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Lektion 1.1: Unsere Pufferzone

Uns ist seit Winter 2016 ein großer (fast kahler) Garten anvertraut. Zuerst legten wir den Gemüsegarten an und entfernten je eine winzige Thuja, Forsythie, Edelrose und Schmetterlingsflieder. Erst 2019 trauten wir uns, zur Straße hin Sträucher zu setzen: Einen niedrigen Holunder an der Hofeinfahrt (damit wir einigermaßen sicher in den fließenden Verkehr kommen), Apfelbeere, Haselnuss, Kornelkirsche, Zierquitte Cito und Bibernellrose. Dann steht dort noch unser einziger alter und großer Baum: eine Eberesche. Allesamt dürften gar nicht existieren, weil Autofahrer mehr Schutz genießen als Vögel und Insekten. Noch sind sie putzig klein und wir hoffen, dass sie wie die Eberesche klaglos akzeptiert werden.

Die Seite an der Hofeinfahrt ist mit großen Kissen aus Salbei, Rosmarin, Lavendel ein- und mehrjährigen Blumen gesäumt und davor stehen 3 kleinere Obstgehölze. Weil sie von alleine wachsen wie Unkraut und bei Honigbienen und Stieglitzen äußerst beliebt sind, lasse ich Kokardenblume und Schmuckkörbchen momentan dazwischen wuchern wie sie wollen. An der Vielfalt arbeite ich noch.

Auf der dritten Seite befindet sich der Gemüsegarten und er wird gepuffert von 4 verschiedenen Johannisbeersträuchern, vielen Kräutern und der Kapuzinerkresse, die über den Nachbarzaun flutet.

Ich finde es sehr schwierig zu entscheiden, welche Blumen bleiben dürfen. Die Internetseiten widersprechen sich häufig. Eine sagt "wichtig für die Bienen", eine sagt "invasiver Neophyt", andere sagen genau über die gleiche Blume "kaum Pollen". So bleibt mir nur das Beobachten, das Herstellen einer breiten Vielfalt und die Hoffnung, dass sich Insekten über die Jahre an Neues gewöhnen.

Die Pufferzone ist so natürlich noch nicht fertig! Aber Fertig-sein ist ja auch kein erstrebenswerter Zustand. Auf jeden Fall möchte ich noch mehr Totholz, mehr Sträucher und Frühblüher dort.

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Hallo Andraczi,

du hast dir die richtigen Gehölze für deine neue Pufferzone ausgesucht!

Toll, dass dort schon so eine alte Eberesche steht.

Ich denke, es wird wegen der Verkehrssicherheit kein Problem werden, wenn du dort eine heimische Hecke wachsen lässt, wenn du sie nicht über den Zaun ragen lässt. Neben dem Zaun zur Strasse hin, wird es doch sicher auch auf deiner Seite einen Gehweg geben, oder?

Ja, natürlich muss man dann auch besser in der eigenen Ausfahrt aufpassen, wenn man sich in den fließenden Verkehr einreiht, wenn es mehr zuwächst.

Diese Anfangsschwierigkeiten,welche Blumen in einen Hortus gehören oder nicht, hat oder hatte jeder von uns. Damit stehst du nicht alleine da.

Wenn du dir unsicher bist, welche Blumen bleiben dürfen oder welche Blumen neu hinzukommen sollen, dann ist es immer am leichtesten sich daran zu orientieren, dass die Wildform immer die beste für unsere Insekten ist.

Noch leichter wird es, wenn du guckst, welche Insekten schon in deinem Garten sind. Dann suchst du dir einfach mal ein Insekt heraus, wie z. B. die Gartenwollbiene. Dann recherchierst du einfach mal, welche Futterpflanzen und Lebensräume diese Biene zum Überleben braucht und danach wählst du deine Pflanzen aus. Damit unterstützt du die Insekten, die schon zu dir in den Garten kommen und ermöglichst ihnen , sich bei dir nieder zu lassen.

Du schreibst, dass die Pufferzone so noch nicht fertig ist...

Was fehlt deiner Meinung nach noch ?

LG, Simone

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

@marissa
Ich finde es sehr schwierig zu entscheiden, welche Blumen bleiben dürfen. Die Internetseiten widersprechen sich häufig. Eine sagt "wichtig für die Bienen", eine sagt "invasiver Neophyt", andere sagen genau über die gleiche Blume "kaum Pollen".

