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Hortus St. Elisabeth

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Meine ersten Kontakte mit dem Garten:
In dem Garten, der sich neuerdings Hortus nennt, ist mein Mann aufgewachsen. Besser gesagt, "an" ihm. Der Rasen war heilig, man durfte ihn nicht betreten. Es gab Rosen, Dalien, Forsythie, Thuja, Geranien und einen blitzsauberen Gemüsegarten. Laub und Gras wurden entsorgt, dafür kaufte man Kunstdünger und Gift gegen die zahlreichen Läuse und Schnecken. Der Kompost wurde in einem abgedeckten, gemauerten Loch gesammelt und im Herbst hat man ihn im Gemüsebeet untergegraben.
Bei den Enkeln, meinen Töchtern, war man da schon großzügiger. Aber außer dem Rasen war da schon fast nichts anderes mehr und die Sonne brannte den ganzen Tag unbarmherzig aufs Haus und auf das ganze Gelände. Man konnte nirgends Ostereier verstecken oder irgendetwas interessantes entdecken.
Vor drei Jahren zogen wir hier her und ich freute mich einerseits über einen leeren Garten, denn ich konnte nun zum ersten Mal meine eigenen Ideen umsetzen; andererseits finde ich einen Garten ohne alte Bäume traurig. Ich werde nie unter einem alten Baum Kaffee trinken oder eine Schaukel für die Enkel darin aufhängen können. Am vorherigen Wohnort war ich auch schon sehr begeistert bei der Gartenarbeit, aber es störte mich zunehmend, dass da sehr viel Zeit vergeht, nur um den Nachbarn eine gewisse Optik zu bieten.
Ich verkündete also, dass ich nur noch Essbares oder Trinkbares pflanzen würde. Keine Mühen mehr ohne Lohn!
Im zweiten Jahr bemerkte ich die Not der Tiere und Insekten und da entstand von ganz alleine der Hortus.

Erste Kontakte zum Hortus-Netzwerk:
Nachdem der Garten schon seine Ertragszone, seine Pufferzone, Naturmodule und einen blühenden Saum für Insekten bekommen hatte, stolperte ich bei Facebook über die Gruppe des Hortus-Netzwerks und morgen bekomme ich Markus Gastls Buch geliefert. Ebenso war es mit der Permakultur. Als ich das erste Mal davon las, musste ich lachen und sagte zu meinem Mann: "Ach schau an! Die Art wie ich gärtnere, hat sogar einen Namen."
Es liegt in meinem Naturell, alles anders machen zu wollen als andere und so kam es, dass unser Garten rasch anders aussah als die anderen. Es kann sich kein Passant entziehen. Nicht dass der Garten jetzt schon bombastisch aussehen würde, aber nach der Eintönigkeit der Nachbargärten, zieht er die Blicke automatisch auf sich.

Gegenüber steht die Kirche. Dort wird jeden Tag mit allen Mitteln gegen die Natur gekämpft: raspelkurz gemäht, Laub sogar noch aus der stets eckig geschnittenen Hecke entfernt, sehr viel Salz gestreut, usw. Wir schrieben unsere Beobachtungen in einem Brief an die Gemeindeleitung, wollten gerne wissen, wie wir das in Einklang mit den häufigen Predigten zum Thema Naturschutz bringen sollen, aber es kam nie eine Antwort. Als stattdessen ein riesiges Banner direkt gegenüber meines Arbeitsplatzes aufgehängt wurde mit der Aufschrift "Gutes Leben für alle/Schöpfung erhalten", meldete ich den Hortus St. Elisabeth an und bestellte mein Schild.

Wo stoße ich bei der Umsetzung des Hortus' auf Probleme:
Die Probleme sind nur in meinem Kopf. Ich mag keine Steine im Garten! Ich habe Angst vor dem Magerbeet, das ich trotzdem immer weiter plane. Ich muss meinen Grundsatz "Nur Essbares!" aufgeben. Ich wollte auch einen Garten, den man altershalber jederzeit wieder einebnen kann (wie das meine Schwiegereltern auch schon taten). Ich brauche da einfach noch den letzten Schubs und deshalb werde ich ab morgen brav das Buch lesen!

