Hortus NatURWald – Tief im Wald ist Alles Anders

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  • Beitrag veröffentlicht:25. April 2020
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Tief im Wald ist Alles anders

Ich wollte immer einen Resthof haben – mit viel Blick über das Land und einem überschaubaren Bauerngarten. Ich wollte am Meer wohnen – oder zumindest an einem See. Ich wollte einzelne große alte Buchen und guten Boden.

Nun – manchmal entscheidet das Leben nicht danach, was Du willst sondern danach, was gut für Dich ist.
Ein Resthof war alleine nicht zu leisten und so entschloss ich mich, ein Haus zu kaufen, daß ich zu jeder Zeit bezahlen kann. Denn ich wusste nicht, wo mich die Zukunft beruflich und finanziell hinführen würde.

Ich erinnerte mich an meine Kindheit in diesem kiefernbewaldeten Kleinod und machte mich auf die Suche. Nach Jahren waren Zeitpunkt und Zufall zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Und so zog ich in dieses kleine Haus mit schrecklichen gelben Klinkern und einem völlig zugewucherten Grundstück, das gespickt war mit allen möglichen Sünden, die man einem Waldgrundstück antun kann. Fichten erstickten den Boden, drückten sich an viel zu eng gepflanzte Rhododren und nahmen Licht und Blick.

Ich rodete und fällte 36 Fichten. Beschnitt Rhodendren, verschenkte sie und pflanzte sie um. Als das Licht den Boden berührte, konfrontierte mich der Wald mit einer nicht endenwollende Flut an Brombeeren, die nicht domestiziert wehrhaft ihren Teil im Garten bis aufs Blut verteidigten. Horden von Brennesseln und Himbeeren fielen über mein Kräuterbeet her und die Schnecken erledigten den Rest.
Nur der Oregano und der Baldrian behaupteten sich. Ich kaufte mir einen Handrasenmäher, der an den Kiefernzapfen verzweifelte.

Ich versuchte meinen Traum von blühenden Flächen mit Zierpflanzen zu verwirklichen. Der saure Boden und die Rehe machten ihnen den Garaus. In der gleichen Zeit besiedelten zwei mickrige Walderdbeeren fast den gesamten vorderen Teil.

Der Wald und ich stritten um Flächen. Wo ich versuchte, zu kultivieren, pflanzten die Eichhörnchen Bäume. Wo ich versuchte, Platz abzutrotzen, fielen die Brombeeren darüber her. Ich bekam einen Schmetterlingsstrauch geschenkt und mit ihm eine Vielzahl an Giersch.

Und dann gab ich ein paar Jahre auf und beschränkte mich darauf, Äste aufzusammeln und sie auf die Wälle um mein Grundstück zu legen. Ich überließ den Brombeeren und den Brennesseln ihre Plätze. Ich nahm nur noch Bäumchen aus den Flächen, die zu übermäßig wuchsen.

Und dann passierte ein Wunder.

Die einheimischen Bäumchen brachte mir nicht nur unzählige Insekten, sondern auch alle Tiere, die sich davon ernähren. Zwergfledermäuse zogen auf meinen Dachboden. Und als ich begriff, daß wir einen Kompromiss gefunden hatten, da wurde mein Wald zu einer blühenden Landschaft, die sowohl mir als auch den Waldbewohnern Platz bot.

Natürlich streiten wir immer noch dann und wann über unsere Vorstellungen. Aber mittlerweile kommen wir die meiste Zeit gut miteinander aus. Und der Wald hat mir eine gute Lektion darin erteilt, daß manche Dinge einfach Zeit brauchen und gut so sind, wie sie sind. Ich würde meine Mischung aus Moos und widerspenstigem Waldgras gegen keinen Rasen der Welt eintauschen.

Es ist ein kleines Paradies. Für alle Waldbewohner. Und im Frühjahr ist es ganz besonders schön, dem Leben dabei zuzuschauen, wie es sich seinen Weg bahnt.

Bisher umgesetzt (mehr oder weniger – Tief im Wald ist eben Anders …):

Totholzhaufen, Steinhaufen in allen Bereichen

Pufferzone: Wallhecken, Benjeshecken und Wildhecken ums Grundstück als Pufferzone – mehr Puffer durch wellenförmige Brennessel-, Brombeer- und Wildrosenareale
Ertragszone – in allen Bereichen, da ich mich Licht und Schatten beugen muss. Gewächshaus aus gehortelten Materialien.
Hot-Spotzone: Sandarium (geht hier ganz von Alleine, wenn man die oberste Schicht wegmacht – ehemalige Sanddüne) auf einem Hügel über dem Teich. Magerwiese mit ortansässigen Blumen/Pflanzen
und noch Vieles mehr – es ist ständig im Wandel und wächst stetig.

  • Ein Grundstück in einem Wirtschaftswald umgestaltet zu einem renaturierten Beispiel für hoffentlich viele Nachahmer und Mitstreiter
  • Renée-Sophia Hackenschmidt
  • 26209
  • Sandhatten
  • Deutschland
  • 2000
  • https://www.facebook.com/TiefimWaldistAllesanders/
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