Hortus Lauteri

2018 ist unser Traum vom Leben auf dem Land in Erfüllung gegangen – ein altes Haus mit einem großen Grundstück ein wenig abseits von Straßen und Ortschaften sollte es sein. Gefunden haben wir es in Lauterbach im Vogelsberg und das beste daran: die Vorbesitzer haben schon jahrzehntelang, eher unbewusst, das große Grundstück nach Permakulturmaßstäben und in drei Zonen bewirtschaftet. Das dürfen wir nun fortsetzen.

Die Pufferzone ergibt sich schon fast von selbst: Das Grundstück ist an zwei Seiten durch Fließgewässer, die Lauter und den Mühlbach, begrenzt. Die Lauter wurde vor einigen Jahren renaturiert und an beiden Ufern wachsen ungestört überwiegend Erlen, Weiden, Birken, Hainbuchen und Haselsträucher. Für uns ein willkommener und gern gesehener Sichtschutz zur etwas weiter entfernt gelegenen Straße zu. Auch den Mühlbach begrenzen mit Erlen, Weiden, Schlehen, Pfaffenhütchen, Vogelkirschen, Vogelbeeren und Holunder viele fruchttragende Gehölze. An der dritten Seite des Grundstücks bietet eine großenteils wild gewachsene Hecke aus den gleichen Gehölzen einen Sichtschutz zum vorbeiführenden Wander- und Radweg. In dieser Hecke wurden schon vor Jahren Stein- und Laubhaufen als Unterschlupf für allerlei Getier angelegt. Abgestorbene Bäume durften stehen bleiben und der Buntspecht ist fast jeden Tag dort zugange. Die vierte Seite ist relativ offen gehalten zum “Wildwuchs” des benachbarten Grundstücks. Dort hindern ein Zaun und der Beginn einer Benjeshecke die im Sommer anwesenden Schafe und Ziegen daran, den Hortus heimzusuchen. Das Geäst von acht großen Fichten, die auf dieser Seite einen kleinen Wald gebildet hatten und letzten Winter nach der Trockenheit gefällt werden mussten, haben wir zwischen zwei Reihen naturbelassener Pfähle aufgeschichtet als Unterschlupf für Insekten und Vögel.

In der Ertragszone stehen alte Obstbäume, Beerenobststräucher, Heil- und Würzkräuter sowie wild wachsende Walderdbeeren und eine Türkenbundlilie, die sich dort selbst angesiedelt hat. Auch Holunder, Bilsen und Zwetschen säen sich immer wieder selbst aus. Dort bauen wir den größten Teil unseres Gemüses an. Überschüsse von Obst und Gemüse füllen den Keller. Im letzten Jahr haben wir ein Schlüssellochbeet angelegt und produzieren dort und auf weiteren Komposthaufen mit selbst hergestellter Pflanzenkohle und der Hilfe von Hunderten von Rosenkäferlarven einen hervorragenden Kompost. Zur Pufferzone hin dürfen viele Brennnesseln wachsen, aus denen wir unsere Brennnesselbrühe herstellen. Die bildet mit dem reifen Kompost und selbst hergestellter Schachtelhalmbrühe die Grundlage für unseren Dünger und Pflanzenschutz.

Unsere Hotspotzone wächst noch. Der Großteil des Geländes besteht aus Wiese mit einzelnen Nutzbäumen wie Walnuss, Marone oder Apfelbäumen. Um genügend passendes Mulchmaterial für die Ertragszone zu bekommen, haben wir einen Sensenkurs besucht und mähen nun zwei Mal im Jahr wie die Altvorderen, wenn das Gras hoch genug ist. Aus dem angetrockneten Gras drehen wir Mulchwürste, was uns schon einiges an Kopfschütteln von Bekannten und Freunden eingetragen hat. Stört uns aber nicht… Das Herbstlaub der vielen Bäume und Sträucher aus der Hot-Spot-Zone wandert im Herbst als Mulchdecke auf die Beete in der Ertragszone. Außerdem werden wir, da das Gelände am Hang liegt, zu den alten, vorhandenen Trockenmauern weitere anlegen und den Boden dahinter abmagern, um den bereits vorhandenen Blumen wie Klatschmohn, Käsepappel, Echtem Labkraut, diversen Disteln oder Königskerzen mehr Raum zu geben. Von den jahrealten Stein- und Reisighaufen, Totholz, Trockenmauern und einem kleinen Teich profitieren jetzt schon Insekten, Vögel, Amphibien und Reptilien. Leider hat sich hier der Waschbär schon breit gemacht, dezimiert gerade diese Tiergruppen und zwingt uns dazu, uns immer neue Abwehrmaßnahmen auszudenken. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir trotzdem mal wieder eine Erdkröte, einen Teichmolch, eine Blindschleiche, eine Glattnatter oder eine Wasseramsel sehen. Und bei den Insektenbeobachtungen waren Schwarzes Ordensband, Schneckenhaus-Goldwespe und Kleine Düsterbiene unter den Highlights in 2020.

Wir haben hunderte weitere Ideen, die wir in unserem Hortus noch umsetzen möchten. Da ist nur die Zeit der begrenzende Faktor…

  • Garten an der Lauter
  • Sabine N.
  • 36341
  • Lauterbach
  • Deutschland
  • 4000

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Das klingt ja super! Von einem Hortus in Kinderschuhen kann man in eurem Fall ja nicht mehr reden. Das ist beileibe schon ein wahrhaftes Juwel für Fauna und Flora. :hurra: Herzlichen Glückwunsch :applaus: Und bei dem Platz, der euch da zur Verfügung steht, fällt euch mit Sicherheit in Perspektive noch einiges ein…. ;-) Bin gespannt, wie es weiter geht bei euch. :good:

    1. Vielen Dank! :-)
      Ja, uns ist klar, dass wir hier ein echtes Paradies “geerbt” haben. Das werden wir sicher weiterentwickeln. :biene:

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