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Vogelfütterung im Sommer

Aus gegebenem Anlass hier ein Beitrag, der gerade das Hortus-Forum erreicht hat:

Private Wildvogelhilfe Rhein-Main

Thema Fettfutter im Sommer.

Es heißt ja oft, dass Vogeleltern Erdnusskerne, etc. nur selbst fressen und für die Küken dann Insekten sammeln....
Habe seit zwei Tagen eine kleine Meise aus der Notfallgruppe. Sie wurde im Garten gefunden, dann wieder in den Meisenkasten verbracht und saß am nächsten Tag wieder draußen.
Die Kleine war in einer richtig schlechten Verfassung, hat sich aber nach Infusion und Wärme stabilisiert. Allerdings hatte sie einen steinharten Bauch, als hätte sie eine Murmel verschluckt. Der Kotabsatz hat ihr sichtlich Probleme bereitet. Heute hat sie dann mühsam zwei solcher Häufchen rausgepresst. Jetzt geht es ihr besser, der Bauch ist weich, bis auf eine kleine "Restmurmel", die hoffentlich heute im Laufe des Tages noch rauskommt.
Es sind lauter kleine, unverdaute Erdnussstückchen, die die Eltern verfüttert haben. Womit ja wohl bewiesen wäre, dass Vogeleltern Fettfutter auch an ihre Küken verfüttern und dieses den Küken massive Probleme bereitet.

 

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Hallo Yorela , hatten wir uns nicht darüber unterhalten , dass die Sommerfütterung aus meiner Sicht sowieso ziemlich kontrovers zu sehen ist?

Ich bin ja der Meinung , dass die Sommerfütterung das Problem des Insektensterbens und somit des Singvogelrückganges nur befeuert.

Denn so bitter wie das ist , aber mehr Singvögel bedeutet noch weniger Insekten , speziell der Raupen von Schmetterlingen .

Leider ist es ja so , dass fast alle Singvogeljungen hauptsächlich mit Raupen gefüttert werden . Das wiederum heisst mehr Vögel , weniger Raupen , weniger Raupen , weniger Jungvögel. Also alles in allem ein Rückgang der Gesamtpopulation.

Wenn jetzt auch noch die Elternvögel in Ermangelung von tierischem Futter auf Festfutter zurückgreifen müssen , ein Futter das um diese Jahreszeit natürlich nicht vorhanden ist , dann sterben die Jungvögel an Verstopfung!

Mein Lösungsansatz ist : wer Vögel im Sommer mit Festfutter füttern möchte , muss viel mehr für Raupen und Jungvogelfutter tun!

Wir füttern ausschliesslich im Winter , allerdings haben wir auch für die Sommerfütterung über 3000m² Wildgehölze , vorzugsweise solche die für Schmetterlingsraupen als Futterpflanzen interessant sind.

Dazu nochmal der Hinweis : Ihr könnt bei uns ab Ende September wieder umsonst Wildgehölze abholen und am kommenden WE , 9.06. ist auch wieder offene Gartenpforte bei uns auf dem Ommertalhof.

 

Grüsse vom Frank

 

Lars und Evy haben auf diesen Beitrag reagiert.
LarsEvy
Zitat von Yorela am 4. Juni 2019, 16:09 Uhr

Aus gegebenem Anlass hier ein Beitrag, der gerade das Hortus-Forum erreicht hat:

Private Wildvogelhilfe Rhein-Main

Thema Fettfutter im Sommer.

Es heißt ja oft, dass Vogeleltern Erdnusskerne, etc. nur selbst fressen und für die Küken dann Insekten sammeln....
Habe seit zwei Tagen eine kleine Meise aus der Notfallgruppe. Sie wurde im Garten gefunden, dann wieder in den Meisenkasten verbracht und saß am nächsten Tag wieder draußen.
Die Kleine war in einer richtig schlechten Verfassung, hat sich aber nach Infusion und Wärme stabilisiert. Allerdings hatte sie einen steinharten Bauch, als hätte sie eine Murmel verschluckt. Der Kotabsatz hat ihr sichtlich Probleme bereitet. Heute hat sie dann mühsam zwei solcher Häufchen rausgepresst. Jetzt geht es ihr besser, der Bauch ist weich, bis auf eine kleine "Restmurmel", die hoffentlich heute im Laufe des Tages noch rauskommt.
Es sind lauter kleine, unverdaute Erdnussstückchen, die die Eltern verfüttert haben. Womit ja wohl bewiesen wäre, dass Vogeleltern Fettfutter auch an ihre Küken verfüttern und dieses den Küken massive Probleme bereitet.

