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Mähen

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Hallo zusammen ,

ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema Wiesen- und Wegrandmahd und der Mahd von Brachflächen.

Dazu möchte ich kurz anmerken , dass ich Profigärtner bin , seit ca. 35 Jahren im Umweltschutz tätig bin und mit meiner Frau seit 23 Jahren den Ommertalhof ,nebst 4 ha. Weideland bewirtschafte . Alles zusammen 50000m².

Das schreibe ich , weil ich dieses Dogma mit der zweifach Mahd während der Vegetationszeit ändern möchte.

Auch hier im Hortusforum lese ich dauernd wie oft , wann und weshalb , das eine oder andere so oder so gemäht wird.

Fast immer liegt diese 2x Mahd zugrunde . Das kommt aber aus Zeiten , wo es nur darum ging möglichst viel Heu für die Tiere zu machen , an Blumen und nachhaltigen Blütenreichtum hat dabei keiner gedacht. Auf diese Art sind zahlreiche Biotope , speziell Orchideenwiesen und Flächen mit Spätblühern radikal ausgemerzt worden. Es gibt kaum Stauden die eine zweimalige Mahd lange aushalten. Was eigentlich jedem klar sein muss , der sich mit Stauden und deren Samenbildung auskennt. Die Landschaftsverbände und Gemeinden praktizieren dies Flächendegradierung auf einen grünen , artenarmen Grasteppich an Strassen und Wegesrändern bis zur Perfektion. Gerade wird bei uns der 2. bzw. 3. Pflegegang durchgeführt. Damit auch noch das letzte blühend Pflänzchen verschwindet.

Deshalb schreibe ich das hier , um über diese Unart der Wiesenpflege aufzuklären.

Der Idealzustand der Wiesenpflege  ist eine einmalige Mahd nach Mitte Juli , dann ggf. nochmal im Februar/März.

Selbstverständlich sollte alles was Nährstoffe einträgt , also das Schnittgut entfernt werden. Je geringer der Nährstoffgehalt im Boden , je Kalk reicher oder je trockener die Fläche ist , desto artenreicher wird es. Hinweis : Durch Stickstoff aus der Luft , meist aus der Landwirtschaft , gibt es einen Eintrag von 50kg N pro Hektar.

Je artenreicher , desto weniger Mahd. UU. sollte sogar gar nicht gemäht werden.

Das möchte ich am Beispiel von Oreganum vulgare und Tanacetum vulgaris , Majoran und Rainfarn erklären.

Beides Pflanzen , die bis in den Spätsommer / Herbst blühen und zahlreichen Tieren somit auch spät im Jahr Nahrung bieten.

Beide Pflanzen kommen bei einer zweimaligen Mahd nicht oder nur unzureichend zur Samenreife. Dh. deren Vermehrung ist nur vegetativ.

Die Vorabvernichtung der Samenstände ist auch für Vögel verheerend.

Auch das Wachstum dieser Stauden wird nachhaltig zerstört , denn die Pflanze muss dauernd versuchen Blüten zu schieben und kann somit kaum Biomasse in Form von Blättern bilden.

Die erste Mahd wird meist im Mai/Juni durchgeführt , dann ist das Gras schon schön hoch , fällt dann auch schon mal um und alles sieht nicht mehr schön aus . Wer jetzt mäht verhindert eine Samenreife der Frühblüher , kann aber auf ein paar remontierende Stauden ab August hoffen.

Wenn man dagegen im Juli oder sogar erst im August mäht hat man zwei Vorteile , die Samen der Frühlingsblüher sind reif , als Zeigerpflanzen gelten hier Wiesenmagariten , die sommerblühenden Doldengewächse , zB. der wichtige heimische Bärenklau hat geblüht , und das lagernde Gras führt zum Absterben der Untergräser!

Das hat den Vorteil das es hier unbewachsene Erde gibt , auf der die ausgefallenen Samen überhaupt keimen können.

Zu viele Untergräser , die durch zu häufiges Mähen bevorzugt werden , verhindern das Keimen aller lichtempfindlichen Blütenstauden.

