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Ist das "Ringeln" von Bäumen noch zeitgemäß?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ringelung

Laut Wikipedia spricht von Ringelung (Ringeln) , wenn ein mehrere Zentimeter breiter Streifen der Rinde am unteren Teil des Stammes eines Baumes oder Strauches ringförmig entfernt wird. Hierbei wird der Saftstrom unterbrochen, das heißt der Transport der Assimilate zu den Wurzeln gestoppt.In der Folge stirbt der Baum in der Regel ab, insbesondere wenn die Rinde samt Kambium entfernt wurde und somit das Schließen der Wunde deutlich erschwert wird. Das Absterben eines Baumes kann sich manchmal über ein bis drei Jahre hinziehen, da die Versorgung der Krone mit Wasser und Mineralien weiter ungestört über das unverletzte, tiefer liegende Xylem erfolgt. Erst wenn die Wurzel aufgrund der fehlenden Assimilate abzusterben beginnt, treten die Notfruchtung oder das Absterben der ganzen Pflanze ein. Nach dem Schälen mit einem speziellen Messer werden Reste des Kambiums mit einer Drahtbürste entfernt.

 

Peter Wohlleben spricht in seinen Büchern von erstaunlichen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, was unsere Wälder und Bäume betrifft. Er lässt uns in eine Welt eintauchen, die wir vergessen haben und die Bäume und den Wald mit anderen ( neuen?) Augen sehen.

Wenn man den Baum als eine wichtige Art und als wichtiges Individuum unseres Natursystems begreift, ist es dann noch zeitgemäß, derart alte Techniken anzuwenden, um ein Individuum langsam sterben zu lassen ?

Wenn ich das auf uns Menschen beziehen würde, wäre es so, als ob man einen Menschen langsam verbluten lassen würde...?

Bedeutet das Ringeln Leid für einen Baum ?

Wie steht ihr dazu? Was haltet ihr vom Ringeln?

Gibt es nicht genug andere Alternativen, die einen Baum nicht leiden lassen und warum entscheidet man sich zum Ringeln?

 

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

Hallo zusammen , auch wenn ich mich jetzt hier oute , aber ich kann mit Petzer Wohlleben´s Aussagen aber auch rein gar nichts anfangen. Ausser , dass er es geschafft hat , dass einige Menschen hoffentlich besser mit unserem Wald und den Bäumen umgehen. Nur , den Verantwortlichen Forstleuten wird das völlig egal sein.

Ich finde , dass Ringeln eine effiziente Maßnahme im Umweltschutz ist , auf Moorflächen wird es eingesetzt um eine Birkenverbuschung bei gleichzeitiger Totholzbildung zu erreichen. Ebenso im Saumbestand von Magerwiesen. Ich sehe da auch kein "Sterben auf Raten". Sind einmal die Leitungsbahnen gekappt , ist das so wie gefällt. Dazu muss man wissen wie der Stammaufbau ist. Ganz innen , im Kernholz spielen sich gar keine  biogischen Abläufe mehr ab. Das dient "nur" der Statik , im Splint wird Wasser in Leitungsbahnen nach oben gesogen , auch da lebt nix. Ganz aussen , auf den letzen 5-10mm spielt sich Zellwachstum ab. Hier kommen Nährstoffe von oben nach unten. Wird diese Schicht zerstört ist der Baum genau so hin , wie wenn er gefällt wird.

Schon jetzt eine Entschuldigung für meinen emotionslosen Umgang mit Gehölz

Bis vorhin, also bis ich oben hier die Erklärung las, wusste ich noch nicht mal, dass es "Ringeln" gibt und was es ist.

Allerdings habe ich dan auch schon "erfolglos" geringelt....

Ich habe hier auf dem Grundstück eine uralte Scheinakazie (Robinie) übernommen.
Sie hat die Eigenschaft, sich fast so schnell und erfolgreich zu vermehren, wie meine viel, viel größere und höhere Birke.

Gegen die eine Robinie habe ich nichts - aber alljährlich schneide ich Triebe überall auf dem Grundstück ab - und bevorzugt in den Ritzen an den Gebäudebwänden.

Eine steht an der Ecke meines Stallgebäudes.
Ich habe sie jedes Jahr  plan mit dem Boden abgeschnitten - und jedes Folgejahr war sie wieder da, jedes Jahr mit mehr Stämmen an der Stelle und jedes Jahr ein wenig höher (2 Meter habe ich schon locker abgeschnitten).

