Hortus papilionum

Wie alles begann….

Es war einmal ein lauer Sommerabend im August, an dem einem einigermaßen jungen Fräulein, während des Spaziergangs mit ihrem Seelenhund, ein kleines Räupchen begegnete.

“Huch,”meinte das Fräulein “wer bist du denn eigentlich….?”

(Anders als in den klassischen Erzählungen, antwortete die Raupe natürlich nicht. Wie schade, aber wir wollen ja bei der Wahrheit bleiben.)

Also lud das Fräulein das possierliche Tierchen ein, sie mitsamt ihrem treuen Gefährten, nach Hause zu begleiten.

Dort angekommen fragte das Fräulein einen sehr weisen Freund, den die Leute Google nennen, wen sie da nun eigentlich eingeladen hatte.

Der weise Freund gab schnell die Antwort preis. Es war die Raupe eines Tagpfauenauges, die offensichtlich kurz vor der Verpuppung stand.

Das Fräulein war fürchterlich aufgeregt, parkte die Raupe in einer Vase und zimmerte in windeseile ein sogenanntes Aerarium, um dem künftigen Schmetterling eine geschützte Zeit als Puppe zu bieten. Man mag es kaum glauben, bereits am nächsten Morgen hing die Raupe kopfüber an der Brennessel. Verrückt! Nur eine Nacht später hatte sich die kleine schwarze Raupe, scheinbar während den frühen Morgenstunden, in eine schillernd güldene Puppe verwandelt.

Leider hatte das Fräulein das Wunder der ersten Metamorphose verpasst. Sie weinte bittere Tränen.

Dem Himmel sei Dank wusste ihr weiser Freund Google eine ganze Menge darüber, weshalb das Fräulein viel Zeit mit ihm verbrachte um alles zu erfahren, was für die Entwicklung ihres Gastes wichtig war.

Es dauerte knapp drei Wochen, in denen das ungeduldige Fräulein so einiges lernte über das Leben, die Natur und ihre Wunder. Sie schämte sich sehr für ihre Unwissenheit und besonders dafür, dass sie, obwohl sie doch Herrin über knapp drei Morgen Land war, der Natur bislang so schrecklich ins Handwerk gepfuscht hatte.

Als dann, am sonnigen Morgen des 18. Tages das zauberhafte Tagpfauenauge aus seiner Puppenhülle kroch, empfand sie unsagbar grosses Glück. Das Fräulein wartete ganz aufgeregt bis dieses kleine Wunder seine Flügel entfaltet und getrocknet hatte.

Sie hielt ihm den Finger hin und er nahm ihn dankbar an.

Das Fräulein setzte sich, verzückt vor Glück, mit dem Tagpfauenauge auf dem Finger, dem Seelenhund an der Seite, in Mitten des kurzgeschorenen Rasens und gelobte feierlich:

“Mein lieber Schmetterling, ich werde der Natur ab heute helfen! Ich werde viel lernen und künftig mit all meiner Kraft dafür kämpfen, dass euer Leben leichter wird und deine Kinder eine Zukunft haben. Anfangen damit werde ich genau hier, auf unseren drei Morgen Land.”

Das kleine Tagpfaugenauge lächelte zufrieden, spreizte die Flügel mit bedacht und flatterte frohgemut der Sonne entgegen.

Das Fräulein nahm voller Tatendrang einen Spaten und grub das erste Pflanzloch in den ehemals heiligen Rasen…..

Tja ihr Lieben. So begann meine Geschichte

…..und wenn sie nicht gestorben sind, dann hortelt sie noch heute.

  • Garten der Schmetterlinge
  • Julia Keller
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  • Ottweiler
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