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Vogelfütterung ist kein Artenschutz

Zitat von Marissa am 5. Januar 2020, 22:15 Uhr

Ich bin neulich über eine Passage in "Drei-Zonen-Garten" gestolpert. Markus Gastl schreibt, dass die Rückkehrer schlechte Karten hätten im Kampf um die besten Nistplätze, wenn die bei uns überwinternden Vögel so gut gefüttert wurden und topfit sind.

Auch an anderer Stelle fand ich schon Hinweise, dass Vögel im Winter einen sehr geringen Energieverbrauch hätten und "nur rumsitzen" würden. Im Frühling sei dann Nestbau und anschließend der Stress mit dem Nachwuchs; da bräuchte es dann viel eher eine Unterstützung.

Ich habe mich darauf verlegt, einen insekten- und vogelfreundlichen Garten anzupflanzen und warte darauf, dass sich die Experten einig werden, was denn nun richtig ist. Auch möchte ich, dass sich die Vögel meine Schädlinge holen und nicht nur im Vogelhäuschen der Nachbarn sitzen.

In einem richtigen Winter mit Eis und Schnee ist der Energieverbrauch der Vögel ziemlich hoch, sie "sitzen herum", um eben so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

Ich empfehle dringend die Lektüre von Prof. Bertholds Buch "Vögel füttern, aber richtig.". Jeder hier im Forum legt seinen Garten insektenfreundlich an und pflanzt auch Sträucher und Bäume für Vogelarten, die Beeren und Früchte fressen.

Aber während "abgewartet" wird, ob all die Experten sich einig werden (BUND und NABU sind gegen die Ganzjahresfütterung, denn sie wollen lieber das für hochwertiges Vogelfutter ausgegebene Geld der Leute lieber als Mitgliedsbeiträge haben), finden sich immer mehr "Allerweltsarten" auf der Rote Liste wieder.

Eher unbemerkt von der Allgemeinheit geraten Amseln, Grünfinken, Kohlmeisen, Spatzen und Stare in Bedrängnis, denn das Augenmerk gilt eher den großen Vögeln wie Adlern oder Störchen. Für diese laufen Artenschutzprojekte, die oft mit guten Erfolgen aufwarten können. Das Kleinzeugs hingegen stirbt langsam aus.

Ich finde es total erschreckend, daß sogar in diesem Forum soviele User sich zurücklehnen, die hohen Futterkosten einsparen möchten, der Meinung sind, daß Vögel "bequem" und "dick" werden und daß Rückkehrer aus dem Süden keine Nistplätze mehr vorfinden und man allen etwas "Gutes" tut, indem man keine Futterstellen einrichtet.

Die Realität ist, daß viele Vögel aufgrund der veränderten Klimaverhältnisse nicht mehr in den Süden fliegen, sondern bei uns überwintern (z. B. Stare und Mönchsgrasmücken). Und wenn Rückkehrer tatsächlich in Nöte geraten, dann bedeutet das, daß wir genau für diese Arten eben noch besser vorsorgen müssen mit allem, was sie brauchen, mehr Hecken, mehr Nistkästen usw.

Prof. Berthold führt in seinem Buch eine wunderbare Berechnung an anhand eines Beispielgartens von 500 qm Fläche. Es ist erschreckend, wie wenig Vögel sich das ganze Jahr darin tatsächlich ernähren könnten, sogar wenn der Garten ganz auf ihre Bedürfnisse abgestellt ist.

Und im übrigen fressen die Vögel, die man durch Futter- und Wasserstellen in die Gärten lockt, das Futter UND die sogenannten Schädlinge. Man muß ihnen nur genug Nistmöglichkeiten anbieten durch dichte Hecken, Plätze an Gebäuden und Nistkästen.

Caroline Grün und Gsaelzbaer haben auf diesen Beitrag reagiert.
Caroline GrünGsaelzbaer

Noch ein kleiner Nachtrag: "Abwarten" und "Aussitzen" wird doch überall auf der Welt im Moment exzessiv betrieben, von Regierungen, der EU, den Bauernverbänden etc.

Es ist relativ einfach, etlichen kleineren Vogelarten bei uns in Deutschland/Mitteleuropa zu helfen, viel einfacher, als Eisbären, Koalas oder Feuersalamandern den Lebensraum zu erhalten.

Wenn sogar in diesem Forum vom ewigen "Abwarten" geschrieben wird, kann ich nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

Ich bin auch ein Vogelwinterfütterer, weil um mich herum die konventionelle Landwirtschaft kaum etwas hergibt für unsere Vögel im Winter.

Mit der Ganzjahresfütterung kann ich mich nicht ganz anfreunden. Ich möchte die Vögel mit einem ständig gedeckten Tisch auch nicht " verhätscheln". Ich habe beobachtet, dass die Vögel " fauler" werden und morgens um die gewisse Uhrzeit schon sitzend auf mich warten. Mir ist es lieber, dass die Vogeleltern ihren Jungtieren beibringen, wie man sich in der Wildnis ernähren muss, ohne sich vom Menschen abhängig zu machen.