 

Ich habe gegenteilige Erfahrungen gemacht. Auch Prof. Berthold erklärt in seinem Buch, daß Vogeleltern nur "falsches" Futter verfüttern, wenn es nichts anderes in der Natur gibt, also keine passende Insektennahrung.

Hier holen Stare, Amseln, Spatzen, Meisen und andere regelmäßig Fettklumpen von der Erdnußbutter oder den (weichen!) Meisenknödeln, vermischen dieses oft, aber nicht immer, noch schnell mit einem Wurm oder Käfer vom Erdboden und tragen dieses Gemisch zu ihren (schon etwas älteren) Jungen.

Und überall im Garten wimmelt es derzeit vor Vogelnachwuchs: ich habe junge Buntspechte, Mittelspechte, Amseln, Stare, Zaunkönige, Spatzen, Stieglitze, Kernbeißer, Blau- und Kohlmeisen. Die zweiten Bruten sind wieder in vollem Gange. Wenn das Fettfutter so ungeeignet wäre, hätte ich nicht überall kerngesunden Nachwuchs herumspringen.

Erdnußkerne sind natürlich keine geeignete Nahrung für Jungvögel, es wird Fett benötigt in Form von Erdnußbutter, Rindertalg, Fettblöcken, Meisenknödeln oder auch Fetthaferflocken. Die Menschen, die ganzjährig füttern möchten, müßten sich besser informieren und belesen, was wann benötigt wird.

Wer es über sich bringt, könnte auch Mehlwürmer züchten oder gleich lebende Mehlwürmer kaufen und diese reichen. Das schont ebenfalls unsere Insektenwelt. Bislang reiche ich nur getrocknete Mehlwürmer, diese finden reißenden Absatz, im Sommer mehr als im Winter.

Hallo Yorela , hatten wir uns nicht darüber unterhalten , dass die Sommerfütterung aus meiner Sicht sowieso ziemlich kontrovers zu sehen ist?

 

Wenn das Fettfutter so ungeeignet wäre, hätte ich nicht überall kerngesunden Nachwuchs herumspringen.

Es ging mir bei diesem Thread nicht um die generelle Beurteilung der Sommerfütterung und ich habe den Artikel auch nicht so verstanden, dass Fettfutter generell ungeeignet ist. Ich verstehe das so, dass die Erdnussstücke einfach von den "Kleinen" nicht richtig verdaut werden können und eine Sommerfütterung - so sie denn stattfindet - besser mit kleinen Sämereien (Mohn, Hanf...), Insekten (z.B. Mehlwürmer) und geeigneten Früchten (z.B. getrocknete Ebereschen) durchgeführt werden sollte.

Über das Pro und Contra der Sommer-Fütterung könnten wir sicher 20 Seiten hier füllen und wahrscheinlich wären die Meinungen darüber hinterher genauso kontrovers. Beide Seiten haben sehr gute und schlüssige Argumente.

 

Zitat von Yorela am 4. Juni 2019, 22:14 Uhr

Hallo Yorela , hatten wir uns nicht darüber unterhalten , dass die Sommerfütterung aus meiner Sicht sowieso ziemlich kontrovers zu sehen ist?

 

Wenn das Fettfutter so ungeeignet wäre, hätte ich nicht überall kerngesunden Nachwuchs herumspringen.

Es ging mir bei diesem Thread nicht um die generelle Beurteilung der Sommerfütterung und ich habe den Artikel auch nicht so verstanden, dass Fettfutter generell ungeeignet ist. Ich verstehe das so, dass die Erdnussstücke einfach von den "Kleinen" nicht richtig verdaut werden können und eine Sommerfütterung - so sie denn stattfindet - besser mit kleinen Sämereien (Mohn, Hanf...), Insekten (z.B. Mehlwürmer) und geeigneten Früchten (z.B. getrocknete Ebereschen) durchgeführt werden sollte.