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Dein Gartenbericht hat mich sehr berührt, denn es ist viel mehr als eine bloße Beschreibung, was wo wie vorhanden und was noch in Planung ist. In jeder Zeile schwingen Deine Gefühle mit, Deine Gedanken, auch Deine Ängste.

Ich bin übrigens auch eine, die hier vielleicht ein wenig aus der Reihe tanzt. Bisher habe ich kein einziges Buch von Markus Gastl gelesen (dafür viele, viele andere über Naturgärten, Fledermäuse, Eidechsen, Vögel, Wildbienen, heimische Pflanzen etc.) Ein Magerbeet haben wir auch nicht in dem Sinne, obwohl ich es immer schön finde, wie viele User ihre Magerbeete und Sandarien gestalten. Der Garten hat eher Waldcharakter und dementsprechend gibt es viel Schatten, der Platz ist begrenzt. Ich kann einfach nicht alle Ideen umsetzen, die mir so vorschweben (im Buch "Mehr Platz für den Spatz" wird vorgeschlagen, ein kleines Getreidefeld für die Vögel aus Weizen oder Hafer und Klatschmohn und Kornblumen anzulegen - würde ich sofort machen, wenn ich könnte!)

Die Magerstandorte hier beschränken sich auf einen kleinen Bereich am Teich und auf die Töpfe, die ich vor dem Haus stehen habe. Ich bin auch jemand, der lieber mit den vorhandenen Gegebenheiten arbeitet, als tonnenweise den guten und fruchtbaren Lehmboden abtransportieren zu lassen und durch Splitt und Kies zu ersetzen.

Hast Du denn schon Bäume gepflanzt für die nächsten Generationen? Dies scheint Dir ein besonderes Anliegen zu sein. Es wird Dich vielleicht etwas trösten, auch wenn Du selbst nicht unter einem großen eigenen Baum Kaffee trinken kannst.Vielleicht legst Du Dir einen schon etwas größeren Kirschbaum zu? Die wachsen ja so rasant, dann wirst Du in zehn Jahren auf jeden Fall einen Schattenplatz für Dich haben und für die Seele.... :-)

Und außerdem: Deinen Grundsatz, nur Eßbares anzupflanzen, mußt Du nicht aufgeben!! Nur etwas erweitern: Nur Eßbares für Mensch, Tier, Insekt.

Das waren jetzt so meine spontanen Gedanken nach dem Lesen Deiner Zeilen. Ich wünsche Dir viel Spaß bei der Lektüre Deines Buches.

Ach ja, ich selbst freue mich auch auf die Lektüre eines Buches, das ich mir spontan als Weihnachtsgeschenk bestellt habe: "Natur für jeden Garten" von Reinhard Witt. Ich darf das aber erst an Heiligabend auspacken... :-) Witts lässigen und lockeren Erzählstil, sein Fachwissen, seine Selbstironie, seine Liebe zur Natur gefallen mir ausgesprochen gut.

Von ihm habe ich das Wildpflanzen-Topfbuch zu Hause, das ist echt genial. Man kommt auf ganze neue Ideen, womit man Töpfe, Tröge und Kästen bepflanzen kann.

Hallo @marissa , schöner Bericht . Wir haben einen 10000m² Garten , jeder m² irgendwie mal umgestaltet.Und wenn wir mal alt sind wird hier garantiert nichts eingeebnet. Dann "verkommt" es halt , wenn sich kein adaequater Mitbewohner findet. Man muss nicht immer Ordnung halten, egal in welcher Form , auch wenn das bei uns Deutschen anscheinend eine genetische Disposition ist.