Ich habe zum Beispiel gestern eine Kompoststelle " geöffnet" , wo die Vögel viel gutes Futter fanden. Bei Schnee lege ich lieber Flächen unter den Sträuchern frei, damit die Amseln darunter scharen können. Laubhaufen werden jeden Herbst angelegt.

Wir können also darüber hinaus über die Fütterung von gekauftem Futter einiges tun, um unsere Vögel im Winter zu unterstützen.

Die Aufklärung darüber laüft hier im Forum auch immer wieder auf oder an.

Viele Vögel locken auch viele Katzen aus der Nachbarschaft an , ebenso wie die Greifvögel. Ich möchte, dass die Jungtiere hier in meinem Garten ungestört aufwachsen können unter natürlichen Bedingungen. Auf Dauer können hier nur soviele Vögel ernährt werden, wie es der Garten hergibt. Das Gleichgewicht zwischen Insekten und Vögeln muss gegeben sein, ist der Druck durch die Vögel zu hoch, kann sich die Insektenpopulation nicht erholen.

Für mich kann es nur so gehen, wie es auch Frank schon sagte. Man muss die Lebensräume im Garten für die Insekten schaffen und stabil halten, damit wir unseren Vögeln helfen können. Nur mit einer zusätzlichen Ganzjahresfütterung allein ist das nicht zu bewerkstelligen.

Es geht in diesem Forum nicht darum, dass sich " User hier zurücklehnen" ( ich bitte auch vorsichtig mit solchen Formulierungen zu sein, da man damit auch vielen Usern, die bemüht sind, ihre Gärten/ Horti ins Gleichgewicht zu bekommen, ungerechtfertigt auf die Füße tritt) um das Geld für Vogelfutter einzusparen! Hier gibt es sogar ganz viele User, die ganzjährige Fütterung vertreten. Aber es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, was die Vogelfütterung angeht!

Mir ist es auch lieber, dass jemand nicht füttert, der nicht dazu bereit ist, die Futterstellen sauber zu halten und sich keine Gedanken über das richtige Futter für die Vögel macht.

Auch Prof. Berthold hat über Jahre Lebensinseln angelegt und beobachtet, wie sich die Systeme dort stabilisiert haben. Ich habe vor Weihnachten noch einen TV- Beitrag von ihm gesehen. Ich verstehe deshalb nicht, warum bei Diskussionen immer nur Zitate von ihm aus dem Kontext heraus angebracht werden. Sein Tenor ist der Gleiche, wie bei uns Hortusianern...

Die Systeme ins Gleichgewicht bringen, damit es funktioniert.

 

 

Annika, Frank Schroeder und 4 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
AnnikaFrank SchroederKaiPrimulaverisMarissaKirstin Zoller
" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Ach und mir fällt noch etwas ein!

In anderen südländischen Ländern werden immer noch zuhauf Singvögel gefangen und verspeist! Ich erinnere mich noch gut an die Schlagzeilen der illegalen Vogeljagd in den vergangenen Jahren ( Jahrzehnten) in ganz Europa...

Bilder von unseren verendeten Rotkehlchen in Fangnetzen...

Wir füttern hier unsere Vögel zum "Artenerhalt" und auf dem Weg in den Süden werden sie dann abgefangen...der kommerzielle Schwarzhandel ist wohl auch noch nicht passe'...

Viele unsere Singvögel werden sogar als Lockvögel genutzt und landen nicht nur als Delikatesse auf den Tellern....

Wer weiß, wer von unseren Zugvögeln überhaupt den Weg zurück findet...es gibt soviele verschiedene Todesursachen.

Zu den verschiedenen Ursachen des Vogelsterbens habe ich hier einen ausführlichen Bericht vom Bund gefunden:

http://www.bund-rvso.de/vogelsterben-ursachen.html

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "
Zitat von tree12 am 6. Januar 2020, 9:44 Uhr

Wenn sogar in diesem Forum vom ewigen "Abwarten" geschrieben wird, kann ich nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

Cool Down, du gehst schon wieder die Wände hoch. Man kann über alles diskutieren und wie sich auch die Experten nicht einig sind, gibt es hier im Forum verschiedene Meinungen. Wir respektieren Deine Meinung, also respektiere Du bitte auch die der anderen.

Simbienchen, Frank Schroeder und 2 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
SimbienchenFrank SchroederMarissaCaroline Grün
Wer Pyramiden nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Horteln nicht unter zwei Jahren bestraft.
Zitat von tree12 am 6. Januar 2020, 9:44 Uhr

Noch ein kleiner Nachtrag: "Abwarten" und "Aussitzen" wird doch überall auf der Welt im Moment exzessiv betrieben, von Regierungen, der EU, den Bauernverbänden etc.