Über das Pro und Contra der Sommer-Fütterung könnten wir sicher 20 Seiten hier füllen und wahrscheinlich wären die Meinungen darüber hinterher genauso kontrovers. Beide Seiten haben sehr gute und schlüssige Argumente.

 

Daß es in dem Artikel nicht um" Sommerfütterung ja oder nein" ging, ist mir schon klar. Darum meinte ich ja, daß die Ganzjahresfütterer das "richtige" Futter während der Brutzeit reichen müssen, wenn man solche Szenarien wie mit dem beschriebenen Jungvogel vermeiden möchte.

Ich füttere das ganze Jahr über Erdnußbruch, aber genauso gut auch die weichen Meisenknödel, Erdnußbutter im Glas, Haferflocken und getrocknete Mehlwürmer (Fettblöcke gibt es nur in der kälteren Jahreszeit, da diese in der Hitze dahinschmelzen).

Die Vogeleltern holen bei mir keinen Erdnußbruch aus dem Silo für ihr Jungvolk - weil sie die richtigen Alternativen angeboten bekommen. Sie holen nur das weiche Fett und auch mal Mehlwürmer. Das Fett tragen sie pur ins Nest oder vermischen es mit einem Insekt.

Mohn und Hanf werden nicht von allen Vogelarten angenommen (kleinere Sämereien sind meist für kleine Vogelarten) und getrocknete Ebereschen werden von Wildvögeln so gut wie gar nicht gefressen (zumal viele Vogelarten mit Obst und Beeren nichts am Hut haben). Die Ebereschen beläßt man am besten einfach am Baum, sie sind Notfutter für Amseln und Drosseln.

 

Ich habe nach der ersten Brut aufgehört dazuzufüttern und habe die Vögel weiter beobachtet. Ich sehe sie (Finken, Spatzen..) an den Samenständen der kleinen Braunelle, an den Disteln und an Gräsern picken. Amseln ( Allesfresser) die auch die Schnecken fressen. Drosseln sitzen immer in der Nähe der Komposter (ich habe mehrere Kompoststellen im Hortus), suchen in der Wiese und wühlen im Mulch. Meisen suchen in der Pufferzone die Äste und das Gehõlz ab . Baumläufer finden an der Rinde auch ausreichend Futter. Insgesamt habe ich trotzdem, dass ich nicht im Sommer zufüttere, dieses Jahr jede Menge verschiedene Vögel im Hortus.

Ich mähe meine Wiese um's Haus für sie extra nicht, da gibt es jetzt jede Menge Samenstände...

Wichtig sind viele Wasserstellen, die werden immer gut besucht bei mir. Ich habe acht Wasserstellen im Hortus verteilt.

Fazit: wenn wir nicht immer alles abmähen und wegschneiden was verblüht ist, dann finden unsere einheimischen Vögel auch genug Futter . Meiner Meinung nach braucht es dann keine Sommerfütterung! Ein Hortus bietet genug Vielfalt...

Evy hat auf diesen Beitrag reagiert.
Evy
" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "
Zitat von Simbienchen am 28. Juli 2019, 18:32 Uhr

Ich habe nach der ersten Brut aufgehört dazuzufüttern und habe die Vögel weiter beobachtet. Ich sehe sie (Finken, Spatzen..) an den Samenständen der kleinen Braunelle, an den Disteln und an Gräsern picken. Drosseln sitzen immer in der Nähe der Komposter (ich habe mehrere Kompoststellen im Hortus), suchen in der Wiese und wühlen im Mulch. Meisen suchen in der Pufferzone die Äste ab ( nach Läusen?). Baumläufer finden an der Rinde auch ausreichend Futter. Insgesamt habe ich trotzdem, dass ich nicht im Sommer zufüttere, dieses Jahr jede Menge verschiedene Vögel im Hortus.

Ich mähe meine Wiese um's Haus für sie extra nicht, da gibt es jetzt jede Menge Samenstände...

Wichtig sind viele Wasserstellen, die werden immer gut besucht bei mir. Ich habe acht Wasserstellen im Hortus verteilt.