Unsere Fettwiese , ein Obsthof hat 8 Jahre gebraucht um zur "Blumenwiese" zu werden. Mit Initialpflanzung und Aussat.

Eine unserer mittlerweile sehr artenreichen Brachflächen , die einzige im Umkreis von mehreren Kilometern , ist seit 12 Jahren nicht mehr gemäht worden. Ein Eidechsen und Weinbergschneckenparadies und eine der wenigen Stellen wo Feldhasen auch im Winter Unterschlupf finden.

Unser an den Hof angrenzender Wegesrand ist mit Sommer und Herbstblühenden Stauden angelegt und wird maximal 1x im Winter gemäht. Ansonsten wird nur Unerwünschtes gejätet und an den Stellen wird dann initial gepflanzt.

Wir haben unsere Flächen noch nicht mal zum Abmagern 2x im Jahr gemäht!

Wie steht Ihr dazu?

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Hallo Frank,

ein sehr schöner Beitrag !

Auch ich beschäftige mich seit Anbeginn meiner Blumenwiese mit der Frage, was ist das beste Mähkonzept und habe meine Wiese dieses Jahr nur in einem ganz kleinen Bereich gemäht. Der Rest steht bis jetzt und hat vielen Insekten damit verholfen, sich ungestört dort zu vermehren. Viele Vögel sehe ich ständig darin an den Stängeln sitzen. Spatzen picken an den Gräsern und den Samen der Wilden Melde herum. In den getrockneten Blütendolden der Wilden Möhre verstecken sich immer noch viele Käfer. Viele große Stängel der Disteln und der Königskerzen sind bewohnt. Dort konnte ich vor kurzem auch Spechte suchen und picken sehen.

Ich werde den größten Teil der Wiese auch dieses Jahr wieder über den Winter stehen lassen. Im letzten Winter hatte ich einen breiten Streifen für die Vögel stehen gelassen, was sie auch sehr genutzt haben. Erst im Frühjahr habe ich dann komplett abgemäht und das Mähgut weggeräumt.

Ich glaube auch, dass man neu beobachten muss, was die zukünftige Wiesenmahd angeht und dementsprechend umdenken sollte. Sicher in der Handhabung bin ich mir allerdings noch nicht, dazu reichte bis jetzt meine Beobachtungszeit noch nicht aus ( meine Wiese gibt es in der Zusammensetzung so ja noch nicht so lang), wie sich -weniger Mähen- auf die Gesamtvegetation auswirkt.

Für die Insekten- und Vögelwelt hat es sich allerdings schon positiv ausgewirkt! Ich hatte deutlich mehr Insekten dieses Jahr, darunter auch viel mehr Nachtfalter und Käfer. Seitdem abends auch wieder mehr Fledermausflug.

 

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" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag, Frank!

Hallo Frank ,

 

neben meinem Hortus hab ich noch eine LPR Pflegefläche in Obhut .

Diesen trockenen mageren Hang mähe ich nur ein mal im Spätsommer bis in den Herbst .

Es blüht von März bis Oktober und es sind immer viele Insekten und Vögel zu sehen .

Seltene Arten wie Küchenschelle und Graslilie gedeihen prächtig .

Ich bin der Meinung es ist sehr Standort und Witterungs abhängig wie oft gemäht werden muss .

Außerdem glaube ich dass Altgrasstreifen sehr sinnvoll sind . Leider ist das in den LPR-Verträgen noch nicht vorgesehen .

Viele Grüße Thomas

Wenn ich mähen wollte, müsste ich um sovieles herum fahren, was gerade blüht oder noch wächst. Ich mähe entweder Spät (2018) oder früh (2020), Ich brauche kein Heu für Tiere

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Hallo Thomas und Malefiz , das hört sich doch gut an.

Wichtig ist die einmalige Mahd während der Vegetationszeit , auch zum Abmagern.

Bei der 2x oder sogar 3x Mahd wird komplett ignoriert , dass das die Untergräser fördert.

Eine dichte Grasnarbe , die dann aus Untergräsern besteht ist nur schwer oder gar nicht von Stauden zu erobern. Samen können dort aus Lichtmangel kaum auflaufen.

