Willkommen im Forum
Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Vogelfütterung im Sommer

Danke für Deinen Beitrag, Kirsten, besser hätte ich es auch nicht formulieren können. Es besteht kein Grund, auf einem anerkannten Ornithologen herumzuhacken, der nur das Beste für Vögel und die Natur insgesamt möchte und sich unermüdlich zusammen mit seiner Frau dafür einsetzt.

Nirgendwo sagt er, es reicht, irgendwo ein paar Sonnenblumenkerne hinzustreuen oder einen Meisenknödel aufzuhängen. Im Gegenteil, er kritisiert die Lebensraumzerstörung immer und immer wieder und treibt sein Biotope-Projekt nach Kräften voran. Und er kritisiert genauso die geschleckten Rollrasen/Kirschlorbeergärten, wo man sich schick ein kleines Futterhaus mitten reinstellt....

Einen sehr bodenständigen Humor hat er auch noch.... :-)

Sein Buch hat mir die Augen geöffnet für den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Vogelfutter und für viele andere kleine Details. Das Buch kostet nur 10 Euro, ist für jeden erschwinglich und auch nicht besonders dick. Eigentlich sollte es Pflichtlektüre im Biologieunterricht werden.

Stimmt, ich habe sein Buch noch nicht gelesen ! Da gebe ich dir recht , Andrea, ich habe mich mit Prof. Berthold noch nicht richtig befasst.  Ich habe lediglich Berichte im TV von ihm gesehen und ein paar Interviews im Internet gelesen. Das macht mich nicht zum Prof. Berthold - Spezialisten. Ich habe auch verstanden und gesehen, für was er steht und dass er sich sehr einsetzt. Habe Aufnahmen von seinem tollen Garten gesehen ...das gefällt mir alles super !

Nur wurde in der Vergangenheit sein Name aber sehr oft im Zusammenhang mit der Ganzjahresfütterung gebracht. Auch in Interviews stellt er klar, dass er nicht nur die Ganzjahresfütterung empfiehlt, sondern sie sogar als unsere moralische Verpflichtung sieht, da wir als Mensch die Landschaften so ausgeräumt haben.

In diesem Interview, was ich gelesen hatte, hatte er nicht darauf hingewiesen, dass Vogelfütterung nur eine Unterstützung ist und der eigentliche Schwerpunkt und Fokus auf die Anreicherung der Vielfalt in den Gärten erfolgen muss um unseren Vögeln zu helfen.

Mir war es wichtig mit all meinen Worten, herauszustellen, wie die Leute Informationen selektieren und wie der Umgang damit draußen ist.

Ja, meine Formulierung war überspitzt, aber deshalb, weil zu diesem Thema etwas in der Reihenfolge falsch gelaufen ist . Es läuft immer noch anders herum, erst wird gefüttert und zu langsam Veränderungen umgesetzt. Ich möchte auch niemandem zu nahe treten, aber manchmal gLaube ich, wir alle müssen noch deutlicher und lauter werden, damit Umdenken stattfindet.

Der Tenor ist immer wieder, dass die Menschen irgendwo gehört haben, dass es da einen Professor gibt, der die Vogelfütterung empfiehlt. Die Menschen differenzieren nicht, dass er zuerst empfiehlt Naturgärten, wilde Gärten, Biotopverbünde etc etc zu anzulegen und die zusätzliche Vogelfütterung nur eine kleine Unterstützung ist.

Die Menschen kaufen auch nicht sofort sein Buch, viele Informationen werden im Internet abgerufen. Genauso wie ich mich darüber über ihn informiert habe.

Jedes Jahr werden immense Vogelfutterbestände verkauft , die in den Gärten verfüttert werden. Trotzdem sterben die Allerweltsvögel weiterhin. Die Meisen starben z.B. dieses Jahr an einem Bakterium (Suttonella ornithocola) , wo von der NABU gewarnt wurde, dass man das Füttern an gemeinsamen Futterstellen in betroffenen Gärten besser einstellen soll.

Krankheiten können wohl doch an Futterstellen und Tränken auf die Vögel übertragen werden, obwohl vor Jahren von Prof. Berthold darauf hingewiesen wurde, dass die Vögel ein derart gutes Immunsystem haben und deren Körpertemperatur (45°) so hoch ist, dass Bakterien keine Chance haben. Steht es wirklich immer noch so gut um die Gesundheit unserer Vögel ? Kann nicht auch ein Immunsystem irgendwann versagen ?

Trotzdem sterben Vögel auch an Trichomonaden. An der sogenannten Trichmonadose. Massensterben von Grünfinken in der Vergangenheit. Angeblich reicht es dann, eine Weile kein Wasser hinzustellen. Die NABU rief auf, Wasserstellen trocken zu legen.

Lange Rede kurzer Sinn:

Wichtig ist mir in unserem Forum, dass wir es in solchen Thementhreads ganz klar herausstellen, dass die Aufwertung der Gärten an natürlichen Nahrungsquellen und Lebensräumen vor der Vogelfütterung steht. Siehe Post von Frank Schroeder @ommertalhof auf der 1. Seite!