Fazit: wenn wir nicht immer alles abmähen und wegschneiden was verblüht ist, dann finden unsere einheimischen Vögel auch genug Futter . Meiner Meinung nach braucht es dann keine Sommerfütterung! Ein Hortus bietet genug Vielfalt...

Da muß ich entschieden widersprechen! Wenn Du sehen könntest, was im Moment an Futtermengen bei mir weggehen - mehr als den ganzen Winter. In den Hitzeperioden müssen Vögel ihre Energie sparen, sie sind dankbar für jedes Futter,  das man anbietet. Auch jetzt, im Temperatursturz (von 41 Grad runter auf 19 Grad und Regen) ist der Bedarf an Futter riesig.

Sämtliche Futterstellen waren heute den ganzen Tag über immer wieder belegt, auch von den großen Vögeln wie Rabenkrähen, Eichelhähern, Elstern, Ringeltauben, Buntspechten. Sogar der Mittelspecht, der im Hochsommer NIE bei mir ist, wurde gestern an den Knödeln gesichtet. Ein Trupp Stare (ca. 30 Tiere, jung und alt) hat sich immer wieder mit viel Gezanke verköstigt. Ferner tauchen auch auf: Spatzen, Kernbeißer, Grünfinken, Buchfinken, Stieglitze mit Jungvolk, Amseln, Dompfaffen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpfmeisen, Mönchsgrasmücken, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und andere.

Die kommen alle nicht zum Spaß, sondern weil sie Hunger haben. Ich reiche im Moment die volle Palette an Futter, sogar einen Fettblock habe ich aufgetaut. Die getrockneten Mehlwürmer gehen weg wie warme Semmeln, ebenso schwarze Sonnenblumenkerne, Erdnußbruch, Erdnußbutter, Meisenknödel und alle Kleinsämereien, Rosinen, Haferflocken, Zirbelnüsse, Mandeln...

Wenn Du es noch nicht kennst, kauf Dir bitte das Buch von Prof. Berthold "Vögel füttern - aber richtig". Er stellt dort auch eine Berechnung an über einen naturbelassenen Garten von 500 qm und wie wenige Vogelpaare sich davon überhaupt ernähren könnten! Es ist ein absoluter Trugschluß, daß ein paar Naturgärten unsere Vogelwelt dauerhaft ernähren könnten, sie sind aber dennoch wichtig.

Es ist Fakt, daß wir zu wenig Insekten haben, zu wenig Streuobst, zu wenig Wildstauden und Gräser für unsere Vögel.

Der einzige Monat im Jahr, wo man weniger Futter reichen kann, weil weniger Bedarf da ist, war bisher der August. Wenn der aber wieder so heiß und trocken wird, kann sich das ändern. Dann sind nicht nur Wasserstellen und Teiche wichtig zum Überleben, sondern auch Futterstellen mit vielfältigen Futterangeboten.

 

 

Evy hat auf diesen Beitrag reagiert.
Evy

Ich verstehe deine Sorge,Tree12

Auch ich sorge mich sehr um unsere Vögel!

Ich habe das Buch von Prof. Berthold noch nicht, habe aber schon einiges von ihm gehört und im Internet gelesen. Ich bezweifle auch nicht, dass das, was er in seinem Buch an Berechnungen angibt, nicht der Realität entspricht.

Aber ich gLaube nicht, dass wir durch das Ungleichgewicht, welches wir durch die massive Vogelfütterung bewirken, der Insektenpopulation zur Vermehrung verhelfen. Dadurch verstärken wir den Druck noch mehr auf die Insekten. Wenn es mehr Fressfeinde für die Insekten gibt, wie sollen sie sich dann erholen.

Was sagt denn Prof. Berthold dazu ?

Du beschreibst ja auch sehr schön, wie viele verschiedene Arten zu dir in den Garten kommen. Aber auch sie suchen zusätzlich -zu deinen Futterangeboten- Insekten. In deinem Garten kann sich kein Gleichgewicht einstellen.

Ich selbst gehöre zu den Winterfütterern, mir blutet jeden Winter das Herz für unsere Vögel und ich beobachte zu gerne, wer an meine Futterstellen kommt, um sich zu stärken.

