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Vogelfütterung ist kein Artenschutz

Gerade bin ich auf der Seite der Deutschen Wildtierstiftung über einen Satz gestolpert:

Mit einer Vogelfütterung lässt sich zwar kein Artenschutz betreiben. Aber die Vogelfütterung ermöglicht es uns, Vögel aus nächster Nähe zu beobachten.

https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/beim-voegel-fuettern-wasser-nicht-vergessen?fbclid=IwAR05_H4cIb4-Pb3t6CQLGt1Ok8QqDuwDJVNPMZKCDPlse0PssbsBUn9TXjs

Und es ist ja auch irgendwie logisch: Wer tummelt sich denn an den Futterstellen? Die Arten die am wenigsten menschenscheu sind und die, die es am häufigsten gibt.

Warum ich das jetzt hier poste? Weil ich finde, dass das wieder eine der vielen Dinge sind, die viele Menschen tun, weil sie etwas zum Artenschutz beitragen möchten. Genauso wie Schmetterlingsflieder gepflanzt wird, um Schmetterlingen zu helfen. Oder eben Forsythien für Bienen, weil die ja so schön früh blühen.
Solche Dinge gehören aufgeklärt. Damit der einzelne nicht aus Unwissenheit seine Energie in Maßnahmen investiert, die wenig bis gar nichts bringen.

Gegen richtige Vogelfütterung ist ja nichts einzuwenden, aber für Artenschutz muss ich andere Maßnahmen ergreifen.

Wie seht ihr das?

 

Kirstin Zoller hat auf diesen Beitrag reagiert.
Kirstin Zoller
Dieser Planet hat das Potenzial ein Paradies zu sein!

Hi , ich sehe das ähnlich. Wenn ich König von Deutschland wäre , würde ich Artenschutz abschaffen und durch Biotopschutz ersetzen. Für mich ist es wiedersinnig einzelne Tiere zu schützen und gleichzeitig deren Lebensräume zu zerstören.

Annika, Malefiz und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
AnnikaMalefizSimbienchenPrimulaverisKirstin Zoller

@Annika
das sehe ich auch so:
primär muss die Gestaltung des natürlichen Lebensraums inkl. der Nahrungslieferanten möglichst immer im Vordergrund stehen - und da sind gerade die Hortusianer mit ihren Horti vorbildlich :)
Zufütterung macht da Sinn, wo zu wenig natürliche Nahrung vorhanden/verfügbar ist und wo man zusätzlich einen Ort schaffen will, wo man unsere gefiederten Mitbewohner aus unmittelbarer Nähe beobachten möchte.

Aber wenn zufüttern, dann korrekt und vor allem in Maßen und im Sommer anders, als im WInter.

Leider richtet da das umfangreiche und sehr ausgefeilte Marketing der milliardenschweren Vogelfutterindustrie gewaltigen Schaden an.

Ich hatte letzte Saison zahlreiche Spatzenkükenverluste wegen Darmverschlusses durch Sonnenblumenkerne und leider hat sich das Phänomen deutschlandweit durch alle Pflegestellen fortgesetzt - genau so, wie die Gliedmaßenverkrüppelungen (Rachitis) durch Fehlernährung der Küken mit Futterstellenfutter.

Aufgrund der sich in den letzten Jahren stetig häufenden Problemen mit falscher Fütterung, die sich in den (in den Pflegestellen angelieferten) Nestlingen wiederspiegeln und mittlerweile auch durch aktuellere Studien belegt wurden, habe ich letzten Sommer zu dem Thema eine Seite eingerichtet.

 

Simbienchen hat auf diesen Beitrag reagiert.
Simbienchen
Sag niemals "nie", denn es gibt nichts, was es nicht gibt.....

Nein, es tummeln sich nicht nur "Allerweltsarten" (die es eh nicht mehr gibt!) an meinen Futterstellen, sondern auch Besonderheiten wie Goldammern, Stare, Baumläufer, Haubenmeisen, Mittelspechte, Buntspechte (einmal sieben Tiere gleichzeitig!), Wintergoldhähnchen, Girlitze, Dompfaffen, Stieglitze, Singdrosseln, Kernbeißer, Eichelhäher, Rabenkrähen, Elstern, Haussperlinge, Erlenzeisige und andere. Das soll immer so ein "Totschlagargument" sein der Füttergegner, es gibt diese "Allerweltsarten" schon ganz lange nicht mehr. Alles ist im Rückgang begriffen, sogar die Kohlmeisen!

Im Sommer stärkte sich ein entwischter Kanarienvogel in meinem Futterhaus, zog leider weiter, anstatt sich anlocken zu lassen. Im Februar 2018 kam sogar eine Waldschnepfe zu uns. Und natürlich bedienen sich auch meine Hörnchen (die ausgewilderten und fremde) an den Sonnenblumenkernen.

Ich füttere schon lange ganzjährig, mit vielen verschiedenen Futtermitteln an vielen Futterstellen und mit vier Vogeltränken (und Teich). Gleichzeitig tue ich was ich kann für die Insektenwelt. Mein Garten ist voller Nistkästen, von denen fast alle bezogen werden (bis auf ein paar Spezialkästen).

Hätte ich die Mittelspechte nicht durch die Fütterung in meinen Garten gelockt, würden sie nicht schon im dritten Jahr in Folge von Ende Oktober bis Ende März in meinen beiden Starenkästen überwintern. Diese beiden Vögel sind bei Kälte und Gefahr sicher bei mir untergebracht, weswegen ich das schon ein klein wenig als "Artenschutz" ansehe.

