Hortus Vitae Paeninsula

Garten und andere Grünflächen auf dem Weg zum Hortus / Hortanen Habitat
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Jana Scherer
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Hortus-Name: Hortus Vitalis am Inn
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Hortus Vitae Paeninsula

Beitrag von Jana Scherer »

Hallo ihr lieben Hortusianer,
nun möchte ich endlich meinen Garten nach 3 Jahren Enstehungszeit als Hortus eintragen lassen. :hurra

Darf ich vorstellen: Hortus Vitae Paeninsula, übersetzt "Der Lebensgarten der Halbinsel"
Ich lebe im wunderschönen Wasserburg am Inn (83512) in Oberbayern, das vom Inn in einer Schleife umflossen wird und dadurch auf einer Halbinsel liegt. Daher auch die Halbinsel im Namen.

Der Garten liegt am Rande der Altstadt, ein kleines grünes Paradies zwischen Wohngebäuden und einer der Hauptverkehrsstraßen und ist nur ca. 50 m2 groß. Eigentlich etwas mehr als doppelt so groß, aber die andere Hälfte gehört meiner Nachbarin und der Teil hinter dem Haus wird gemeinsam genutzt. Dabei sei gleich erwähnt, dass ich die z. B. die Efeuhecke, die auf der Seite der Nachbarin liegt, schon auch als zu meiner Pufferzone zugehörig sehe, zumal sie auch an der Hauswand entlang in meinen Teil des Gartens wächst. Ebenso zähle ich einen großen Ahorn und einen Holunder, die außerhalb des Gartens, aber direkt angrenzend ans Grundstück stehen, mit zur Pufferzone.
Pflanzen, die bei meiner Nachbarin wachsen, gebe ich mit an, da der Übergang eh fließend ist und ich aufgrund von Platzgründen keine Pflanzen setze, die bei ihr schon vorhanden sind.

Nun aber zur genaueren Beschreibung ☺️

Als ich den Garten 2014 übernommen habe, war da eigentlich nichts, was auch nur annähernd mit einem Hortus zu tun hat. Die Vorbesitzerin war eine alte Dame, die schon lange nichts mehr tun konnte aufgrund ihres Alters. Die kläglichen Überreste der Bepflanzung habe ich aufgepäppelt und damals, ohne irgendwelche Gartenkenntnisse, geschweige denn Kenntnisse bezüglich invasiven Neophyten, die Wichtigkeit heimischer Arten usw. fröhlich Pflanzen gepflanzt, die vor 3 Jahren dann sehr schnell wieder von mir entfernt wurden. Da hat mir mein Bruder erstmals vom Hortusprinzip und Markus Gastl erzählt. Er hat mir das Buch vom 3-Zonen-Garten geliehen und was soll ich sagen - das Hortusfieber hat mich gepackt. ☺️

So wurde nach und nach teilweise abgemagert - ich muss heute noch lachen, wenn ich an die fragenden Gesichter meiner Nachbarn denke, als ich um Ziegelschutt gebeten habe, den ich als Drainageschicht verwenden wollte. 🤣 Alles, was ich an Material verwendet habe, habe ich irgendwo "gehortelt". Was ganz schön aufwendig ist/war, weil ich nirgendwo Platz habe, mir Substrat oder Steine anliefern zu lassen. Also alles in Einzelfahrten und in Maurerwannen und -kübeln mit dem Pkw transportiert mit Hilfe von Freunden, weil ich selber keinen Führerschein besitze. 🙈

So habe ich 3 Jahre gewerkelt, gebuddelt, gesammelt, gepflanzt, gelernt, geschwitzt und ja, manchmal auch geflucht. 😄 Und nun habe ich endlich einen Hortus. Die 3 Zonen sind vorhanden, wenn auch aufgrund der kleinen Fläche eher fließend ineinander übergehend bzw integriert.
Pufferzone:
Zur Straße hin stehen ein Holunder und ein riesiger Ahorn, das Grundstück wird von einer Efeuhecke, in der auch Waldrebe wächst, begrenzt. Am gegenüberliegenden Haus habe ich eine Kornelkirsche und eine Schlehe gepflanzt, Kletterrose war schon vorhanden und teilt sich den Rosenbogen mit einer Brombeere und einer Himbeere. Eine Haselnuss habe ich aus Platzgründen im Topf stehen, damit sie nicht so groß wird. Auf der anderen Seite am Zaun steht ein großer Ginkgo, den ich vor Jahren gepflanzt habe, damals unwissend, dass der eigentlich nicht nützlich ist. Er hat sich prächtig entwickelt und darf bleiben - ich liebe sein Laub und er ist inzwischen so groß, dass es ein Jammer wäre, ihn zu fällen. Am Zaun fängt gerade die Clematis an, sich hochzuranken. Außerdem stehen dort eine Felsenbirne (hat sich inzwischen leider als invasive spicata herausgestellt und wird zeitnah durch etwas heimisches ersetzt), ein Pfirsichbaum, der wie durch Zauberhand plötzlich von allein aufgetaucht ist, eine kleine Sauerkirsche und ein Faulbaum. Ein noch vorhandenes Elefantengras wird gerade entfernt, auch hier überlege ich noch, was ich als heimische Alternative dort pflanze. Am Teich steht eine kleine Trauerweide. Rundherum als Unterbepflanzung wachsen u.a. brauner Storchschnabel, Lungenkraut, Aronstab, Wasserdost, Gilbweiderich, Zitronenmelisse, Waldstorchschnabel, Minze, Walderdbeeren, Frühblüher wie Krokus, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen, Märzenbecher, Schneeglöckchen, Winterlinge, Nieswurz, Ruprechtskraut, Wurmfarn und vieles mehr.