Wie ich oben schon beschrieben habe , führt die einmalige Mahd  (auch zum Abmagern) dazu , dass unter dem lagernden Gras die Untergräser absterben und es dort pflanzenlose Stellen zur Einsaat gibt.

Ausserdem werden bei der Mahd unzählige Insekten gekillt. Ein weiterer Grund nur einmal während der Vegetationszeit zu mähen.

LG Frank

Auf den Bildern sieht man unsere Brachfläche , 12 Jahre nicht gemäht. Hier wimmelt es von Eichechsen , Weinbergschnecken , Heuschrecken uns allerlei anderen Tieren. Unser "lieber" Nachbarbauer hat sich extra einen Anbau gekauft um die Waldränder zu schreddern . Die ihm übrigens gar nicht gehören.

Im Hintergrund sieht man einen Teil der insgeamt 5km. die er auf diese Art eleminiert hat.

 

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Wir haben leider keine Wiese, doch, wir haben eine, die hat Baumbestand, also Streuobst. Diese Wiese wird aber regelmäßig gemäht, da sie mein Schwiegervater betreut. Die Bäume sind uralt, noch vor dem Krieg angepflanzt. Mostäpfel und Birnen. Ich habe da kein Mitspracherecht, d.h. was gemacht wird, entscheide nicht ich.

Die Bauern hier in der Umgebung dürfen ihre Wiesen (als Futter) nur 2 x im Jahr mähen. Das ist so vorgeschrieben. Ich hatte vor vielen Jahren ein Gespräch mit einem mir bekannten Bauern, der war so gar nicht zufrieden, dass er nur 2 x mähen darf. Wenn er mehrmals mäht und es sieht jemand, bekommt er Strafe. Im Naturschutzgebiet gelten andere "Gesetze". Die meisten Wiesen versteppen, d.h. die mäht keiner. Die anderen Wiesen haben Baumbestand, die sind privat und die Privatleute halten unter den Bäumen die Wiesen kurz. Wie das geregelt ist, da bin ich überfragt. Im Naturschutzgebiet, so dachte ich, gilt was auf den Tafeln steht ?

Es gibt bei uns auch ein Schäfer, der sogar vor 2 Jahren einen Preis gewann, weil er seine Wiesen so lässt, wie sie sind und es in seinen Wiesen,  leider sehr selten gewordene Wiesen auch noch Pflanzen gibt, die man nur noch im Bestimmungsbuch auf Bildern angucken kann.

In den Wiesenstücken des Schäfers wachsen u.a. Orchideen, Enzian, Klappertopf, Lichtnelke, Karthäusernelke und viele andere  bereits verschwundene Wildstauden.

@Thomas Bischof

du wohnst doch gleich um die Ecke von mir "Däätz" und ich "Häätz"...….wie ist das denn im Naturschutzgebiet bei Euch mit der Mahd der Wiesen ?

 

Hallo Birgit ,

ich bin im NABU Horb und habe dort einige Jahre mehrere ha verschiedene Wiesentypen gemäht .

Einige liegen im Naturschutzgebiet und es sind Flächen die einen LPR- Auftrag haben .

Das heißt für jede Fläche gibt es einen Pflegeplan von der UNB an den man sich halten muss .

Wir müssen eine einmalige Mahd mit Mähgutentfernung machen .

Die meiste Mäharbeit beginnt jetzt , also recht spät im Jahr .

Früher durfte noch im folgenden Jahr bis März gemäht werden , das ist aber wegen der Abrechnung und ich vermute wegen der EU-Richtlinie nicht mehr erlaubt .

Wie es mit den von dir genannten Privatbesitzer im NSG läuft weiß ich auch nicht genau aber jedes NSG hat eine bestimmte Gebietskulisse mit Erhalt - und Fördermaßnahmen . Schau mal bei der LUBW rein da findest du die NSG Haiterbach über die Steckbriefe , da ist alles beschrieben .

Meinst du das NSG Staudach ?