 

 

 

 

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Hallo zusammen , das ist ja eine gelungene Diskussion  @simbienchen , kannst du bitte noch den Link zum Hinweis auf meinen Post zum Thema Lebensräume-Vogelfütterung setzten.

Ich möchte nur etwas Grundsätzliches sagen. Es fällt in letzter Zeit sehr auf , dass auf den Grünen , dem Nabu , dem BUND , Greenpeace und allen möglichen Leuten , so auch Prof. Berthold rumgehackt wird ,weil die Geld verdienen und Mitglieder werben wollen.

Ja und , was ist daran so schlimm?

Warum müssen Menschen , die etwas für die Umwelt tun 120prozentige Heilige sein , während alle anderen nur durch Umweltzerstörung oder Recourcenverbrauch zu Geld und Ansehen kommen?

Grosse Umweltverbände wie Greenpeace brauchen Geld um sich finanzieren zu können. Die haben auch Angestellte und müssen Steuern zahlen usw. Dann sollen sie auch von ihrem Ruf profitieren. Schliesslich stehen die auf unserer Seite , und bei denen ist das Geld bestimmt besser aufgehoben als bei Bayer/Monsanto , die forschen ja schliesslich auch für den Umweltschutz.

Hallo Frank, @ommertalhof

meinst du damit diesen Thread ?

Deinen Post, den ich meinte, befindet sich hier in diesem Thread auf der ersten Seite, dazu kann ich leider keinen Link setzen. Ich kann nur immer Threads verlinken, keine einzelnen Posts.

Edit: Hab gerade mal Robert gefragt, jetzt kann ich es doch:

Ich hacke doch gar nicht auf Prof. Berthold als Person herum oder dass er evtl sogar Geld mit seiner Werbung verdient. Soll er gerne und damit sein Engagement für die Erschaffung der Biotope oder sein Vogelfutter finanzieren. Im Gegenteil, ich finde sein Engagement für die Lebensräume der Insekten und Vögel beispielhaft!

Was mich eigentlich stört ist, dass seine Botschaft der Ganzjahresfütterung die Bequemlichkeit derjenigen Menschen unterstützt, die sowieso nichts im Garten verändern wollen.  Die Menschen hören selektiv und hören nur, dass man mit der Fütterung das Vogelsterben hinauszögern oder überbrücken kann. Dieses Denken fördert in meinen Augen nicht das Umdenken und im eigenen Garten aktiv zu werden. Warum auch ? Wozu brauchen wir noch Insekten, wenn wir doch Vogelfutter kaufen können und die Piepmätze damit unterstützen können...

Ich glaube auch, dass es für die Insektenpopulation eher kontraproduktiv ist , wenn wir durch die Ganzjahresfütterung auch noch die Vögel aus der gesamten Umgebung in unsere Gärten locken und somit verhindern, dass sich die Insekten erholen.  Wie du schon in deinem Post sagtest, wenn der Druck der Prädatoren zu groß wird, gibt es keine nächste Generation Raupen ...

In irgendeinem Interview erzählte Prof. Berthold von seinem Garten, ich glaube er hatte so ca 500 qm, wenn ich mich recht erinnere und er hatte aufgezählt, wie viele verschiedene Brutpaare dort nisteten. Ich weiß es nicht mehr genau, aber es waren mehr als 50 - glaube ich und er verfütterte täglich 150 Meisenknödel. Gibt es in seinem Garten überhaupt noch Insekten ? Haben die dort überhaupt eine Chance, sich zu vermehren ?

Edit: habe gerade nochmals nachgelesen, es waren 15-20 verschiedene nistende Vogelarten!

Ich kopiere mal ein paar Sätze von dir aus deinem Post hierhin:

Denn so bitter wie das ist , aber mehr Singvögel bedeutet noch weniger Insekten , speziell der Raupen von Schmetterlingen .  Leider ist es ja so , dass fast alle Singvogeljungen hauptsächlich mit Raupen
gefüttert werden . Das wiederum heisst mehr Vögel , weniger Raupen , weniger Raupen , weniger Jungvögel. Also alles in allem ein Rückgang der Gesamtpopulation.

Mein Lösungsansatz ist : wer Vögel im Sommer mit Festfutter füttern möchte , muss viel mehr für Raupen und Jungvogelfutter tun!

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Hi Simone , dich meinte ich doch gar nicht. Mir geht es um eine allgemeine Tendenz. Und danke für link und Zitat. Ich kann zb. überhaupt nichts mit vielen Äusserungen von Wohlleben anfangen,  aber was der für den Umweltschutz leistet ist enorm.Und  der verdient sich eine Goldene Nase damit. Und das ist auch gut so.