Ertragszone:
Die schon in der Pufferzone genannte Kirsche, Pfirsichbaum, Brombeere und Himbeere.
Desweiteren gibt es eine rote Johannisbeere. In die gesamte Bepflanzung des Gartens integriert sind: Zitronenmelisse, Rosmarin, Oregano, Thymian, Brunnenkresse, Bohnenkraut, Fenchel, Zwiebeln, Bärlauch, Schnittlauch, Blutampfer, Ysop, Salbei, Lavendel, Walderdbeeren und Estragon. Vor dem Haus habe ich noch eine Feige im Kübel stehen.

Hotspotzone:
Die Hotspotzone ist, auch aufgrund der Lichtverhältnisse, in magere und nährstoffreichere Bereiche gegliedert. Hier finden sich u.a. Mädesüß groß und klein, Pimpinelle, Steppensalbei, Wiesensalbei, Muskatellersalbei, verschiedene Arten Klee, Spitzwegerich, Zittergras, Wollgras, Johanniskraut, Natternkopf, Zypressenwolfsmilch, Roter Fingerhut, Mannstreu, Wilde Karde, Baldrian, Blutweiderich, Gänseblümchen, Löwenzahn, Waldmeister, Waldziest, Sterndolde, Eisenhut, Bergminze, Kugellauch, Wiesenstorchschnabel, Wegwarte, Knoblauchsrauke, verschiedene Glockenblumenarten, Frühlingsplatterbse, Sonnenhut, akeleiblättrige Wiesenraute, Edelgamander, heimische Goldrute, Bergaster, Sandthymian, Grasnelke, Königsberger, Staudenlein, Barbarakraut, verschiedene Arten Vergissmeinnicht, Schlüsselblume, Brennnessel, Veilchen, Steinbrech, verschiedene Sedumarten, heimische Weisenröschen, Frauenmantel, Moschusmalve, verschiedene Farne, Bachnelkenwurz und noch einiges mehr.

Naturmodule:
Ich habe einen kleinen Naturteich neu angelegt, der an einer Seite von einer Trockensteinmauer aus lose aufeinander gelegten Natursteinplatten begrenzt wird. Außerdem gibt es noch einen kleinen Hochteich (auf dem Boden stehender Maurerkübel) in meinem eher waldig anmutenden Eck links neben dem Rosenbogen, der gern von den Vögeln zum Trinken genutzt wird.
Aus der alten Teichwanne habe ich ein Sumpfbeet gemacht und mit Segge, Sumpfschwertlilie, Bachnelkenwurz, kleinem Baldrian, Sumpfdotterblume, Sumpfblutauge, Blutweiderich und Fieberklee und einigem mehr bepflanzt. Im ganzen Garten gibt es Totholz, entweder als Haufen, oder auch einzeln platziert, sowohl liegend als auch stehend. Auch Steine sind überall im Garten platziert, entweder als Haufen in Kombi mit Totholz und zum kleinen Wall aufgeschichteten alten Grassoden, oder auch einzeln oder in Gruppen platziert, teilweise auch halb eingegraben.
Leider habe ich keinen Platz für eine richtige Blumenwiese, ich habe jetzt mal probehalber eine regionale Samenmischung auf den noch nicht übermäßig bepflanzten Stellen verteilt und schaue, was passiert.
Im sonnigsten Eck (ich habe leider nur bis ca 14 Uhr) Sonne im Garten) gibt es ein neues Insektenhotel, das ich selbst gebaut habe. Es beeinhaltet 4 mit Sand-Lehm-Gemisch befüllte Pflanzringe, die eine Steilwand imitieren sollen, und zwei Kisten mit verschiedenen Nisthilfen (liegende und stehende markhaltige Stängel, Bambusröhrchen, Bienensteine selbst gebastelt, Hartholz mit Bohrungen in verschiedenen Größen). Dort werde ich nach und nach noch geeignetes Material ergänzen. Seitlich davon befinden sich aufgestapelte Wurzeln, die unteren Hohlräume der Wurzeln habe ich mit Laub und Rinde befüllt. Vor dem Insektenhotel ist ein kleiner Magerbereich, dort wächst Natternkopf und Kuhschelle sowie Staudenlein. Ich versuche hier, immer etwas freie Sandfläche zu erhalten und auch unter dem Rosenbogen gibt es freie Bodenfläche, damit die Bodennister nicht zu kurz kommen.