Es ist relativ einfach, etlichen kleineren Vogelarten bei uns in Deutschland/Mitteleuropa zu helfen, viel einfacher, als Eisbären, Koalas oder Feuersalamandern den Lebensraum zu erhalten.

Wenn sogar in diesem Forum vom ewigen "Abwarten" geschrieben wird, kann ich nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

nicht jeder ist so aufgebracht von nur einem Wort, es liegt dir am Herzen, das merkt man, aber Wir als Forum sind nicht repräsentativ genug um für "Alle" herzuhalten

Simbienchen hat auf diesen Beitrag reagiert.
Simbienchen
Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Ich finde es total erschreckend, daß sogar in diesem Forum soviele User sich zurücklehnen, die hohen Futterkosten einsparen möchten, der Meinung sind, daß Vögel "bequem" und "dick" werden und daß Rückkehrer aus dem Süden keine Nistplätze mehr vorfinden und man allen etwas "Gutes" tut, indem man keine Futterstellen einrichtet.

Ich bin etwas irritiert über die Ausdrucksweise und würde es - ehrlich gesagt - besser finden, wenn wir hier im Forum darauf verzichten könnten, eine Meinung/Möglichkeit zu einer Sache als alleingültig hinzustellen. Wir alle machen uns hier Gedanken zur Umwelt und zum Artenschutz, sonst wären wir nicht hier. Und wer ganzjährig füttert, hat sich sicher genau soviele Gedanken gemacht wie jemand, der es nicht tut. Das Thema ist kontrovers und jede Diskussionen sollte der Gegenseite noch "Platz zum atmen" lassen. Zig Experten haben zig verschiedene Ansichten veröffentlicht, das zeigt doch nur, dass die Natur mit all ihren Abläufen viel zu groß und vielschichtig ist und momentan noch das notwendige Wissen fehlt um endgültige Empfehlungen zu geben.

Simbienchen, Kai und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
SimbienchenKaiMarissaKirstin ZollerGsaelzbaer

Natürlich ersetzt eine Vogelfütterung keinen ernsthaften Artenschutz. Wer das behauptet, begreift meines Erachtens die Zusammenhänge des Ökosystems nicht.

Allerdings kann man zumindest einige Arten ganz gut mit Fütterung unterstützen. Andere hingegen natürlich nicht. Es fällt mir zum Beispiel eher schwer, Schwalben direkt zu füttern.

Für mich persönlich passt es zusammen, auf meinem verhältnismäßig kleinen Grundstück etwas für die Insekten zu tun und punktuell die Vögel zu füttern, damit sie über den Winter und die Brutzeit kommen. Im Sommer wird bei mir das Futter zum Beispiel schlecht, weil sie genug anderes finden. Deswegen füttere ich im Winter nicht.

Was mich an dieser Diskussion jedoch schon wieder stört, ist dass hier die persönliche Meinung einzelner zu einer verallgemeinernden Verurteilung ALLER User des Forums führt. Auch jener, die sich überhaupt nicht geäußert haben.

Vielleicht sollte sich mancher einfach einmal vornehmen, nicht mehr zu schnell durch die Decke zu gehen - und andere sich vornehmen, nicht immer so sehr darauf anzuspringen.

Yorela, Frank Schroeder und Gsaelzbaer haben auf diesen Beitrag reagiert.
YorelaFrank SchroederGsaelzbaer
Sei selbst der Wandel, nicht das Rädchen

Lustigerweise wird Ganzjahresfütterung und Fütterung durch einen belebten Garten häufig voneienander getrennt betrachtet.

Meine Vögel verhungern hier ja nicht, sie finden Futter, das ganze Jahr über. Gerade gestern konnte ich dem Rotkehlchen zusehen, wie es die fliegenden Wintermücken erjagte, immer schön, im Asterndickicht und ab und zu mal kurz rausgehüpft.

Meine Vögel hier finden Futter und werden satt.
Auch finde ich ja, wenn viele 500qm-Gärtner ihre Gärten naturfreundlich bewirtschaften, dann hat der Vogel eben viel Garten zur Verfügung.

Nicht der einzelne Garten zählt, sondern der Gartenverbund.

Annika, Malefiz und 2 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
AnnikaMalefizKirstin ZollerGsaelzbaer
Viele Grüße von der Gartenphilosophin. Übrigens: Jeder kann etwas tun!

Ich hab drei Futtersäulen befüllt und Meisenknödel hängen, eine Säule wird angeflogen - aber nur mäßig. Die Meisenknödel sind angepickt, aber großartig Schwund stelle ich nicht fest. Es liegt wohl auch an dem Garten als solches, das die Vögel sich, da der Schnee fehlt, anderweitig Futter finden.

Somit könnte ich die winterfütterung auch lassen.

Kirstin Zoller hat auf diesen Beitrag reagiert.
Kirstin Zoller
Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.
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