Hortus Naturgarten voller Leben!

Naturgarten voller Leben! – die Entstehung

Als wir ein 2012 Häuschen im Außenbereich der grenznahen Gemeinde Weeze am schönen Niederrhein (wo mein Mann und ich beide aufgewachsen sind) kauften, war der Garten ein Friedhof! Haushohe Koniferen machten den Eingang unsichtbar, der Vorgarten Kriechwacholder, Cotoneaster & Co. und hinten eine Rhododendron-Plantage… So gerne ich auch einen vorhandenen Baumbestand gehabt hätte – das musste alles weg und zwar sofort, da wir gerade großes Arbeitsgerät vor Ort hatten und man überall rankam. Dann war der Garten leer, wie bei einem Neubaugebiet.

Ich habe noch während des Hausumbaus jede freie Minute für den Garten genutzt. Habe den Sonnenlauf beobachtet, den Boden an verschiedenen Stellen untersucht etc. Ganz sicher war von Anfang an, dass ich Gemüse anbauen würde. Also habe ich als allererstes an der dafür m.E. geeignetsten Stelle auf etwa 50 m² die Grasnarbe entfernt, einen Weg als alten Gehwegplatten angelegt und einen Gemüsegarten vorbereitet. Es folgten dann zunächst Totholzhecken, da wir viel Holz von den entfernten Bäumen hatten. Der Platz mit der meisten Sonne wurde für eine kleine Terasse ausgewählt und um diese Grundsteine herum wuchs der Garten mit den Jahren.

Die drei Zonen in meinem Garten

Ertragszone

Der Gemüsegarten liegt östlich vom Haus und bekommt von morgens bis spätnachmittags Sonne. Dauerhafte Ertragskulturen sind hier Himbeeren, Grüner Spargel, Rhabarber, Staudenfenchel, Erdbeeren, Schnittlauch, Salbei, Rosmarin, Lorbeer, rote und schwarze Johannisbeeren und Stachelbeeren. Ein Teil des Gemüsegartens ist mit einem dauerhaften Schneckenschutzzaun aus Zink umgeben, hier wachsen dann vor allem Salat, Wurzelgemüse & Co.

An den Gemüsegarten schließt sich eine kleine “Obstwiese” an, die von Totholzhecken umgeben ist. Diese ist Ertrags- und Pufferzone zugleich. Hier stehen ein Apfelbaum, eine Reneklode, ein Feigenbaum, eine Mini-Sauerkirsche, ein Aroniastrauch, eine Brombeere und ein Josta-Beerenstrauch. Außerdem befindet sich hier die Vogelfutterstelle und ein großes Vogelbad (ich füttere ganzjährig). Der Unterwuchs soll eine artenreiche Wiese werden. Da ich hier den Boden nie ausgetauscht habe, befinde ich mich noch in der “Ausmagerungsphase”. Ab und an werden heimische Wiesenstauden dazwischen gepflanzt und ich mähe dort von Hand und nur selektiv. Alle 2 Jahre bleibt die Wiese über Winter stehen, um Insekten einen Rückzugsraum zu bieten. In den Totholzhecken brüten Heckenbraunelle und Zaunkönig.

Zur Ertragszone zählen zudem ein kleines Treibhaus, in dem im Winter Igelpfleglinge gesichert schlafen und im Sommer Tomaten (alte samenfeste Sorten, die ich selber ziehe) wachsen, und eine Kräuterspirale in Hausnähe.

Hot-Spot-Zone

Die Hot-Spot-Zone besteht vor allem aus einem Sandbeet, das gerade (Juni 2020) erst fertig geworden ist. Das Beet ist etwa 9 m² groß und ich habe alles von Hand gebaut – inklusive Sand reinkarren und Steine schleppen. Natürlich steht hier auch eine Hortus-Pyramide! Gepflanzt habe ich dort folgendes: Anchusa arvensis (Acker-Krummhals), Dianthus armeria (Raue Nelke), Dianthus deltoides (Heide-Nelke), Erodium cicutarium (Reiherschnabel), Galium verum (Echtes Labkraut), Hypochoeris radicata (Ferkelkraut), Jasione montana (Sandglöckchen), Petrorhagia prolifera (Sprossende Felsennelke), Potentilla recta (Aufrechtes Fingerkraut), Silene armeria (Nelken-Leimkraut), Stachys lavandulifolia (Lavendel-Ziest) und Stachys recta (Aufrechter Ziest).

