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Lektion 1.1: Hortus Scalarum

Liebe alle,

unser Garten existiert schätzungsweise schon seit 90 Jahre, aber erst seit 2 Jahren habe ich meine Finger im Spiel. Das heißt, einige Strukturen stammen aus der Zeit "vor mir", wie z.B. die Hecke an der südöstlichen Seite (Bild 1). Der Erschaffer hat sich hierbei sicher an zeitgenössischen Standards orientiert und nicht-heimische Pflanzen wie Mahonie, Flieder und jede Menge Forsythie angepflanzt. Dennoch bietet die Hecke einen wunderbaren Sichtschutz, selbst im Winter, obwohl sie kein Laub trägt. Auch schützt sie uns vor Lärm und Dreck von der Straße. Spatzen sitzen auch oft viele drin. In den nächsten Jahren sind Baumaßnahmen geplant, die auch die vorübergehende Entfernung eines Teils der Hecke erfordern. Wenn es soweit ist, werde ich die Gelegenheit nutzen, um Heimisches anzupflanzen, z.B. Gemeine Berberitze und/oder Weißdorn :)

Bild 2 - Nordostseite: An der Seite zum Nachbarn habe ich Säulenobst u.ä. gepflanzt: Sauerkirsche, Zwetschke, Schwarze Johannisbeere, Stachelbeere, Aronia und Brombeere, also Nahrung für viele Lebewesen :) Diese Zone puffert nicht sehr stark, aber das muss sie auch nicht, denn so kann man mit den Nachbarn noch ein Schätzchen über den Gartenzaun halten. Frage: Überall werden einem Sonnenblumen als Insekten- und Vogelnahrungspflanze empfohlen, obwohl sie nicht heimisch sind. Steht das in Konflikt mit den Hortus-Prinzipien?

Bild 3 + 4 - die lange Nordwestseite: Die meisten Pflanzen hier stammen auch von vor meiner Zeit: Haselnuss, Flieder, Mahonie, Essigbaum, Bauernjasmin und eine riesige alte Weide (ein Habitatbaum?). In eine entstandene Lücke, in der vorher Forsythie und Cotoneaster wuchsen, habe ich einen Faulbaum, ein Pfaffenhütchen und einen blutroten Hartriegel gepflanzt (heben sich vor dem Hintergrund nicht ab, sorry für die mäßige Qualität der Bilder). Eine Schlehe folgt im Frühjahr. Außerdem habe ich drei Igelhäuser aus gehortelten Ziegeln an verschiedenen Stellen integriert sowie eine Totholzhecke.

Bild 5 - Südwestseite: Hier sieht man einen jungen Walnussbaum, der uns seit 2 Jahren auch ein paar Hände voll Nüsse schenkt. Vögel scheinen sie auch zu mögen. Davor steht eine alte Ligusterhecke, die wahrscheinlich als Raumteiler angelegt wurde. Der Rest der Seite sieht noch kahl aus, weil wir da im März eine Hasel absägen mussten, die in die Stromleitung gewachsen ist. An ihrer Stelle wachsen nun Kupferfelsenbirnen und Mönchspfeffer. Aus den Haselstämmen habe ich die o.g. Totholzhecke gebaut.

Hochgeladene Dateien:
  • süd-ost-Seite.jpg
  • nord-ost-Seite-zum-Nachbarn.jpg
  • nord-west-Seite-unterste-Ebene.jpg
  • nord-west-Seite-Totholzhecke.jpg
  • süd-west-Seite-Walnuss.jpg

Hallo Evy,

das ist halt immer so, wenn man einen Garten mit Altbestand übernimmt, dann auch mit, wie du schon so schön sagst, zeitgenössischen Standards was die Bepflanzung angeht. Aber immerhin hast du schon eine Pufferzone, die auch wichtige heimische Gehölze beherbergt, entweder als Altbestand ( Haselnuss, Walnuss, Weide, Liguster) oder neu ( Faulbaum, Pfaffenhütchen, Hartriegel und Obstgehölze) dazugepflanzt...

Sonnenblumen sind nicht heimisch, stimmt! Aber sie sind , wenn sie pollenreich sind, wertvoll für unsere Bienen und Hummeln und im Herbst wichtige Nahrungsquellen für unsere Vögel. Im Forum haben wir gerade einen interessanten Thread dazu...

Unsere " verzüchteten" Sonnenblumen bieten leider kaum noch Pollen und Nektar!

Wenn du magst, guck doch mal rein:

https://hortus-netzwerk.de/forum/topic/sonnenblumen-mit-pollen-und-nektar/

Ein paar echte Sonnenblumen im Hortus zu haben, steht nicht in Konflikt mit dem Hortus- Prinzip, denn es heißt ja "überwiegend" Heimisches anzupflanzen und nicht " ausschließlich"

Walnüsse angeknackt den Vögeln als Winterfutter anbieten ist eine gute Sache ! Da gehen gerne Meisen, Kleiber , Eichelhäher, Buntspecht...dran. Habt ihr auch Eichhörnchen ?

In die neue Naschzone mit dem Säulenobst etc.. könntest du noch kleine Naturmodule hinzaubern, wenn du magst...wie z. B. eine kleine Wasserschüssel/ Tränke für die Vögel, kleine Steinhaufen wo Insekten Unterschlupf finden, kleine Totholzelemente... vielleicht animiert das auch die Nachbarn es dir gleich zu tun

Hier kannst du auch dein Laub im Herbst zum Mulchen aufbringen, das tut deinen Obstgehölzen und Sträuchern auch gut.

Toll, dass du schon eine Totholzhecke angelegt hast...

