Brauner Streifenfarn
Trientalis europaea - Europäischer Siebenstern
Hesperis matronalis - Nachtviole
Veronica teucrium - Großer Ehrenpreis
Myosotis sylvatica - Wald-Vergissmeinnicht
Stellaria holostea - Große Sternmiere
Asplenium scolopendrium - Hirschzungenfarn
Polypodium vulgare - Gewöhnliche Tüpfelfarn
Hypericum androsaemum - Blut-Johanniskraut
Digitalis lutea - Fingerhut, Gelber
Geranium robertianum - Ruprechts-Storchschnabel
Dryopteris carthusiana - Dorniger Wurmfarn
Dryopteris dilatata - Breiter Wurmfarn
Hypericum pulchrum - Schönes Johanniskraut

Ich weiß jetzt nicht genau, welche dieser Pflanzen momentan im Handel erhältlich sind, aber irgendwas gibt es immer. Im Schatten ist es meist nicht ganz so bunt, aber es gibt viele Tiere, die Schatten, Kühle und den Schutz einer krautigen Bepflanzung zu schätzen wissen. Selbst, wenn es mit den Hummeln oder Erdbienen/-wespen an diesem Standort nicht klappen sollte, werden andere den Lebensraum gerne annehmen.

Zum Schluss noch der Estrichsand: Ich kenn mich da nicht 100%ig aus, aber ich meine, das ist gewaschener Sand, der eine hohe Rieselfähigkeit hat. Wenn das so ist, dann können die grabenden Insekten damit nichts anfangen, aber er ist sehr gut zum Abmagern oder zur Erhöhung des Null-Anteils verwendbar. Wenn z.B. noch Unterboden von der Baustelle übrig ist, dann besorg dir in einem nahegelegenen Steinbruch günstig groben Kies, misch ihn mit etwas Unterboden und dem Sand. Trag irgendwo im Garten ca. 40cm Mutterboden ab (vielleicht auch in Form von kleinen Inseln innerhalb einer Fettwiese???) und füll das Gemisch dort ein. Ergibt perfekte Magerstandorte und die Samenmischung aus dem Willkommenstütchen würde dort auch gut passen. ;-) Funktioniert übrigens auch gut ohne Unterboden.

Puh, ist eine ganz schön lange Antwort geworden, aber ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen :-)

Hi Yorela,

Etwas spät, dem drüber-und-drunter der letzten Tage geschuldet, herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich bin froh, Anhaltspunkte für Pflanzen zu haben, ds kann ich mit arbeiten.

Dein Angebot, bei Syringa mitzubestellen ist sehr lieb, falls es sich noch nicht überholt hat.. Ich muss genau schauen, was sinnvoll ist, und wechsel dann auf PN.

Jetzt erstmal vielen lieben Dank für Deine Zeit für mich

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