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Hallo @marissa,
das ist eine sehr eindrückliche Schilderung Deiner Vorstellungen, Wünsche, Ängste und Unsicherheiten :)
Und ich kann es so gut nachfühlen - Lange, bevor ich "meinen Resthof" fand und kaufte hatte ich schon diesen Kinheitstraum von einem Resthof.
Aber bei der Vorstellung der vergleichsweise riesigen Flächen, die "schier" gehalten werden müssten, war mir auch immer mal wieder Angst und Bange.

Glücklicherweise führten schon in den 20 Jahren bevor ich "meinen Hof" fand ganz andere Umstände und den daraus resultierenden Begegnungen mit Menschen, die mir sonst nie begegnet wären, dazu, sowohl mein eigenes Leben, die SIcht auf die Dinge, meine Werte und meinen Blick auf meine Umgebung drastisch zu verändern.

Heute ist es mir egal, was Nachbarn oder andere Menschen denken, wenn sie mein wildes Grundstück sehen oder mich als die "verschrobene Ökotante" bezeichnen - schließlich fragen sie auch nicht, was ich von ihnen denke ;) - und sie sagen es heute eher mit einem Zwinckern in den Augen und begegnen mir mit Toleranz und Respekt.

Ein sehr guter Freund fragte mich mal vor vielen Jahren, als ich ihm erzählte, dass ein Nachbar sich an meinen Stallschuhen vor meiner Haustür (damals noch in einer Mietwohnung) störte, warum mich das trifft?
Meine Antwort: "es trifft mich ja nicht, aber........."
Seine ANtwort: "und warum ist es dann ein Thema für Dich, wenn es DIch doch nicht trifft? Warum schnellt Dein Puls in die Höhe, wenn Du darüber sprichst?"

Ich hatte keine Antwort.

...und er sagte: "Man zieht sich immer nur den Schuh an, der einem passt"

Und später in einem anderen Zusammenhang sagte er mir mal, als ich mich furchtbar über jemanden aufregte:

"Ändert es irgend etwas an der Situation wenn Du DIch jetzt aufregst?"

ich: "vermutlich nicht"

er: " warum riskierst DU dann ein Magengeschwür"?
Es lohnt sich nur, sich über etwas aufzuregen, wenn das dazu führt, dass es besser wird - sonst kann man es getrost lassen und viel Zeit und Nerven sparen"

Diese einfachen Feststellungen haben mein Leben fortan begleitet und in zunehmend weniger Situationen musste ich mir selbst die obigen Fragen stellen - denn ich hatte zunehmend angefangen, Dinge, die ich früher persönlich nahm und die mich trafen/verletzten/sorgten, gar nicht mehr wahr zu nehmen als "für mich bestimmt".

Es bringt natürlich den einen oder anderen manchmal ein wenig zur Verzweiflung, wenn man so gar nicht mehr auf Provokationen anspringt, weil man sie nicht realisiert - aber die Verzweiflung ist von kurzer Dauer, dann suchen sich die ABsender der Provokation ein empfänglicheres Opfer ;)

Warum ich das so ausführlich schildere im Zusammenhang mit dem "Hortus"?

Diese Erkenntnis und innere Wandlung war Voraussetzung dafür, dass all das geschehen konnte, was danach geschah.

Denn ohne diese Erkenntnis hätte ich einem hohen gesellschaftlichen Druck stand halten müssen - und das hätte ich nicht geschafft.

Parallel zu obiger Entwicklung entstand bei mir zunehmend ein völlig neuer Blick auf die Natur.
Auch hierbei spielten Begegnungen mit anderen Menschen, aber auch Bücher, die mir in die Hand fielen und Beobachtungen dessen, was vor meiner Haustür geschah eine gravierende Rolle.

Letztendlich führte all das zu einer Erkenntnis:

Die Natur braucht mich nicht - sie braucht nur eines:
Zeit und Raum und niemanden, der sie ständig "formen" will.