 

 

 

 

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Halli Evy , schön , dass du hier bist. Wegen den vielen nicht heimischen Gehölzen würde ich mir erst mal keine Gedanken machen. Immerhin erfüllen die ja auch ihren Zweck. Allerdings würde ich den Essigbaum im Auge behalten , der kann schnell zur nicht mehr zu bändigen Ausläuferplage werden. Auch Forsythie und Flieder(Syringa) haben ausschliesslich Zierwert und fast keinen ökologischen Nutzen. Aber als "Futter" für eine Benjeshecke sind sie gut.

Grüsse vom Frank

 

@simbienchen:

Ich habe aus anfänglicher Unwissenheit einige Exoten im Garten, die als nützlich ausgeschrieben waren. Gibt es dazu vielleicht auch schon ein Thema bzw. lohnt es sich, eines zu erstellen, um darüber zu diskutieren, ob sie "noch ok" oder gar "wünschenswert" sind?

Ein Großteil der Walnussernte landet eh im Totholzhaufen und für uns unzugänglich. Was mich aber eher erstaunt, ist, dass es ein Tierchen geben muss, dass die Walnüsse allein aufknackt. Um den Baum herum findet man halbe Walnussschalen mit herausgepicktem Inhalt. Aber wer könnte das sein? Raben/Krähen sind dazu in der Lage, aber die halten sich bei uns eigentlich nicht auf. Eichhörnchen habe ich im Garten noch keines gesehen (weiter unten an der Straße schon), vermutlich trauen die sich nicht übers Feld. Aber mein Freund hat einmal eins gesehen. Vielleicht war das auf der Durchreise?

An Vogeltränken habe ich mich bisher nicht herangetraut, weil ich immer wieder lese, dass sie hygienisch bedenklich sind, wenn man sie nicht oft reinigt. Ich möchte ja nicht, dass sie krank werden :( Zumindest habe ich Vögel bei uns schon an Wasserkübeln trinken gesehen, die ich im Sommer aufgestellt hatte, und einen winzig kleinen Teich haben wir auch. :)

An Totholz sind bei den Obstgehölzen nur Holzhäcksel-Mulch und Stützpfähle aus gefällten Lebensbaumstämmen. Steine sind in unmittelbarer Nähe als Beetumrandung vorhanden. Aber weil Insekten ihren Mikrokosmos lieben, sind solche Elemente direkt bei den Obstgehölzen bestimmt eine gute Idee :)

 

@ Frank (@ommertalhof): Ja, der Essigbaum nervt schon gehörig mit seinen Ausläufern. Das einzig Schöne an ihm ist die Herbstfärbung. Irgendwann, wenn die Liste wichtigerer Projekte abgearbeitet ist, möchte ich ihn durch etwas Anderes ersetzen. Eine Kornelkirsche oder so :)

Ich habe aus anfänglicher Unwissenheit einige Exoten im Garten, die als nützlich ausgeschrieben waren. Gibt es dazu vielleicht auch schon ein Thema bzw. lohnt es sich, eines zu erstellen, um darüber zu diskutieren, ob sie "noch ok" oder gar "wünschenswert" sind?

Ja, das kennt wohl jeder uns

Du kannst natürlich im Forum jederzeit deine Exoten mal eben vorstellen, ob die noch " durchgehen" , aber im Grunde genommen kannst du dir das auch selbst mit der Zeit beantworten. Denn je mehr man versteht, dass unsere Insekten und unsere heimischen Pflanzen aufeinander abgestimmt sind, desto weniger möchte man sich Pflanzen in den Hortus holen oder belassen, die unseren Insekten nicht wirklich dienlich sind.

Hast du diesen Beitrag schon von Brunnladesch gelesen ? Vielleicht beantwortet er dir ja schon deine Frage zu deinen Bedenken...?

Plädoyer für heimische Wildpflanzen

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Danke, das hat mir schon geholfen! :)

Ich hatte erst noch überlegt, ob ich einen Schmetterlingsflieder aus einem zum Abriss freigegebenen Fabrikgelände rette, bevor er weggebaggert wird, aber vielleicht ist mir der Gartenplatz dafür doch zu schade...

Zitat von Evy am 19. November 2019, 19:27 Uhr

Danke, das hat mir schon geholfen! :)

Ich hatte erst noch überlegt, ob ich einen Schmetterlingsflieder aus einem zum Abriss freigegebenen Fabrikgelände rette, bevor er weggebaggert wird, aber vielleicht ist mir der Gartenplatz dafür doch zu schade...

Das freut mich!

Ja, da gibt es wirklich viel bessere Alternativen zum Schmetterlingsflieder .

Dann nimm lieber Weißdorn, auf den sind 163 Insekten angewiesen. Oder Rosen...auf Wildrosen sind 103 Insekten angewiesen. 10 verschiedene pollensammelnde Wildbienen- Arten sind auf  Heckenrosen angewiesen angewiesen.

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

An Weißdorn habe ich tatsächlich auch als nächste Variante gedacht! Die Beeren sind ja auch Essbar, also nochmal gut! Hat die schon mal jemand probiert?

Eine Wildrose (Rosa villosa) habe ich auch schon :)

Die Beeren von Weißdorn schmecken wie Knüppel auf den Kopf Auch schön ist Mespilus germanica , schmeckt zwar auch aber ist klasse für Wogelwinterfutter.

oder ein Speierling, ein selten gewordener Baum, Baum des Jahres 1993. Vielleicht schaust du ihn dir mal an, er trägt auch Früchte, die man essen kann. Weißdorn schmeckt mehlig und eher weniger lecker, aber bei Herzleiden eine gute Hausapotheke

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

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