Und an den Futterstellen kann ich jederzeit beobachten, wer kommt, wer fernbleibt, wie sich die Populationen entwickeln, ob die Vögel einen gesunden Eindruck machen. Ja, und der Sperber kommt auch öfter vorbei, gehört ebenfalls zur Nahrungskette. Es sitzt auch ab und an ein Mäusebussard in meinem relativ kleinen Garten, ruht sich aus oder trinkt an einer Wasserschale auf einem Zaunpfosten.

Evy, Kirstin Zoller und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
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Hi Andrea, du sagst es selbst. "Ich tue auch für andere Tiere etwas."Genau DAS verstehe ich unter Biotopschutz . Mein Credo: wer Vögel füttern will , muss auch was für Insekten tun!

Gartenphilosophin, Simbienchen und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
GartenphilosophinSimbienchenMarissaKirstin ZollerGsaelzbaer
Zitat von Frank Schroeder am 3. Januar 2020, 15:59 Uhr

Hi Andrea, du sagst es selbst. "Ich tue auch für andere Tiere etwas."Genau DAS verstehe ich unter Biotopschutz . Mein Credo: wer Vögel füttern will , muss auch was für Insekten tun!

Ja, klar, alles was kommen will, von der Erdkröte über die Libelle bis hin zum Mauswiesel ist willkommen und wird unterstützt. Mein Garten soll ein Mini-Biotop sein für jeden Gast (außer für Katzen, die meine Hörnchen, Vögel, Libellen und Schmetterlinge jagen).

Kirstin Zoller hat auf diesen Beitrag reagiert.
Kirstin Zoller

@andreamast Das ist super was du machst! Und es spricht auch niemand gegen eine Vogelfütterung um die Tiere zu untertützen. Du scheinst dich ja auch informiert zu haben und fütterst im Sommer anders als im Winter. Das bei dir auch seltene Arten kommen ist auch wunderbar. Liegt aber - meiner Meinung nach daran - das du viel ganzheitlicher handelst. Du gestaltest deinen Hortus, du schaffst Lebensräume, optimierst Bedingungen, stabilisierst Kreisläufe und ja... fütterst.
Nur füttern in einer supotimalen Umgebung mit schlechten Bedingungen... Da kommt keine Goldammer vorbei oder überwintert ein Specht.

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MarissaKirstin ZollerGsaelzbaer
Dieser Planet hat das Potenzial ein Paradies zu sein!
Zitat von Annika am 3. Januar 2020, 17:28 Uhr

@andreamast Das ist super was du machst! Und es spricht auch niemand gegen eine Vogelfütterung um die Tiere zu untertützen. Du scheinst dich ja auch informiert zu haben und fütterst im Sommer anders als im Winter. Das bei dir auch seltene Arten kommen ist auch wunderbar. Liegt aber - meiner Meinung nach daran - das du viel ganzheitlicher handelst. Du gestaltest deinen Hortus, du schaffst Lebensräume, optimierst Bedingungen, stabilisierst Kreisläufe und ja... fütterst.
Nur füttern in einer supotimalen Umgebung mit schlechten Bedingungen... Da kommt keine Goldammer vorbei oder überwintert ein Specht.

Ja, das finde ich immer total befremdlich: englischer Rasen, Thuja, kein Wildkräutlein weit und breit - aber ein Futterhaus an der Terrasse. Viele Leute belesen sich kein Stück und wissen überhaupt nicht, was Vögel brauchen. Die sagen dann ganz oft: "Ich füttere, aber es kommt kaum ein Vogel vorbei, ich verstehe das gar nicht."

Oder sich scheren sich gar nicht um die Vögel und meinen, in der Natur wäre der Tisch reichlichst gedeckt.

Es sind diese zwei Lager, die sich kaum miteinander vereinen lassen.

Bei mir werden die Vögel nicht gefüttert, ausser über da, was mein Garten hergibt.

Mir ist und bleibt die Balance wichtig, die sich zw. Insekten und Vögeln und Samenkörnern meines Gartens einpendelt.
Zu mir kommen auch mehr und mehr Vogelarten, sie sind mal mehr, mal weniger zu sehen.

Für mich ist auch die hoch angepriesene Mehlwurmfütterung im Frühjahr grenzwertig, einfach weil Mehlwürmer getrocknet noch nicht mal für Hühner sinnvoll sind, Zu salzig, zu fettig.

Füttern verschiebt das Pendel zugunsten der Vögel, und füllt fremde Taschen, die nicht Gärtnern gehören. Mein Geld wandert zu Gärtnereien und nicht zu Futtermittelhändlern.

Annika, Simbienchen und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
AnnikaSimbienchenFrank SchroederMarissaKirstin Zoller
Viele Grüße von der Gartenphilosophin. Übrigens: Jeder kann etwas tun!

Ich bin neulich über eine Passage in "Drei-Zonen-Garten" gestolpert. Markus Gastl schreibt, dass die Rückkehrer schlechte Karten hätten im Kampf um die besten Nistplätze, wenn die bei uns überwinternden Vögel so gut gefüttert wurden und topfit sind.

Auch an anderer Stelle fand ich schon Hinweise, dass Vögel im Winter einen sehr geringen Energieverbrauch hätten und "nur rumsitzen" würden. Im Frühling sei dann Nestbau und anschließend der Stress mit dem Nachwuchs; da bräuchte es dann viel eher eine Unterstützung.

Ich habe mich darauf verlegt, einen insekten- und vogelfreundlichen Garten anzupflanzen und warte darauf, dass sich die Experten einig werden, was denn nun richtig ist. Auch möchte ich, dass sich die Vögel meine Schädlinge holen und nicht nur im Vogelhäuschen der Nachbarn sitzen.

Gartenphilosophin, Annika und Simbienchen haben auf diesen Beitrag reagiert.
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