Als Konsequenz daraus, habe ich nach Erwerb meines Resthofes, einer "grünen Wüste" aus landwirtschaftlicher Nutzung dem Land durch Pflanzung zahlloser standortheimischer Büsche und Bäume und AUssaat von vielen verschiedenen standortheimischen Gräsern und Wildkräutern einfach eine Starthilfe gegeben, um sich das Land zurück zu erobern.

Jetzt macht die Natur fast alles allein - und ich hole mir aus dieser Natur, was ich gerade zu essen brauche.

Wie es optisch für andere aussieht, ist mir egal.  Da das Leben (vom kleinsten Insekt bis zum Säugetier, vom kleinsten Blümchen bis zum Baum) sowohl an Masse als auch an Vielfalt alljährlich weiter zunimmt, kann es nicht falsch sein.

Und in meinen Augen ist es die WUNDER-VOLLSTE Insel überhaupt, inmitten der ich leben darf.

Sorgen, dass ich irgendwann im ALter irgendetwas nicht mehr könnte, mache ich mir nicht - die Natur kann sich selbst erhalten - wenn ich sie lasse.

Insofern: wenn Du DIr jetzt einen Hortus nach Deinen Vorstellungen anlegst und eines Tages nicht mehr in der Lage sein wirst, ihn so zu pflegen, wie Du es bis dahin nach Deinen Wünschen gemacht hast, dann musst Du ihn nicht "platt machen" - was auch Sünde wäre, denn Millionen von Lebewesen würden dadurch ihren Lebensraum verlieren, den sie sich wie eine Insel inmitten von "Gärten des Grauens" erschlossen haben - Du kannst ihn dann einfach sich selbst überlassen - und er wird sich weiter entwickeln - auf seine Art - wunderschön - aber anders :)

 

Sag niemals "nie", denn es gibt nichts, was es nicht gibt.....

Hallo Marissa,

mich beeindruckt deine Sicht der Dinge.

Ich lebe jetzt im dritten Garten meiner bisherigen Lebensspanne. Der erste (frühe Kindheit) war platzmäßig klein, ein Stück Grün unter einem riesigen Kirschbaum, ich war 8 als er fiel und alles änderte sich von Grund auf. Das alte Haus weg, der Garten - alles wurde umgedreht. Es wurde eine neues Haus plus Tiefgarage gebaut.

Der zweite Garten, lag auf dieser. Fast streng symmetrisch, mit viel Rasen (anfänglich) in der Mitte. Er wurde von 1973 bis jetzt dann doch freundlicher. Als ich von zuhause auszog und meine Scholle hier eroberte, fand ich im Garten drei vor, was du so beschrieben. So weit das Auge reicht Gras. Nichts anderes. Ein paar wenige Sträucher, mit dem Sachverstand eines Gartenarchitekten, seinerzeit, angelegt. Tot, für das Auge. Es ist ein Stadtgarten, gut 600qm groß, nicht zu vergleichen, mit den Größen von Markus oder Frank, nicht zugänglich von keiner Seite, außer direkt an der Bahnlinie, aber auch da stehen Dinge im Weg, die man mühevoll wegräumen müsste.

Die ersten Jahre hab ich nicht gemacht, es war nicht mein Grund und Boden, das wöchentliche Mähen mehr Qual als Genus.

Ich weiß nicht, wie man sich Gartenarchitekt schimpfen kann, wenn man von links nach rechts beschreibt, was gepflanzt wurde. Links im Eck wuchs ein weißer Flieder und eine Forsythie, drei enorm große Tannen /Fichten, ein großer Korkenzieherhasel, direkt an einer stattlich gewachsenen Thuje. Leicht dahinter kümmerte eine Hängebirke. Und ein verdammt großer Wacholder schirmte ausladend über 15qm an. Der Rest war billigste Rasenmischung.

