Hotspot Pufferzone

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Dorfgaertner
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Hotspot Pufferzone

Beitrag von Dorfgaertner »

Moin moin,

kürzlich habe ich dieses Video von ReNature gesehen, nachdem @Ann1981 ein anderes Video aus der Reihe mit Witt hier vorgestellt hatte:



Im Kern wird da für die Wichtigkeit von Bäumen und Gehölzen argumentiert und darauf hingewiesen, daß die "echte" biologische Vielfalt dort bei den Gehölzen stattfindet, und zahlenmäßig vergleichsweise viel weniger an Stauden & Co. Das ist jetzt zwar grundsätzlich nichts neues, z.B. auf der bekannten Schmetterlings-Hitliste von FloraWeb ist in den Top-10 mit dem Ampfer auf Platz 9 nur eine einzige krautige Pflanze vertreten.

Aber das noch mal so zugespitzt wie im Video zu hören, hat mich zum Nachdenken gebracht. Zwar haben wir die Pufferzone, aber so von Marketing- und Image-Gesichtspunkten für die Pufferzone her gedacht, ist das kein guter Name ;) Eigentlich müsste das "Gehölz-Hotspotzone" oder so heißen :D

Nicht, daß ich jetzt denken würde, daß das jemals umgesetzt werden würde – aber so in die Luft gesponnen würde das meiner Meinung nach dazu beitragen, die Begeisterung für heimische Gehölze zu vergrößern. Ich war kürzlich wieder mal im Baumarkt, und da gab es in der Gehölzabteilung wirklich genau Null heimische Optionen. Von Blasenspiere bis Zierquitte gab es alles mögliche, aber nicht mal eine Eibe war vertreten. Das einzige quasi heimische Gehölz war der "gefüllte" Schneeball. Da können wenigstens Raupen die Blätter fressen, aber das wars.

Das ist vor allem deshalb so interessant, weil quasi gegenüber bei den Stauden schon seit Jahren eine "insektenfreundliche" Abteilung nicht geringer Größe vorhanden ist. Da sind dann zwar auch Sachen wie Echinacea oder Indianernessel vertreten, aber auch eine Reihe heimischer Stauden. Das öffentliche Bewußtsein "Ich will/sollte/muß was für Insekten tun" ist also irgendwie (noch) nicht ganz bei den Gehölzen angekommen, obwohl die ja nun enorm wichtig sind. Zwar hat sich inzwischen rumgesprochen, daß Forsythie, Thuja und Kirschlorbeer eigentlich schlecht sind (obwohl das an den Verkaufszahlen kaum etwas zu ändern scheint). Aber selbst wenn man sich dann Blasenspiere und Zierquitte statt Forsythie und Thuja pflanzt, hat man vielleicht mehr Nektar- und Pollensammlern geholfen, aber wirklich gewonnen hat man damit trotzdem nichts...

Dabei gibt es total viele schöne heimische Gehölze, und selbst wenn man nur auf Arten ohne Ausläufer setzt, wäre die Auswahl immer noch sehr groß. Insofern wundert es mich eigentlich auch ein bißchen, daß die im konventionellen Handel kaum zu bekommen sind. Ich muß jetzt auch Teile der geplanten Wildhecke online bestellen, weil die nicht mal in der örtlichen Baumschule zu bekommen sind, geschweige denn in den Gartenabteilungen der Baumärkte. Schade eigentlich.
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tree12
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von tree12 »

Deine Gedanken ähneln den meinen, die ich während und nach der Lektüre des neuen Gehölzbuches von Witt und Kaltofen hatte.... die ökologische Bedeutung vieler heimischer Gehölze ist enorm. Ganz vorne mit spielen Salweide und Weißdorn. Aber auch viele andere Bäume und Sträucher sind Heimat, Futterstelle, Überwintersquartier von unzähligen Organismen. Die Zahlen, die man zu lesen bekommt, sind manchmal fast unglaublich.

Wir wissen noch viel zu wenig darüber.

Bei den Gartencentern müßte man - unter Nennung der botanischen Namen - permanent nachfragen, ob sie einem einen Holunder, einen Schneeball, eine Pimpernuß, eine Wildbirne etc. besorgen können. Die haben leider den Fokus noch gar nicht auf den Nicht-Standard-Gehölzen. Nach Kirschlorbeer, Spiere oder asiatischem Wacholder muß man dagegen nicht fragen, die stehen einfach zu Hauf dort herum.

Und auf der kommunalen Ebene orientiert man sich leider viel zu sehr an den Empfehlungen der gängigen "Experten", für die die Gehölze für den urbanen Raum einfach nur salztolerant, hitzeverträglich und "bienenfreundlich" sein müssen. Außer der Honigbiene scheint es für die Verantwortlichen keine Insekten zu geben....

