Hortus der Nachtkerzen

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  • Beitrag veröffentlicht:19. Mai 2021
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Als ich den “Garten der Nachtkerzen” 2009 übernahm bestand er aus einer großen Rasenfläche, umgeben und durchschnitten von Hecken und Ansammlungen von Thuja, Rhododendron, Nadelbäumen und Kirschlorbeer.

Die Begrenzung nach Norden bildet ein Metallzaun mit Kunststoffgeflecht, den ich von meiner Seite mit Clematis, Brombeeren und Kletterrosen begrünt habe. Davor stehen Mulchpflanzen (u.a. Beinwell), Himbeeren und Erdbeeren.

2009 entfernte ich 2 der 3 Thujahecken und die Kirschlorbeer-Nadelbaum-Dickichte. Danach war das Grundstück relativ leer. Zum Abschluss pflanzte ich noch 5 Vogelnährgehölze und legte einige Blumenzwiebeln (Schneeglöckchen, Narzissen, Krokusse etc.) in die heutige Pufferzone und den Rasen.

2010 begann ich mit dem Gemüse- und Obstanbau zur Selbstversorgung auf einem Boden, der hierfür eher ungeeignet ist. Das Grundstück befindet sich auf einer alten „Geestinsel“ und der Boden besteht aus viel Sand mit vielen Steinen und etwas Lehm. Vorteil: Man kann ihn super bearbeiten. Nachteil: Wenig fruchtbar, sehr schnell ausgetrocknet und dann leicht flüchtig! Mit konstantem Mulchen (Rasenschnitt etc.) und viel Kompost wird der Boden in der Ertragszone nach und nach fruchtbarer.

Der Garten ist hauptsächlich ein „Ertragsgarten“. Ich habe ihn von Anfang an ökologisch und seit 2018 zusätzlich permakulturell bewirtschaftet. Seit 2020 arbeite ich an den 3-Zonen.

Die Ertragszone ist recht groß, die Pufferzone besteht aus Beerensträuchern (u. a. Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren) und einer Wildobsthecke (u. a. Schlehe, Weißdorn, Kornelkirsche) und in den verschiedenen Hotspots wachsen Wild- und Küchenkräuter.

Bei uns dürfen alle Pflanzen bleiben, die von selbst kommen und sich nicht zu sehr ausbreiten oder zu groß werden. Besonders Blumen und Kräuter sind gern gesehen.

Die Wildobsthecke ersetzt die 2018 gerodete Rhododendronhecke an der westlichen Grundstücksgrenze. Leider wurde sie durch den Dürresommer 2018 ausgebremst, so dass sie noch nicht wieder dicht ist und der Windschutz ausgerechnet nach Westen fehlt. Dafür wachsen in dieser lichten Hecke Fingerhüte, Nachtkerzen, Königskerze, Stockrosen, Akkelei, Brennnesseln u.v.m.

In anderen Pufferzonenbereichen wachsen Winterheckezwiebeln, Bärlauch, Waldmeister, Giersch und Erdbeeren. Natürlich alles für die Tierchen und für uns zum Essen.

Westlich grenzen ca. 2 km konventionell bewirtschaftete Maisfelder an und der Düngereintrag in den Garten durch Winderosion ist groß. Für die Ertrags- und Pufferzone ärgerlich, für die angestrebten Hotspotzonen ganz schlecht!

Der beste Hotspot befindet sich aktuell südlich zwischen Pufferzone und Straße (gegen Westwind relativ geschützt) und ist ca. 2 m breit. Er entstand 2018 durch Zufall (Vertikutieren + Trockenheit) aus einem Moos-Rasen und einem schmalen Blühstreifen. Seitdem ist er eine Wiese: schön grün, blüht wunderbar und es haben sich viele Wildkräuter angesiedelt. Sie wird 1-2 x im Jahr gemäht.