Zitat von Frank Schroeder am 15. Oktober 2020, 7:54 Uhr

Hi Simone , dich meinte ich doch gar nicht. Mir geht es um eine allgemeine Tendenz. Und danke für link und Zitat. Ich kann zb. Überhaupt nichts mit vielen Äusserungen von Wohlleben anfangen,  aber was der für den Umweltschutz leistet ist enorm.Und der der verdient sich eine Goldene Nase damit. Und das ist auch gut so.

Also, daß Peter Wohlleben sich eine "goldene Nase" verdient, kann ich nicht glauben... er hat seinen sicheren Job aufgegeben, hat vor einiger Zeit seine Waldakademie gegründet, muß Angestellte bezahlen, für die Rente von sich und seiner Frau vorsorgen, hat Reisekosten, kann die Zeit, während er an einem Buch schreibt, nicht im Wald tätig sein etc. Sicherlich arbeitet er mit Gewinn, aber steinreich wird sicherlich nicht.

Die Diskussion zeigt, wie schwierig und komplex das Thema ist. Es ist sehr schade, wenn Naturschützer in ein schlechtes Licht geraten, nur weil sie Geld verdienen (an den Menschen, die gern etwas für die Umwelt tun möchten) oder weil ihr Standpunkt zu einseitig betrachtet wird.

Für mich steht es außer Frage, dass diejenigen Lebewesen, die in der Nahrungskette ganz unten stehen Priorität in der Förderung haben sollten. Das werden wohl in erster Linie die Insekten sein, bzw. die Futterpflanzen. Es heißt aber nicht, dass man auf das Fördern der Lebewesen weiter oben in der Nahrungskette verzichten sollte, oder?

Wenn ich unseren Hortus beobachte, bekomme ich leider nicht den Eindruck, dass ein naturnaher Garten reicht, um genug Lebensraum oder Nahrung für irgendein Tier zu bieten, dass einen Bewegungsradius von über 500m hat. Unser Hortus ist ca. 1km² groß, minus Bebauung vielleicht 800m². Ein Drittel davon sind wilde Ecken, wo ich nicht mal einen Fuß reinsetze. Weil mein Freund seinen Arm gebrochen und beruflich eh grad keine Zeit hat, wurden dieses Jahr weder die Hecken geschnitten noch die Wiese im unteren Bereich gemäht. Und trotzdem reicht das kleine Fleckchen Erde nicht. Im Satellitenbild unten ist unser Garten als blauer Punkt markiert. Man erkennt deutlich, dass es auf der umgebenden Fläche überwiegend konventionell bewirtschaftetes Feld gibt. Dann Wiesen, die für Silage gedüngt und gemäht werden, etwas Wald und bebaute Flächen. Ein paar Gärten gibt es auch. Aber mich wundert es da gar nicht, dass meine Futterstation jeden Tag leergeplündert ist. Die Eidechsen und Igel kommen wahrscheinlich zu uns bzw. bleiben bei uns, weil sie nirgendwo anders hinkönnen. Die Aufnahme ist übrigens vom Frühjahr, deswegen sind die Bäume noch so grau.

Hochgeladene Dateien:
  • Googlemaps-2020.jpg

@evelyn , solche Trittbrettflächen wie dein Garten , ich musste gerade schlucken :1km² du meintest bestimmt 1000m², sind enorm wichtig. Deshalb muss es ja so viele wie möglich von uns geben , damit Wanderungsbewegungen von Tieren überhaupt stattfinden können. Selbst in der Agrarwüste befinden sich ja Trittbretter in Form von Wäldern und dieses Grüne Band in dem dein Hortus wohnt ist Gold wert.

@ommertalhof

Ja, ich meinte 1000m², die andere Zahl ist Wunschdenken 😅

Ich wollte auch nicht den Wert des Hortus infrage stellen - ich bin ganz begeistert, wer alles zu Besuch kommt - sondern nur die These, dass ein naturnaher Garten reichen würde und Vogelfütterung unnötig sei, abschwächen. Wir haben auch etliche Raubvögel, z.B. Rotmilane, die sich von "zu viel" Kleinvögeln ernähren könnten.

Das Argument, das für mich am ehesten gegen Vogelfütterung spricht, ist, dass das Vogelfutter auch irgendwo angebaut werden muss und dafür wieder Fäche bewirtschaftet wird, die kein Lebensraum mehr sein kann. Wenn Erdnüsse im Vogelfutter bedenklich sind, sind es vielleicht auch die Samen der nicht-heimischen Sonnenblume?

Also, wegen Sonnenblumenkernen im Vogelfutter würde ich mir jetzt keine Gedanken machen... ich esse ja selbst oft welche im Salat. Die blühenden Sonnenblumen auf Feldern bieten ja auch wieder Insektennahrung. Ich bestelle immer 25-kg-Säcke mit schwarzen Sonnenblumenkernen, die in Hessen angebaut werden.

Und Erdnüsse - die ißt der Mensch ja auch im großen Stile, geröstet und gesalzen, in der Schale, als Sauce, als Flips, als Erdnußbutter etc.

Menü schließen
Zur Werkzeugleiste springen