Es kann sich auf Dauer nur ein Gleichgewicht einstellen, wenn "Angebot und Nachfrage" im Einklang miteinander stehen.

Ich denke jetzt mal weiter und "überspitze" den Gedanken mal...was sollen wir denn machen, wenn die Insekten weiterhin zurückgehen? Sollen wir dann auch alle anderen Gartentiere, wie Igel, Eidechsen, Kröten etc zufüttern ? Was ist denn mit all den anderen Insektenfressern, die nicht solch eine "Lobby" , wie die Vögel haben ?

Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass wir mit der Vogelfütterung auf dem Holzweg sind...so sehr ich die Vögel auch liebe...

Ich kann aber auch nur für meinen Hortus und dessen Bewohner die Verantwortung übernehmen und hier können auf Dauer auch nur so viele Vögel leben und überstehen, wie das natürliche  Futterangebot und der Lebensraum anbieten. Nur so viele, dass ein Gleichgewicht besteht. Es bringt auf Dauer nichts, mehr Vögel als Insekten zu haben....

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Simbienchen, wie sich Prof. Berthold zum Insektensterben allgemein äußert, ist mir nicht in einzelnen bekannt, ich habe auch nicht die allerneueste Ausgabe von dem Buch, sondern die vorletzte. Er sagt aber ganz klar, daß die Fütterung besonders zur Brutzeit mit guten Fetten (Rindertalg) die Insektenwelt schont.

Es ist doch gar nicht so, daß wir nur die Vögel unterstützen müssen, sondern so ziemlich alles, was da an heimischen Tieren so kreucht und flleucht. Das beginnt bei der Auswahl der richtigen Pflanzen für den Garten, damit sich Insekten ernähren,  verstecken und fortpflanzen können. Für Eidechsen können  wir Burgen und Sandplätze schaffen, für Erdkröten und Frösche Teiche und Verstecke anlegen, Fledermauskästen anbringen, Quartiere für Igel schaffen etc.

Ich zumindest versuche, alles an Tieren und Insekten zu unterstützen, was im Garten auftaucht, von der Libelle übers Eichhörnchen bis hin zu den Dachsen.

Wir  können doch nicht unsere Vogelarten "ausspielen" gegen Insekten. Es ist vielmehr unsere Pflicht, beides zu fördern. Und die Vögel  unterstützen wir z. B. durch die Ganzjahresfütterung, aber nur mit geeigneten Futtermitteln, nicht mit steinharten Meisenknödeln aus dem Baumarkt.

Einen großen Teil ihres Eiweißbedarfs können sie im Futterhaus mit getrockneten Mehlwürmern decken (wobei frische Insekten von den Inhaltsstoffen her für die Vögel natürlich wertvoller sind). Und zur Brutzeit nehmen die Vogeleltern gerne zur Fütterung der etwas älteren Jungen neben einem Insekt auch noch Fett aus Meisenknödeln auf. Dies Mischung reichen sie ihren Jungen und zeigen ihnen später, wenn sie flügge sind, auch genau diese Knödel und versorgen sie vor Ort mit Bröckchen davon.

Jeder Anflug eines Meisenknödels zur Brutzeit duch die adulten Tiere schenkt einem Insekt (oder zweien oder dreien....) das Leben.

Durch die Ganzjahresfütterung der Vögel erhalte ich einen Kreislauf aufrecht, man muß ja auch umgekehrt denken: die Kleinvögel ernähren wiederum Greifvögel, welche ebenfalls gefährdet sind. Wenn sie keine ausreichende Beute finden, gehen auch sie zugrunde. In meinem Garten jagt oft der Sperber, besonders im Winter. Wo es Sperber gibt, ist die Nahrungskette in Ordnung.

Es gibt noch mehr Nutznießer der Vogelfütterung: natürlich stellen sich ein paar Mäuse ein, welche wiederum den hier durch die Gärten laufenden Füchsen und Mauswieseln als Nahrung dienen. Und den vielen Mäusebussarden, die wir hier haben. Von den Sonnenblumenkernen, die herunterfallen, profitieren die Dachse, die uns nachts besuchen kommen. Also fressen diese dann auch nicht mehr ganz so viele Würmer und Käfer (sie leben eh zum Großteil vegetarisch). Ach ja, es gehen auch manchmal kleine Sonnenblumen vom verstreuten Vogelfutter auf - Nahrung erst für Hummeln, später für Stieglitze.