Irgendwann hat wohl ein Mieter eine Zierkirsche links und einen Säulenwacholder rechts gepflanzt, damit man noch die schöne grüne Fläche bewundern kann, aber schön ist anders.

Ich kann die Eckdaten nennen, das Haus dazu wurde 1969 gebaut. Somit ist die Gartenanlage auch aus der Zeit. Ich kenne viele Baustellen, mein Vater war Maurermeister. Da wurde das Erdreich auf einen Hügel geschoben und wenn das Haus fertig war, wurde mit einem Kettenlader dieses wieder rund um verteilt. Dadurch, das nichts weg kam, von der guten Erde, waren es zum Haus hin locker 45cm reines Erdreich, voll mit den Samen und Wurzeln, die vorher schon dort schlummerten.

Giersch, Winden. Legt man solch Flächen dann mit billiger Rasenmischung an, kommt binnen weniger Tage sofort Herr und Frau Löwenzahn vorbei um Hallo zu sagen und als erster einzuziehen. Als ich so um 1985 hier einzog, empfing mich der Garten zwar freundlich, aber auch verschämt. Die Sonne im Sommer bräunte sein Gras und brannte unbarmherzig auf alles nieder. Ich versuchte ihm etwas mehr an Farbe zu geben, zu Flieder und Forsythie setzte ich einen Zierjohannis. Sein Duft waren wie eine frische Brise, es folgte eine schone große gelbe Teerose.

Das war es aber auch schon. Das Witzige aber war, das mein Vater die Bäume, die er gut fand, und bei ihm, wegen der Tiefgarage nicht pflanzbar waren, mir aufs Auge drücke. Es wurden zwei serbische Fichten gesetzt. Die eine ging wenigsten zügig ein, die andere ist heute mein Totholzbaum. Mein Traum von einem Teich erfüllte sich auch, mit der Hilfe meines Vaters, der aber auf Grund seiner Berufswahl dieses nicht so machte, wie ich, die Tochter aus Büchern mir erlesen hatte, dies ist anderwo nieder geschrieben und wiederhole ich hier nicht.

Jedenfalls, ich habe bis ich 2015/16 begann, alles so zu ändern, wie ich es wollte, keinen Schattenspender oder Obstlieferanten, kaum duftende oder mit Farben lockende Blumen, Sträucher - dafür ein Meer an Gänseblümchen, Löwenzahn, Klee und Gras. Und was für ein Gras. Lässt man es wachsen, bilden sich Horste, die man nicht mehr überfahren kann.

Noch heute hadere ich mit diesem Gestrüpp. Ich hatte Stellen im Garten mit mehr Moos, als man gemeinhin glauben mag, auf einen QM waren drei Halme Gras. Heute glaub ich zu wissen warum, ich trotz Vollsonne, soviel Moos habe, es müssen wohl die gut 45cm Erde sein. Einfach Zuviel des Guten. Ich hab im August vertikutiert, bis die bloße Erde zu sehen war. Ein Drama. Noch heute beschleicht mich der Ärger, weil ich nichts gegen tun kann.

Ich kann nicht, wie Markus es in seinem Buch fordert, den ganzen Müll abtragen, erstens ist es einen Kostenfrage und zweitens käme ich mit schwerem Gerät ja gar nicht in den Garten. Mir bleibt nur die Variante, in die Höhe zu bauen. Oder viel Sand auf diese "gute Erde" zu bringen. Dazu kämpfe ich weitestgehend allein, mein damaliger Mann kann eine Rose nicht von einem Grashalm unterscheiden, er pflügt alles unter. Somit hab ich hochschwanger Rasen gemäht, weil er mir nicht half.

Heute entstehen die Dinge in meiner Geschwindigkeit, da ich nicht groß und stark bin, eher klein und schwach. Und ich werde voraussichtlich auch nicht im Schatten meiner Bäumchen wandeln, da die Hälfte meiner Lebensspanne schon um ist. Es wurde bunter, lebendiger und zumindest für mich, eine Wohltat fürs Auge. Auch wenn mich Thujen wie Geier umkreisen und Birken mir ihren Samen tonnenweise schicken, Es steckt mehr Leben hier, als ich je erhofft hatte.