 

Blumen, die bleiben (dürfen) und Bienen. Meist wird dann von der lieben Honigbiene geredet, das sie ja alles anfliegt und nicht spezialisiert ist. Die kleinen Wilden hingegen, bleiben meist unauffällig im Hintergrund.

Beispiel Cosmeen
Werden von Bienen angeflogen, nicht heimisch, einjährig, aussamensfreudig, viele Farbvarianten - und bevor gar nichts blüht.

Beispiel Glockenblumen
viele sind heimisch, werden von Bienen angeflogen, auch und gerade von
https://www.wildbienen.info/steckbriefe/chelostoma_rapunculi.php
ein kleine wilde, die sich von Glockenblumen in großer Vielfalt ernährt.

Bei einjährigen Blumen finde ich das jetzt nicht so dramatisch. Kennt man den Sämling, kann man auch ihn wunderbar zupfen und entfernen. Bei mehrjährigen wird das schon ein wenig diffiziler. Aber auch nicht so schlimm, mit der Zeit kennst du dich aus, lässt wachsen, was dir behagt und eliminierst, was dir missfällt.

Und zur Not kann man hier immer noch fragen, ob sinnvoll und schützenswert - oder kann weg.

Schön das Du da bist und dich interessierst

 

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.
Zitat von Simbienchen am 25. November 2019, 7:49 Uhr

Du schreibst, dass die Pufferzone so noch nicht fertig ist...

Was fehlt deiner Meinung nach noch ?

LG, Simone

 

Ich hätte gerne mehr Totholz und Reisighaufen dazwischen und es hat noch Platz für  eine zweite Reihe Sträucher.

Zitat von Simbienchen am 25. November 2019, 7:49 Uhr

Ich denke, es wird wegen der Verkehrssicherheit kein Problem werden, wenn du dort eine heimische Hecke wachsen lässt, wenn du sie nicht über den Zaun ragen lässt. Neben dem Zaun zur Strasse hin, wird es doch sicher auch auf deiner Seite einen Gehweg geben, oder?

 

Im Bebauungsplan sind hohe Zäune und Gewächse ausdrücklich untersagt. Stichwort "Sichtfeld". Seit 50 Jahren hält sich jeder, außer der Eberesche, daran. Da die Gemeinde aber der Artenvielfalt gegenüber sehr aufgeschlossen ist und gemeinsam mit dem NABU etliche Projekte umgesetzt hat und viel Aufklärung betreibt, denke ich, dass keiner von mir verlangen wird, die Hecke wieder zu entfernen. Noch ist sie ja ganz niedrig...

LG

Marissa

es gibt ja pro Gemeinde so etliche Vorschriften, hier bei uns in München, nicht höher als 2m und das Lichtraumprofil muss frei sein.

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Das ist keine allgemeine Gemeindevorschrift. Es betrifft einzelne Gärten und bei uns geht die Pflanzlinie diagonal durch den Garten. Die Straße macht einen leichten Bogen und ich vermute, dass sie schlecht einsehbar ist von der Seitenstraße aus kommend, wenn eine hohe Hecke bestünde. Ich würde da Tempo 30 machen und das Problem wäre gelöst. Aber der uralte Plan besagt halt, dass die Gärten leer bleiben müssen, damit die Autofahrer schön rasen können.

 

Zitat von Andraczi am 26. November 2019, 20:16 Uhr

Aber der uralte Plan besagt halt, dass die Gärten leer bleiben müssen, damit die Autofahrer schön rasen können.

 

Wird echt Zeit, dass sich daran endlich etwas ändert...

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "
Zitat von Andraczi am 26. November 2019, 20:16 Uhr

Das ist keine allgemeine Gemeindevorschrift. Es betrifft einzelne Gärten und bei uns geht die Pflanzlinie diagonal durch den Garten. Die Straße macht einen leichten Bogen und ich vermute, dass sie schlecht einsehbar ist von der Seitenstraße aus kommend, wenn eine hohe Hecke bestünde. Ich würde da Tempo 30 machen und das Problem wäre gelöst. Aber der uralte Plan besagt halt, dass die Gärten leer bleiben müssen, damit die Autofahrer schön rasen können.