Außerdem gibt es als Begrenzung der Terrasse eine Trockenmauer als alten Ziegelsteinen, zwischen deren Ritzen Thymian, Sonnenröschen, Sedum und andere “Hungerkünstler” wachsen. Auf der Mauerkrone stehen einige pflanzen, die leider in Töpfen “eingesperrt” bleiben müssen, so etwa meine kleine Sammlung verschiedener Pfefferminzarten.

Pufferzone

Der Rest des Gartens ist eigentlich Pufferzone.

Ich habe ein Waldbeet, das große Zeit des Tages im Schatten liegt. Dort stehen eine Birke, eine Eberesche, eine Birnenquitte, eine Elsbeere (noch miniklein), Blaubeerern, Farne und viele heimische Waldpflanzen (z. B. Fingerhut, Waldmeister, Walderdbeeren, Waldziest, Salbei-Gamander, Gundermann, Baldrian etc.). Es sind einige alte Wurzeln und Totholzstücke als Tierverstecke vorhanden. Da meine Bäume noch alle eher klein sind, kratze ich im Herbst aus der Nachbarschaft Laub zusammen (wobei ich oft verwirrt angeguckt werde – das schmeißt man doch weg…), das im Winter den Boden des Waldbeets schützt und verbessert.

Der Vorgarten hat westliche und nördliche Ausrichtung und sehr miesen Boden (stark verdichtet und hart, Bauschutt und Betonreste in tiefen Schichten etc.). Ich arbeite an einer langfristigen Bodenverbesserung durch Humuszufuhr (Laub) und Belassen der Pflanzenstängel etc. vor Ort. So langsam wird es. Als Bäume / Sträucher stehen hier ein Holzapfel, ein Rotdorn, ein Hahnenkamm-Weißdorn, Flieder, Kornelkirsche, Roter Hartriegel, Scheinquitte, Mönchspfeffer, einige Rosen (wilde und Zierformen) und eine Kopfweide. Der Staudenunterwuchs ist sehr vielfältig und es sind kleine Module wie Totholzhaufen, Steinhaufen und kleine Pyramiden vorhanden.

Der Autostellplatz vor dem Haus hat extra breite Fugen und dort fühlt sich der Rucola-Salat sehr wohl (den Standort hat er sich durch Selbstaussaat selber ausgesucht!). Er wird auch gegessen und darf sich immer wieder aussäen.

Hinten im Garten befnden sich noch diverse Totholzhaufen, Wildstaudenbeete, ein Miniteich, Komposthaufen und ein blütenreicher Rasen, der selten und selektiv gemäht wird (ich bin ein “Inselmäher”). Es gibt eine Baustelle zwischen Vorgarten / Hauseingang und Terrasse, die irgendwann mal zum Naturteich werden soll…

Kreisläufe im Garten

Meine Ertragszone versorge ich mit eigenem Kompost. Pflanzen, die noch mehr Nährstoffe brauchen, bekommen Brennesseljauche (natürlich auch aus dem eigenen Garten gewonnen). An dem Gemüse können sogar noch andere Familienmitglieder teilhaben, es wächst einfach gut! Der Boden ist hinten etwas sandig, daher ist unsere Spezialität Wurzelgemüse. Die Baumaterialien, die ich für Module etc. verwende stammen alle aus Upcycling (alte Baustoffe), oft verwende ich auch Holz aus Schnittmaterial von Nachbarn etc.

Ich bin in einem Igelschutzverein und wildere in meinem Garten gesund gepflegte Igel aus, die nicht in ihre alte Heimat zurückkönnen. Deswegen habe ich auch zwei fest installierte Igelfutterstellen, in denen ich zufüttere. Vögel werden bei mir auch ganzjährig versorgt. Am Haus haben wir Nisthilfen für Spatzen, Mehlschwalben, Dohlen, Fledermäuse etc.. Meisenkästen hängen auch hier und da. Entsprechend tobt hier das Leben und viele Vogelarten brüten hier.

Da ich drei Hunde habe, mit denen ich Agility mache, wird ein minimaler Teil des Rasens ab und zu für Hindernis-Übungen gebraucht.

Mein Mann und ich und alle unsere Tiere genießen das friedliche Beisammensein in unserer kleinen Oase sehr <3

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