 

Viele grüße Thomas

 

Ach, jetzt weiß ich wer du bist, Thomas. Ich hatte im Frühjahr d.J. mal einen Bericht im Netz von dir und deiner Familie gelesen aus dem Jahr 2013.

Ich weiß auch nicht, wie das mit den privaten Besitzern in den Schutzgebieten ist, nur soviel, dass viele ihre Wiesen von Schafen beweiden lassen.

Im Naturschutzgebiet in Richtung Altheim auf der Höhe von Haiterbach musste ich leider schon mit erleben, dass ein Ehepaar, das dort ein Stückchen Wald mit Wiese haben, die streng geschützten Silberdisteln abpflückten. Ich sprach sie dann auf ihren Strauß Silberdisteln an, dass diese streng geschützt sind und das Abpflücken unter Strafe steht, da kam ein böses: ***"Des dürfet mir, des Wiesle ghört ons ond dia Bloama au" …...die Erklärungen, dass auch Privatgelände zum Naturschutzgebiet gehört, überhörte man. Bevor die Situation eskalierte, der Mann drohte mir mit seinem Spazierstock, flüchtete ich mit meinem an der Leine gehaltenen Hund.

Für die Norddeutschen: *** "Das dürfen wir, die Wiese gehört uns und die Blumen auch"

Bei so viel Dummdreistigkeit und das im Naturschutzgebiet (und auch nicht) geht mir der Hut hoch. Aber dann auf Hundebesitzer schimpfen, deren Hunde dort rumlaufen und ich sammele immer die Häufchen auf.

Fazit: Die Privatleute machen was sie wollen auf ihren Wiesen. Soviel zu unserer Region

LG Birgit

Das Thema begleitet mich durch mein Arbeitsjahr und bis vor kurzem habe ich dieses Thema als unlösbar empfunden. Neben der Häufigkeit der Mahd ist ja noch mehr zu bedenken.

Wie mähe ich? Wohin mit dem Schnittgut?

In meinem eigenem Hortus ist das überschaubar, aber auf der Arbeit habe ich riesige Flächen und es kommt pro Schnitt ne Menge zusammen.

Nach meinem Sensenkurs im August habe ich aber eine Lösung in Sicht, die ich im nächsten Jahr dann auch anwenden möchte:

Jeden Tag eine Stunde sensen. Im Laufe der Vegetationsperiode wird so jede Fläche einmal gemäht, aber eben besonders kleinteilig und regelmäßig. Bei einzelnen Flächen kann ich dann auch entscheiden, ob sie eventuell ein zweites Mal gesenst werden. Das Schnittgut soll dann zum Teil auf Heureitern trocknen und wir schauen, dass wir das dann in der Region an Tierhalter abgeben können. Den Teil den wir nicht loswerden können, nutzen wir dann um die Gehölzbeete zu mulchen.
Ich hoffe das der Plan so aufgeht und wir am Ende nicht doch vor einem Berg Mähgut stehen....

Unser Mahdkonzept für den Park soll also zum einen möglichst kleinteilig sein und vor allem ohne Maschinen. Jedenfalls auf den großen Auwiesen. Einen Balkenmäher haben wir auch, aber der soll für die Rasenflächen genutzt werden, die für Veranstaltungen vorgesehen sind und deshalb sowieso mehrmals gemäht werden.

Außerdem schaue ich, dass in meinem Hortus und auch im Park ungemähte Bereiche mit Altgras bestehen bleiben. Diese Fläche ist in meinem kleinen Garten aus Platzgründen meistens die selbe, im Park würde ich jährlich einen anderen Bereich stehen lassen.

Hier ein Artikel über den Sensenmann, bei dem ich lernen durfte (übrigens gibt es den Kurs dann auch beim Netzwerktreffen im August nächstes Jahr):
https://reisefeder.de/2019/07/beim-sensenmann-am-hoehbeck/

@ommertalhof :
Wie sieht denn eine Wiese nach 12 Jahren nicht mähen aus? Kommen da keine Büsche und Bäume hoch?

 

Dieser Planet hat das Potenzial ein Paradies zu sein!
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