Liebe User, pflanzt noch schnell den einen oder anderen Strauch oder plant für den Herbst. :dafuer :buch
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Amarille
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Amarille »

Heimischen Gehölze aller Art bekommt man, wenn es auch 1-2 jährige sein dürften, für geringes Geld bei Forstpflanzen.de. Dauert halt, bis zur dichten Hecke, 1-3 Jahre länger. Die Qualität ist sehr gut
Ich bin aus der Zeit gefallen... :ka
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Poco Loco »

@Dorfgaertner
Könnte ein möglicher Grund sein, dass Stauden kleiner sind, weniger gut angehen oder schneller kaputt gehen als Sträucher und damit einfach profitabler sind? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Viele Grüße
Poco Loco
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tree12
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von tree12 »

Die Nachfrage nach netten Blümchen ist natürlich viel höher als die Nachfrage nach Gehölzen (Obstbäume vielleicht ausgenommen). Schließlich müssen die zahllosen Töpfe und Balkonkästen der Kunden jede Saison von neuem mit Primeln aus dem Baumarkt und anderen bunten Blumen ausgestattet werden. Es gibt sogar Personen, die ihre fast verblühten Narzissen samt Zwiebel wieder ausstechen und in den Müll werfen. Die welken Blätter sind halt nicht mehr "schön".

Der Nachhaltigkeitsgedanke hat hier leider noch nicht eingesetzt. Für viele gehört es einfach zum Saisonstart dazu, in das nächstbeste Gartencenter zu fahren und kistenweise "Müll von morgen" einzukaufen und daheim in die Erde zu stecken.

Und ja, ich finde auch, die Bezeichnung "Pufferzone" ist nicht weitreichend genug. Aber man wußte auch lange Zeit nicht, wie wertvoll die heimische Gehölze tatsächlich sind. Die intensiven Forschungen von Naturgarten haben jetzt dazu beigetragen, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Das Video und auch das Buch sollten von viel mehr Leuten angesehen bzw. gelesen werden. Auch damit endlich begonnen wird, Kirschlorbeer, Bambus, Thuja und Forsysthie aus den Gärten rauszuwerfen und durch etwas Sinnvolles zu ersetzen.
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Dorfgaertner »

Poco Loco hat geschrieben: Di 3. Mär 2026, 21:12 @Dorfgaertner
Könnte ein möglicher Grund sein, dass Stauden kleiner sind, weniger gut angehen oder schneller kaputt gehen als Sträucher und damit einfach profitabler sind? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Explizit inklusive "Ein Schelm..." würde ich dir zustimmen ;) Vor allem, wenn man halt trotzdem mit seiner Indianernessel durchkommt und dabei sogar "bienenfreundlich" draufkleben darf.

Gleichzeitig sind aber sowas wie Weißdorn- oder Kreuzdorn-Hecken früher jedenfalls gar nicht so selten gewesen. Das waren eigentlich die 08/15-Standardhecken, zusammen mit Liguster und Berberitze. Das hat doch praktisch Jahrhunderte lang funktioniert. Weißdorn war früher mal die Heckenpflanze der Wahl, wenn man eine (Stadt-)Villa besaß, die standesgemäß umheckt werden sollte. Will sagen: es ist ja nicht so, als ob schon immer Exoten-Gehölze das non plus ultra waren. Auch heimische Gehölze hatten mal "aristokratischen" Stellenwert. Aber jetzt scheint der heimische Busch kaum besser als der herrenlose Hund daherzukommen...
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Ann1981 »

Stauden haben ganz sicher eine höhere Umsatzgeschwindigkeit gegenüber Gehölzen. Für letztere braucht man auch mehr Platz. Gärtnereien wirtschaften ja nicht im selbstlosen Raum. Ich denke, dass viele Menschen ohne ökonomische Notwendigkeiten gern anders handeln würden.

Zurück zum Ausgangsgedanken: mehr Werbung für Pflanzen mit für Insekten essbaren Blättern
Da müssten wir auch Gräßer und Farne mit aufnehmen.
Statt immer nur von "Pufferzone" zu sprechen und deren Abschirmungsfunktion zu betonen, könnten wir fürderhin vom "Lebensraum Pufferzone" oder "Lebensraum Gehölz(streifen)" sprechen. Ich finde, dass es dem Image der Pflanzen nicht gut tut, sie auf ihren Nutzen für unsere soziale Isolation zu reduzieren.
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Dorfgaertner »