Derzeit versuche ich auch im Garten einen Hotspot in Form einer solchen Wiese anzulegen. Das ist bei der „Winddüngung“ allerdings schwierig. In diesem Frühjahr habe ich an einigen Stellen die Grasnarbe entfernt und gezielt Wiesenpflanzen ausgesät (Quedlinburger Saatgut, einheimische Wiesenblumen) und vorgezogene Pflanzen gesetzt (u. a. Natternkopf, Pechnelke, Wilde Malve, Färberkamille).

Auch dieser Rasen wurde in den letzten Jahren nur maximal 4 x/Jahr gemäht und wird ab diesem Jahr nur noch 2 x mit der Sense gemäht werden. Im Sommer folgen dann weitere Löcher in der Grasnarbe, damit die Samen auch auf offenen Boden fallen können.

Alles auf dem Grundstück anfallende Regenwasser wird in Tonnen gesammelt. Der Überlauf darf im Garten versickern.

Nach und nach fliegen alle nicht heimischen, nicht insekten- oder vogelfreundlichen Pflanzen (außer Gemüse!) aus dem Garten.

Auch die Thujahecke im Osten wird im Herbst oder Frühjahr fallen und zur Schnittguthecke. Dort werde ich u. a. Haselnüsse, die sind da eh schon aufgegangen, Pfaffenhütchen und Weiden pflanzen.

Außerdem möchte ich an der Nordseite dieses oder nächstes Jahr noch einige kleine Tümpel anlegen.

Einige Naturmodule bestehen schon länger, z. B. ein Hornissenkasten, ein Komposthaufen, ein 20 m langer Erdwall mit Wurzeln, zwei zwar niedrige, aber jeweils 5 m lange Schnittguthecken entlang der Hecken und mehrere Lesesteinhaufen (sonnig und schattig), weil sie einfach praktisch sind. Ein Baumstumpf (Buche, ca. 80 cm, halbschattig) und 2 größere Schnittguthaufen kamen 2020 dazu. Im Deckel einer Regentonne befindet sich ein gut besuchtes Vogelbad. Im Garten verteilt stehen mehrere Trinkschalen für Insekten. Unter dem Dachüberstand des Hauses (Osten) entstand ein 4 m langer und 1 m breiter Streifen aus normalem Gartenboden, lückig mit Steinen bedeckt, der bereits Frühlings-Pelzbienen als Heimat dient.

Weiter entstanden 2021:

– 1 Pyramide mit Keller, gefüllt mit Steinen und bepflanzt mit Sedum

– 1 Friesenwall mit Keller, gefüllt mit Steinen, sowie an bepflanzten Stellen mit etwas Erde

– 1 Käferkeller (schattig)

– 1 Sodenkompost mit steilen Wänden, vielen Hohlräumen und Löchern (sonnig)

– 1 Baumstamm (Tanne, ca. 3 m, noch verwurzelt, 2020, sonnig)

– 2 Wildbienen-Nisthilfen aus einer alten Terrassentür

– 1 sehr sandiges Beet, locker mit Wildstauden bepflanzt zwischen Friesenwall und Pyramide

Der Name “Garten der Nachtkerzen” war vor einigen Jahren die Idee meines Mannes, der sich in Haus und Garten um alles kümmert, was keine Wurzeln hat.

Bild 1: Wiese und die Gemüsebeete im Sommer 2019.

Bild 2: Plan mit der aktuellen Zoneneinteilung

Bild 3: Waldrand vor der Thujahecke mit Bärlauch und Baumstumpf

Bild 4: Pyramide und Friesenwall mit Magerbeet

Bild 5: Hotspotzone mit vorgezogenen Wiesenpflanzen und Lungenkraut

  • Der Name setzt sich aus unseren Nachnamen zusammen: Nacht(wey)+Kerz(ig)+en. Und es gibt auch viele davon im Garten.
  • Ute Nachtwey
  • 21776
  • Wanna
  • Deutschland
  • 1000
  • http://wattundwiese.de/nachtkerze.html
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