Hinter dem Haus befinden sich noch eine Minibenjeshecke und ein Kompost.
Endlich habe ich auch eine Regentonne erhortelt, diese wird schnellstmöglich installiert. Eine zweite hinter dem Haus ist geplant.

Im Rosenbogen gibt es ganzjährig Futter für die Singvögel, außerdem sind im ganzen Garten Nistkästen verteilt. Letztes Jahr wurde mein Garten als vogelfreundlicher Garten zertifiziert, worauf ich sehr stolz bin. 🥰 Nächstes Ziel ist die Zertifizierung zum Naturgarten 💪☺️

All die Arbeit hat sich schon jetzt so sehr gelohnt, es ist so schön zu sehen, wie immer mehr Leben einzieht. Dieses Jahr brüten sowohl das alteingesessene Amselpaar (schon das zweitemal heuer), als auch die Mönchsgrasmücken direkt bei mir im Garten, die Spatzenbande hat ihren Kindergarten schon eröffnet. Obwohl ich den Teich erst vor einigen Wochen angelegt habe, leben darin schon Molche. 🥰 Es gab hier auch schon Strauchschreckennachwuchs, über diese kleinen Neuankömmlinge habe ich mich besonders gefreut. ❤️ Drei Mäuslein fühlen sich hier pudelwohl, es kommen Rotkehlchen, Star, Buchfinken, Türkentauben, Hausrotschwanz, Stieglitze, Zaunkönig, Amseln, Mönchsgrasmücken, Spatzen und Meisen zum Trinken, Baden und Fressen. Mauerbienen habe ich schon gesichtet, sie finden das Insektenhotel prima. Es fliegt, summt und krabbelt so einiges, nachdem die Gartengestaltung nun größtenteils abgeschlossen ist, geht es nun an die Identifizierung der Insektenwelt. ☺️
Dateianhänge
Magerbereich mit Naturmodul aus Totholz und Steinen, rechts hinten im Bild Teich und Trockensteinmauer
Magerbereich mit Naturmodul aus Totholz und Steinen, rechts hinten im Bild Teich und Trockensteinmauer
Teich mit Trockensteinmauer auf der linken Seite
Teich mit Trockensteinmauer auf der linken Seite
Sumpfbeet
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Insektenhotel und -fläche
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Gartenansicht von oben
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Re: Hortus Vitae Paeninsula

Beitrag von Simbienchen »

Hallo Jana,

herzlich Willkommen in unserem Forum :blumen

Wow, du hast deinen zukünftigen Hortus wirklich sehr liebevoll gestaltet ! :thumb :liebhab Vielen lieben Dank, dass du ihn uns jetzt vorstellst, sieht wunderbar aus... :hut

Ich kann mir die fragenden Gesichter der Nachbarn nahezu vorstellen :D ...und nun guckst du wahrscheinlich in anerkennende und bewundernde Gesichter am Gartenzaun, oder ? Mich interessieren derartige Gartenzaungespräche immer und ich könnte mir gut vorstellen, dass so einige Spaziergänger im Vorbeigehen verwundert stehenbleiben und interessiert betrachten ...

Herzlichen Glückwunsch auch zu der Zertifizierung zum vogelfreundlichen Garten :thumb . Toll !!

Ich würde mich sehr freuen, wenn du uns hier auch daran teilhaben lässt, welche Insekten und andere Besucher du identifizieren kannst. Ist mega spannend, was am Rande der Altstadt auf der Halbinsel alles zu Zeiten des Artensterbens wieder "kreucht und fleucht" , wenn eine kleine Hortus- Oase entsteht. :giessen

Schön, dass du da bist ! Wir freuen uns darauf, mehr von dir zu lesen...
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Re: Hortus Vitae Paeninsula

Beitrag von Ann1981 »

Hallo, Jana,

hast du deinen Garten schon mehrfach in der Facebook-Gruppe gezeigt? Er kommt mir bekannt vor, und die Fülle hat mich dort schon beeindruckt; die Optik/ Ästhetik ebenso.

Ich kann mich Simbienchen nur anschließen: Wir freuen uns, wenn du uns an deinen Insektenfunden teilhaben lässt. Dein Garten ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wieviel man auf kleinen Flächen erreichen kann/ könnte. Vielleicht magst du in unseren Insektenportraits stöbern und auch das eine oder andere dazustellen.

Auf freudigen Austausch!
Ann
"Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit." (Wolle Goethe)
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