Dann las ich mal irgendwo, dass Bäume zuverlässig tot sind, wenn man ihnen über 20 cm die Rinde vollständig entfernt rundum.
Ich dachte dann so, das probiere ich - und wenn dann der 2 Meter STamm abgestorben ist, kann er Stütze für einen Efeu werden.

Ich habe mit Hilfe eines Schnitzmessers und eines Thomahawks sauber 20 cm Rinde rundum entfernt - und die direkt unter der Rinde liegende Schicht auch noch gleich mit - und ging davon aus, dass es das war.

Das ist jetzt rund 4-5 Jahre her - die Robinie hat jedes Jahr wie immer voll ausgeschlagen und von meiner aufwändigen "Stammentkernung" war absolut nichts zu spüren.
Jetzt wird sie wieder jedes Jahr plan mit dem Boden abgeschnitten.....

Als Folge der Beobachtung, dass der Baum weiter lebt - und damit ja auch unter dem Eingriff leidet, habe ich entschieden, nie wieder einem Baum lediglich die Rinde zu entfernen.
Wenn ein Baum aus welchen Gründen auch immer weg muss, dann wird er gefällt und seine Krone bleibt möglichst da liegen oder wird woanders auf dem Grundstück zum Totholzhaufen- wobei ich dann immer zusehen würde, dass ich auf 2 oder 3 Meter Höhe fälle und den Rest des Stammes stehen lasse und eine Brombeere oder Efeu oder so an den Fuß setze, damit der Stamm überwuchern kann.

Sag niemals "nie", denn es gibt nichts, was es nicht gibt.....

Man kann auch ringeln, um ein langsames Sterben zu provozieren, ohne das der Baum wie blöd Ableger treibt.

Ein Bürgermeister  hat uns vor Jahren ein paar schöne Pappeln an der Grundstücksgrenze weggehauen.
Danach hatten wir jahrelang das Vergnügen, die Neuaustriebe aus dem Wurzelbereich bekämpfen zu dürfen.
Stirbt ein Baum langsam, dann enststeht diese Notwendigkeit für ihn nicht, der Austrieb aus Wurzeln unterbleibt oder ist deutlich weniger.
Bäume sind höchst schützenswert, ihnen nun aber eine lebendige Seele zuzusprechen, halte ich für zu stark.

Ein Baum ist Leben, allerdings ist das anders zu verstehen,als ein Leben mit Seele.
Meines Erachtens.

Viele Grüße von der Gartenphilosophin. Übrigens: Jeder kann etwas tun!
Zitat von Gartenphilosophin am 18. Dezember 2019, 14:59 Uhr

Man kann auch ringeln, um ein langsames Sterben zu provozieren, ohne das der Baum wie blöd Ableger treibt.

Ein Bürgermeister  hat uns vor Jahren ein paar schöne Pappeln an der Grundstücksgrenze weggehauen.
Danach hatten wir jahrelang das Vergnügen, die Neuaustriebe aus dem Wurzelbereich bekämpfen zu dürfen.
Stirbt ein Baum langsam, dann enststeht diese Notwendigkeit für ihn nicht, der Austrieb aus Wurzeln unterbleibt oder ist deutlich weniger.
Bäume sind höchst schützenswert, ihnen nun aber eine lebendige Seele zuzusprechen, halte ich für zu stark.

Ein Baum ist Leben, allerdings ist das anders zu verstehen,als ein Leben mit Seele.
Meines Erachtens.

Neueste Studien belegen, daß Bäume fühlen und eine Art Bewußtsein haben, sie denken und haben Angst, wenn sich jemand mit Säge oder Axt nähert. Nur läuft alles viel, viel langsamer ab als bei uns Menschen. Bei einem Baum ist ein Jahr nur ein kurzer Augenblick, für uns ist es ein ziemlicher langer Zeitraum.

Auch Tiere hat der Mensch sehr lange völlig unterschätzt. Jetzt weiß man sogar, daß Fische Schmerz erleiden, wenn sich ihnen der Angelhaken in den Kiefer bohrt.

Alles, was denkt und fühlt und ein Bewußtsein hat und sich sogar zum Teil um Artgenossen kümmert, hat auch so etwas wie eine Seele.

 

 ihnen nun aber eine lebendige Seele zuzusprechen, halte ich für zu stark.

Es war erst wieder kürzlich ein Bericht, wo Bäume in einem Waldverband, es mitbekommen, wenn ein Kollege Schad-Insektenbefall hat und dann richtet sich der andere Bestand darauf ein.