Vieles war schon da, die Bahnlinie ist da wohl positiv anzumerken, Blindschleichen, Eidechsen, Molche, Kröten. Bis auf die Eidechsen, find ich alles oft und wieder in Hortus. Es ist eine Wohltat, soviel Leben hier zusehen, was einst nur grün und tot war. Wenn ich Bienchen beobachte, die ich vorher nie gesehen hab. Ich hab schon Bilche gesehen, ein Gewölle und Vögel, die ich lange nicht mehr sah. Und dies in einem Stadtgarten, zwar mit Ortsrandlage, aber auch hier muss man wenigsten 2km laufen um zu Stadtgrenze zu gelangen.

Wenn ich nicht mehr bin, wird der Garten verschwinden, zu teuer ist hier der Baugrund. Dann wird ein überdimensioniertes Haus gebaut mit Handtuchgarten, wie es heute üblich ist. Der Mensch entfernt sich von der Natur, bekämpft sie mit Beton und Gift. Und merkt nicht, wie krank er wird.

Ich schweife ab. Sorry. Mein Kleinod wird leicht zum Rückbauen sein, einfach mit der Planierraupe drüber rollen, schon ist es weg. Aber bis dahin, darf er Oase sein, mein Herz erfreuen und mir ein bisschen abgeben.

 

Um auf dein "Problem" zukommen, Steine im Garten zu haben. Um mager zu sein, kann man die Grasnarbe abziehen und viel Sand untermischen, wobei das Verhältnis zu Sand größer sein sollte, aber auch hier du bist die Regina deines Hortus, du bestimmst Menge und Aussehen. Ob du dieses mit Steinen begrenzt, oder mit Baumstücken oder einen Hügel entstehen lässt - ist dir völlig überlassen.

Du kannst experimentieren, du kannst Töpfe mit purem Sand füllen und mit Kräutern füllen. Und selbst wenn Du einen völlig normalen Garten hast, der die drei Zonen nicht zur Gänze abdeckt - so hast du doch einen Garten für Mensch und Tier. Alles entwickelt sich. Mit Dachziegeln kann man auch wundervolles entstehen lassen, ob Magerbeet oder Keyhole-Beet.  Lässt sich auch wieder Rückbauen. Und es lässt sich so vieles essen, was uns gar nicht mehr bewusst ist.

Lass Dich inspirieren. Mich hat "Garten-Erlebnis-Räume" von Reinhard Witt inspiriert. Und sein Naturgartenbaubuch, auch wenn ich 95% davon nicht umsetzen kann, mangels Platz. Aber viele Ideen sind im kleinen umsetzbar.

Die wichtigste aller Regeln, sofern es Regeln gibt, von Markus, ist dass den Garten nichts verlässt, das Laub und Kompost die Puffer- und Ertragszone füllt, weil es aus der Hotspotzone genommen wird. Mit den Jahren wird es auch magerer. Dort. Jedes Augenmerk ist individuell und das ist doch das Schöne. Jeden Hortus, den ich bisher besucht habe, sei es hier in Bayern oder in Bremen. So schön, so unterschiedlich und so warmherzig, wie der Garten einen begrüßt, das habe ich sonst nirgendwo so gefühlt.

Es ist wie heimkommen, obwohl man in der Fremde ist. Ein größeres Lob kann der Garten doch nicht erhalten - oder?

Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Wo stoße ich bei der Umsetzung des Hortus' auf Probleme:
Die Probleme sind nur in meinem Kopf. Ich mag keine Steine im Garten! Ich habe Angst vor dem Magerbeet, das ich trotzdem immer weiter plane. Ich muss meinen Grundsatz "Nur Essbares!" aufgeben. Ich wollte auch einen Garten, den man altershalber jederzeit wieder einebnen kann (wie das meine Schwiegereltern auch schon taten). Ich brauche da einfach noch den letzten Schubs und deshalb werde ich ab morgen brav das Buch lesen!