Durch die Ganzjahresfütterung greift man zwar ein in natürliche Kreisläufe - aber die haben wir ja bereits an anderen Stellen erfolgreich zerstört.

Den Insekten helfe ich mit den passenden Stauden und Gehölzen, durch meine Syringa-Insektenwiesen, durch den Teich, die kleinen Trockenmauern, durch Laub, das liegen bleiben darf, mit Wildbienennisthilfen, Tränken, Fallobst, Reisig- und Totholzhaufen, durch Schatten - und Sonnenbereiche, durch das Schließen von Blühlücken nach der Obstbaumblüte.

Den Vögeln helfe ich mit vielen unterschiedichen Futtermitteln, mit vier Tränken und dem Teich, mit offenem Boden fürs Sandbad der Spatzen, durch Aufhängen von ca. 15 Nistkästen (die meisten aus Holzbeton für gutes Innenklima), durch Bereitstellung von Hundehaaren als Nistmaterial, Laub zum Scharren für Amseln und Drosseln, durch Obst, das wir gerne mit ihnen teilen (Feigen, Weintrauben, Äpfel, unterschiedliche Beeren, Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche), mit Samenständen, die stehen bleiben, mit dichtem Gesträuch und dem konsequenten Verscheuchen der Nachbarskatzen.

Und abgesehen von den bereits erwähnten Tieren haben wir immer jede Menge Hornissen und Wespen im Garten, von mir ausgewilderte (und weiterhin unterstützte) Eichhörnchen, dazu Erdkröten, Molche, Tigerschnegel, Weinbergschnecken, Ohrenkneifer, Heupferde, Rosenkäfer, Maulwürfe... An einer Tränke fand sich sogar mal ein Habicht ein, nachts läuft der Steinmarder herum und es trinken kleine Fledermäuse vom Teich.

Und sag bitte nicht, in meinem Garten herrschte kein Gleichgewicht.

Im Gegenteil: ein Garten ohne Vögel ist nicht im Gleichgewicht.

Mein Garten ist nur 600 qm groß und wir wohnen nicht ländlich, sondern in grüner Stadtrandlage!

 

Liebe Tree,

bitte fùhl dich nicht immer angegriffen, wenn ich mit dir diskutiere...das ist absolut nicht meine Absicht !!

Ich habe lediglich meine Ansicht mit dir geteilt und dazu gehörte auch der Satz, dass sich durch die Vogelfütterung in deinem Garten kein natùrliches Gleichgewicht einstellen kann. "Dein" steht in diesem Fall für alle Gärten, in denen zugefüttert wird...meiner eingeschlossen !

Immer wo wir Menschen eingreifen, verändern wir damit die Balance. Du hast natürlich recht, wenn du sagst, wir haben sowieso schon an anderen Stellen zerstört. Das können wir sowieso nicht ausbügeln. Jeder von uns kann nur versuchen, in seinem Garten die Nahrungsketten und Lebensräume zu schließen und das findet für mich in einem Hortus statt. Ein Hortus schließt diese Kreisläufe, ich sehe es ja seitdem ich meinen Garten umgestellt habe...es wird immer lebendiger. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ein echter Hortus niemals ohne Vögel sein wird...

Ich schätze dein Engagement, dein Wissen und deinen Einsatz sehr (!!!!), ich mache nur andere Erfahrungen als du, da ich die Fütterung im Sommer eingestellt habe und die Võgel bei ihrer Nahrungssuche beobachte und trotzdem habe ich die zweite Generation Jungvögel in meinem Garten. Vielleicht hätte ich mehr in meinem Garten, wenn ich weitergefüttert hätte...ich weiß es nicht...aber so wie es jetzt ist, empfinde ich es als natürlicher. Darum entfällt für mich weiterhin die Sommerfütterung...

Lars hat auf diesen Beitrag reagiert.
Lars
" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "
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