 

Wie viele Anwohner haben Kinder? Wie viele sind von der verstaubten Regelung betroffen? Kann man oder wurde dagegen schon vorgegangen? Gab es von den "Politikern" ne Ortsbegehung?
Wenn schlecht einsehbar, dann eben nicht mit 80 durch den Ort rasen.

"Ich hab hier mal in einer Gartenzeitschrift gelesen, das sich ein Anwohner durch Verkehrsteilnehmer belästigt fühlte. Er setzte sich mit einer roten Leuchte in den schattigen Teil seines Gartens und immer wenn einer besonders rücksichtslos, durch die Straße fuhr - lies er die Lampe aufblitzen."

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Mittlerweile ist unsere Pufferzone auf der Südseite (zur Straße hin) ein richtiger Hingucker geworden. Es war mir bei der Gestaltung sehr wichtig, den Passanten alle möglichen Naturmodule und auch eine gewisse Wildheit vorzustellen. Gleich vor dem Zaun, der auf einem Betonsockel steht, verläuft ein etwa 1 Meter breites Beet, das weitgehend sich selbst überlassen ist. Die wilde Ecke ist bei uns also ein langer Streifen, an den ich kaum noch rankomme, weil davor Totholz, Steinhaufen und Reisighaufen liegen und davor wiederum in zwei Reihen versetzt die oben genannten Gehölze gepflanzt sind.

Die Bilder stammen vom Frühjahr. Den Rasen gibt es jetzt nicht mehr.

Hochgeladene Dateien:
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  • 20200207_170132.jpg

Ich habe die Pufferzone für uns neu definiert.

Wie bereits erwähnt, zieht sich diagonal durch unseren Garten die Linie des "Sichtfelds". In das Sichtfeld darf also nichts Hohes gepflanzt werden. Wir setzten dort -Südseite, Straße, Gehweg- nur niedrige Sträucher, die eher in die Breite gehen. Das hat den Vorteil, dass noch genügend Sonne auf die Blühwiese dahinter fällt und dass wir nicht ständig die Sträucher stutzen müssen, weil sie die Passanten anfallen.

Auf der Ostseite verläuft die Hofeinfahrt direkt an der Grenze. Folglich sind die Nachbarn auf dieser Seite sicher vor überwallender Natur. Daher können wir am Rand der Einfahrt diverse Sträucher wachsen lassen wie es uns gefällt -und vor allem wie es den Sträuchern gefällt. Ich entschied gerade spontan, den letzten freien Platz in dieser Reihe an die Berberitze zu vergeben.

Auf der Westseite verläuft der Gemüsegarten und soll nicht noch mehr beschattet werden. 4 Johannisbeersträucher reichen.

In der Mitte, zwischen Sichtfeldlinie und Haus, pflanzten wir unsere Obstbäume, aber auch Felsenbirne, Hasel, Hängendes Weidenkätzchen und Hundsrose dazwischen.

Nun wollte ich auch noch eine richtige Hecke aus heimischen Sträuchern haben. Allmählich löste ich mich vom Gedanken, das Grundstück nach außen hin zu puffern. Wir brauchen dringend etwas Schatten und Kühlung direkt am Haus und so setzte ich zu Nektarine, Himbeeren und Aprikose noch Pfaffenhütchen, zwei Wildrosen, Faulbaum, Weißdorn und Holunder.

Sie stehen so, dass sie nicht geschnitten werden müssen und sich frei und wunderschön entfalten können. Das ist aufgrund unseres Alters schon eine wichtige Überlegung gewesen. Aber davon mal abgesehen macht es mir auch überhaupt keinen Spaß ständig an den Sträuchern herumschneiden und darauf achten zu müssen, dass sie nicht zum Nachbarn wachsen.

Als ich heute so gemütlich vor mich hinpflanzte, fing jeder Nachbar an seine Hecken entlang der Grundstücksgrenzen zu schneiden. Sie stiegen auf wackelige Gerüste und Leitern, schwangen die elektrischen Heckenscheren und  Motorsägen (alles ältere Herrschaften) und sahen nicht aus, als ob sie Spaß hätten. Die Hecken sehen jetzt einfach nur noch schrecklich eckig und/oder malträtiert aus. Ich fühlte mich bestätigt in meinem Plan, keine Sträucher außen herum zu setzen.

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