Liebe Marissa,

es ist ja oft so, dass man sich in einem "Veränderungsprozess" selbst Steine in den Weg legt...

Wie meine Vorredner möchte auch ich dir ein bisschen die " Angst" vor lauter Sand und Stein deinen Grundsatz "Nur Essbares! " aufgeben zu müssen, nehmen.

Die Denkweise von Markus Gastl ist dabei, denjenigen Insekten, die unseren Garten fruchtbar ( somit essbar) machen, Lebensraum zu bieten, damit sie im Garten bleiben. Ein Magerbeet ist auch gleichzeitig Wohnraum, viele Bienen nisten im Boden des Magerbeetes. Ein Magerbeet kann auch mit Kräutern bestückt werden, die in der Küche verwendet werden. Steine speichern die Wärme und geben sie nachts wieder an ihre Umgebung ab, welche wärmeliebende Insekten aufsuchen. Auch für wärmeliebende Pflanzen sind sie förderlich. Mais wächst toll in der Nähe von Steinen, auch Erdbeeren mögen die Wärme der Steine. Du gibst deinem Garten damit nochmal eine andere Möglichkeit, einen andersartigen Lebensraum mit an die Seite.

Ich erlebe selbst diese Wärmespeicherung der Steine und Dachziegel in meinem Hortus als Gewinn und sehe, wie gut die Pflanzen in der Nähe der Wärmequellen gedeihen. Sie sind dadurch, dass sie nicht gemörtelt sind, jederzeit wieder abbaubar. Ich lege meinen Garten auch so an, dass ich jederzeit etwas umbauen kann, wenn ein "Experiment" so nicht funktioniert oder ich etwas verändern möchte. Es ist nicht statisch...

Wenn du keine Steine im Garten magst, dann such dir einfach andere Materialien, die dir eher gefallen. Totholz speichert z.B. auch Wärme...es gibt ausreichend Möglichkeiten...

Aber für ein Magerbeet brauchst du deinen Grundsatz nicht aufzugeben, darin darf auch Essbares wachsen...

Ich hoffe, wir konnten dir hiermit alle einen kleinen " Schubs" geben und deine " Ängste" vereiteln...

" Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde! "

@simbienchen , @erebus , @schimmelhof das habt ihr schön geschrieben. , @marissa , das mit dem Abmagern funktioniert auch viel einfacher. Du brauchst "nur" 2-3cm Kohlensauren Kalk und noch 3-5cm Split 2-5 auftragen. Wenn´s geht auch Kalksplit. Vorher Grasnarbe runter und nicht oder nur wenig einarbeiten. So sieht das dann aus.

Wenn das dann nicht mehr gefällt , kann man einfach alles mit der Fräse einfräsen.

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Da ist noch eine Schieferabdeckung drauf. War ein Kundenauftrag , deshalb auch bepflanzt und nicht eingesäht.

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Vielen Dank an euch alle!

Das mit dem Magerbeet ziehe ich durch. Dort stehen ja grad noch Garagen und ich hoffe, dass die Drainage gegeben ist nach dem Abbruch. Aber es wäre ja blöd, wenn ich dann nicht auch gleichzeitig etwas für die Eidechsen machen würde....Ich komm nicht drumrum: Stein muss sein. Und Sand...

Ich möchte ja auch alle Nützlinge in der Ertragszone haben, also muss ich ihnen etwas bieten. Eine Hand wäscht die andere. "Ideenbuch Nützlingshotels" kam auch gestern bei mir an.

Ich freue mich auf die Vielfalt. Zur Motivation habe ich hier und auf Facebook unzählige Bilder und Berichte von euch. Das macht Mut.

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