Sie kommunizieren mit einander.

Seele  - würde ich jetzt nicht sagen, weil da steckt zuviel Christenklimbim im Wort, aber das Bäume, oder allgemein Pflanzen reagieren, auf Musik, Helligkeit, Wärme, Kälte, spricht in meinen Augen durchaus für ein Empfinden ihrerseits.

 

Allerdings habe ich dan auch schon "erfolglos" geringelt....

 

Robinie und einige mehr treiben nach dem auf Stock setzen wieder aus, Robinie ist auch mit fällen, kaum tot zu bekommen. Da müsste wenn schon die komplette Wurzel mit raus - und selbst dann kann noch was nach kommen

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.
Zitat von tree12 am 18. Dezember 2019, 15:09 Uhr

 

Neueste Studien belegen, daß Bäume fühlen und eine Art Bewußtsein haben, sie denken und haben Angst, wenn sich jemand mit Säge oder Axt nähert. Nur läuft alles viel, viel langsamer ab als bei uns Menschen. Bei einem Baum ist ein Jahr nur ein kurzer Augenblick, für uns ist es ein ziemlicher langer Zeitraum.

Auch Tiere hat der Mensch sehr lange völlig unterschätzt. Jetzt weiß man sogar, daß Fische Schmerz erleiden, wenn sich ihnen der Angelhaken in den Kiefer bohrt.

Alles, was denkt und fühlt und ein Bewußtsein hat und sich sogar zum Teil um Artgenossen kümmert, hat auch so etwas wie eine Seele.

Was machen wir nun aber mit der Erkenntnis?
Wir können kaum aufhören, Baume zu fällen, wir werden auch in unserem Garten Pflanzen sterben lassen, gewollt oder ungewollt.

Pflanzen sind lebendige Natur, das ist klar! Ihnen gehört Achtung und Respekt.
Sie haben aber meines Erachtens kein Bewusstsein. Und somit auch keine Angst. Das ist ein Gefühl und setzt ein neuronales "Denken"/Gehirn voraus.
Das sie Verteidigungsmechanismen entwickeln ist eine biologische Notwendigkeit aber sicher kein bewusster Vorgang.
Was ein gemeinsames Nutzen von Ressourcen nicht ausschliesst.

Viele Grüße von der Gartenphilosophin. Übrigens: Jeder kann etwas tun!
Zitat von Gartenphilosophin am 19. Dezember 2019, 14:59 Uhr

Sie haben aber meines Erachtens kein Bewusstsein. Und somit auch keine Angst. Das ist ein Gefühl und setzt ein neuronales "Denken"/Gehirn voraus.

 

Das Thema ist sehr spekulativ. Wie definierst Du Bewusstsein? Und woher weißt Du, daß Gefühle ein Gehirn als Voraussetzung brauchen? Angst oder Wohlbefinden könnte doch auch direkt von den Zellen eines Körpers (egal ob tierisch oder pflanzlich) empfunden und an den Gesamtkörper übertragen werden.

Wo ich auch noch Klärungsbedarf sehe, ist die Kommunikation zwischen Organismen. Wie können Pflanzen, die kein Gehirn haben, Gedanken und Gefühle von Menschen aufnehmen und darauf reagieren? Daß sie das können, steht für mich fest, seit ich in eigenen Experimenten allein durch Gedankenübertragung das Wachstum von Pflanzen verstärkt habe.

Meiner Meinung nach gibt es zwischen allem Leben eine Kommunikationsebene, die wir Menschen noch nicht rational erfasst haben. Aber das rutscht jetzt ins Esoterische ab, womit ich mich eigentlich nicht beschäftige.

@martin , wie funktioniert und äussert sich das denn mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pflanze ?

Für mich ist das eigentlich ganz einfach: Ich habe keine Ahnung, ob und wie ein Baum empfindet, fühlt oder gar denkt. Was ich dabei meine zu wissen oder zu spekulieren, ist uninteressant. Solange die Chance besteht, dass Ringeln dem Baum mehr ... wie soll ich sagen ... Negatives zufügt als schnelles Fällen, werde ich so etwas nicht tun. So ähnlich wie "im Zweifel für den Angeklagten". Sollte ein Baum nichts beim Ringeln "fühlen", hat mir das Fällen trotzdem nicht geschadet und sollte irgendwann bewiesen werden können, dass Bäume ein entsprechendes Empfinden haben, bin ich ohne schlechtes Gewissen fein aus der ganzen Sache raus.

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