Ann1981 hat geschrieben: Mi 4. Mär 2026, 13:54Ich finde, dass es dem Image der Pflanzen nicht gut tut, sie auf ihren Nutzen für unsere soziale Isolation zu reduzieren.
Aber... aber... Sichtschutz! :D Ja, soziale Isolation ist quasi unausgesprochen das Kaufargument für Kirschlorbeer & Co. Die Pufferzone des Hortus würde ich jetzt nicht im Kern als Isolation verstehen, aber wenn ich mich richtig erinnere, hat Markus Gastl das durchaus auch mal in diese Richtung gehend beschrieben. Dabei ist das ein so toller Lebensraum, für den man richtig Begeisterung wecken könnte, und der auch als "eigenes Zugpferd" funktionieren könnte. Grundsätzlich kann ich natürlich den Impuls, sich die Außenwelt vom Leib halten zu wollen, gut nachvollziehen – und es gibt auch Situationen, wo eine dauerhaft blickdichte Hecke wirklich wünschenswert ist.

In den meisten Fällen braucht man aber insbesondere im Winter eigentlich keinen 100% Sichtschutz, weil man ohnehin kaum im Garten ist. Und wer keine Sanua mit Eispool und finnischen Birkenzweigen zum Auspeitschen im Garten stehen hat, dessen Outdoor-Leben ist im Winter meist nicht so interessant, daß da Leute stehenbleiben würden und gucken :lol

Trotzdem will die Mehrheit Sichtschutz (die Einbrecher freuts, weil sie so in aller Seelenruhe die Terrassentür aufknacken können...) und "wir" (als Gesellschaft) verpassen eine 1A-Chance, mit heimischen Hecken sozusagen kilometerlange Öko-Hotspots zu machen. Zum Wert der Hecke im Landwirtschaftskontext gibt es einen interessanten Artikel, der mal anläßlich eines Agrar-Heckenförderprogramms aus MeckPomm entstand: https://www.riffreporter.de/de/umwelt/n ... inisterium

Es ist ja so, daß die Hecken häufig (natürlich nicht in allen Gärten, aber gefühlt jedenfalls in der Mehrheit) "ohnehin" da sind – ob ich ein Blumenbeet anlege oder nicht, ist also eine andere Entscheidung, als die Frage, ob ich eine Hecke pflanzen möchte oder nicht. Selbst ein Graswüstengarten wäre aber mit Weißdorn kein ökologischer Totalausfall mehr, mit Thuja aber schon. Eigentlich sind Hecken die perfekten Werbeträger für Naturschutz für Faule :) "Sie wollen sich nicht um Beete kümmern und einfach einen pflegeleichten Rasen für Ihren Grillplatz? Aber Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie seit Jahren keinen Schmetterling mehr im Garten gesehen haben und Ihr SUV stinkt? Pflanzen Sie heimische Hecken! Mit diesem einfach Trick... usw." :D
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Alma
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Alma »

Danke @Dorfgaertner für deine Gedanken.
Tatsächlich wäre eine Image-Verbesserung der Pufferzone gut und wünschenswert.
Wir hier wissen (hoffentlich!) alle um den hohen ökologischen Nutzen der deutlich über die Abgrenzung zu intensiver Landwirtschaft hinausgeht
Sie ist einfach nicht so fotogen. Es wird lieber das bunte Blümchen mit der Biene gepostet.
Für eine Staude ist immer irgendwo Platz und bei Bedarf kann sie auch mal schnell umgepflanzt werden. Bei einem Strauch muss man länger und besser planen und mehr Platz haben.

Tatsächlich sind einheimische Sträucher leider gerade nicht mehr angesagt - aus welchem Grund auch immer.
Vor ein paar Jahren hat meine Baumschule aufgrund der hohen Nachfrage ziemlich viele einheimische Sträucher ins Sortiment genommen - aber laut deren Aussage sind das mittlerweile wieder Ladenhüter - oder der 'daher gelaufene Hund'. Allein die Felsenbirne verkauft sich nach wie vor gut.
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Somnia
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Re: Hotspot Pufferzone

Beitrag von Somnia »

Ich finde die Beeren des Weißdorn und der Eibe sehr dekorativ.

Eibe wär ja auch Wintergrün, und das langsame Wachstum plus der Ausschlag aus dem alten Holz sollte ja eigentlich ein Argument dafür sein- pflegeleicht und so. Aber irgendwie scheint das Etikett giftig zu stark zu sein, während sich bei Thuja und Kirschlorbeer kein Mensch um Giftigkeit kümmert.

Und auch der ömmelige Liguster hat schöne Blüten und Beeren, wenn man es mal schafft, nicht 2mal im Jahr eine akkurate Kastenform zu stutzen, sondern den Neuaustrieb stehen zu lassen.

Mein Favorit für die Herbstfärbung ist die Hainbuche, und durch das wenn auch braune Laub, das im Winter hängen bleibt, hätte man auch einen gewissen Wintersichtschutz.
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