Hortus Serenitatis

Raddetal
Beiträge: 12
Registriert: Fr 23. Jun 2023, 10:58
Wohnort: Westerstede
Hortus-Name: Hortus Serenitatis
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Raddetal »

Ich möchte unsere igelrelevanten Strukturen des Hortus Serenitatis anhand von Fotos vorstellen und erläutere jeweils kurz ihre Funktion.
Der Ansatz ist dabei das Zusammenspiel der vorhandenen Strukturen als funktionierender Lebensraum aus Nahrung, Deckung, Wasser und Rückzugsräumen.

Gezeigt werden u. a.:
  • Benjeshecken und Wallhecken als zentrale Rückzugs- und Wanderstrukturen -
    darunter gezielt eingebrachte Hohlräume aus Klinkern als trockene Dauerquartiere
    Totholz, Ast- und Laubhaufen sowie Altgrasbereiche
    Bild
    → dienen als Verstecke, Tagesruheplätze und potenzielle Nistbereiche
  • Findlings- und Steinhaufen
    Bild
    → bieten zusätzliche Versteckmöglichkeiten und Lebensraum für Beutetiere
  • Streuobstwiese, Heidebereiche und Übergangszonen
    Bild
    → bilden die Hauptbereiche für die Nahrungssuche durch hohe Insektendichte
  • ein „Möörchen“ (kleine Feuchtsenke mit hochmoorartiger Vegetation)
    Bild
    → ergänzt das System um feuchte Jagdbereiche (z. B. Würmer und andere Bodenorganismen)
  • mit Wasserstellen (Teichschale mit gesicherter Böschung, versenkter Kübel mit Steinen und Belüftung)
    Bild
    → ermöglichen gefahrloses Trinken
  • Kompost- und Zersetzungsbereiche (v. a. in der Benjeshecke)
    → fördern Bodenorganismen als Nahrungsgrundlage
  • Laub- und Mulchbereiche
    → stellen dauerhaft Nestmaterial bereit
Da das Grundstück derzeit nicht eingezäunt ist, ist die Durchgängigkeit vollständig gegeben. Igel können den Garten frei nutzen und in die umliegenden Strukturen ausweichen.
Pflegemaßnahmen (v. a. Mahd mit der Handsense, punktueller Einsatz des Freischneiders nach vorheriger Sichtkontrolle und außerhalb dichter Strukturen) werden so durchgeführt, dass Rückzugsräume erhalten bleiben und direkte Gefährdungen minimiert werden.
Langfristig soll der Garten abschnittsweise beweidet werden.
Eine Zufütterung findet bewusst nicht statt – die Funktion des Gartens basiert auf einer stabilen, natürlichen Nahrungsgrundlage. Im Hortus Serenitatis steht dem Igel ganzjährig ein breites Nahrungsangebot zur Verfügung. Besonders durch die hohe Dichte an Raupen sowie eine vielfältige Käfer- und Bodenfauna (u. a. Asseln und Schnecken) entsteht eine stabile, natürliche Nahrungsgrundlage. Diese ergibt sich aus der Strukturvielfalt und den funktionierenden ökologischen Prozessen im Garten.

Letzter Stand:
  • 43 Brutvogelarten (Brutnachweis, Brutverdacht und Brutzeitfeststellung)
  • 23 Tagfalterarten
  • 70 Nachtfalterarten
  • 52 Hautflüglerarten
  • 79 Zweiflüglerarten
  • 81 Käferarten
  • 30 Wanzen/Zikaden
Zuletzt geändert von Raddetal am Di 9. Jun 2026, 15:23, insgesamt 4-mal geändert.
Benutzeravatar
Ann1981
Beiträge: 1611
Registriert: Do 20. Jan 2022, 10:12
Hat sich bedankt: 576 Mal
Danksagung erhalten: 1276 Mal

Hortus-Netzwerk Unterstützer

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Ann1981 »

Danke für die Auflistung. Ich fand schon einen (toten) Igel in unserem Kleingarten, aber noch nicht viel Zeit mich näher mit ihren Bedürfnissen und förderlichen Strukturen zu beschäftigen. Dein Crashkurs kommt mir zur Inspiration sehr gelegen.
"Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit." (Wolle Goethe)
Raddetal
Beiträge: 12
Registriert: Fr 23. Jun 2023, 10:58
Wohnort: Westerstede
Hortus-Name: Hortus Serenitatis
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Raddetal »

Moin,
dann empfehle ich mal diesen Post:
https://hortus-netzwerk.de/beantragung- ... er-garten/
bzw: viewtopic.php?t=561
Liebe GRüße
Anika
Benutzeravatar
Simbienchen
Beiträge: 2365
Registriert: Mi 20. Feb 2019, 11:41
Hat sich bedankt: 3345 Mal
Danksagung erhalten: 2199 Mal

Hortus-Netzwerk Unterstützer

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Simbienchen »

Hallo Anika,

euer Hortus bietet ein wunderbares Igelhabitat, vielen lieben Dank für die Vorstellung und Fotos eurer igeltauglichen Strukturen,deren Erläuterungen und Anmeldung zur Zertifizierung. Perfekt vorgestellt :hut Das erleichtert uns die Überprüfung immens. :thumb Um uns noch weiter vergewissern zu können, würdest du uns sehr helfen, wenn du uns etwas mehr über die Pflanzenzusammenstellung eurer Staudenbeete in Hinblick auf die heimische Arten erzählen könntest. In deiner Aufzählung fand ich nur die klassischen Pflanzen aus Bauerngärten (Phlox, Astern, Anemonen,...), hat sich da in der Zwischenzeit etwas verändert in der Pflanzenzusammenstellung?
Gerne dazu auch noch ein paar Fotos und auch allgemein gerne mehr von eurem tollen Garten, z.B. den Wallhecken, Spurplatten- Turm...denn leider funktioniert der Instagram - Link nicht. Wir sind natürlich auch immer an der Weiterentwicklung seit der Anmeldung zum Hortus 2023 interessiert.

Ebenso wichtig ist es für uns zu erfragen, wie sich - trotz der Größe eures Hortus- das Umfeld, die Nachbarschaft ( in Bezug auf Gifteinsatz, Mähroboter, Freischneidereinsatz etc...) gestaltet.

Toll und bewundernswert ist eure Dokumentation/ Erfassung der vielen verschiedenen Arten, da habt ihr euch wirklich viel Mühe gemacht! Eine derartige Dokumentation ist für zukünftige Beobachtungen immens wichtig. Nur so fällt auf, ob Arten verschwinden oder ob neue einwandern. Sehr spannend!

Jetzt freuen wir uns auf weitere Impressionen von euch... :bravo
"Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde!"
Benutzeravatar
Alma
Beiträge: 1689
Registriert: Mi 2. Okt 2019, 14:56
Hat sich bedankt: 847 Mal
Danksagung erhalten: 1667 Mal

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Alma »

Alles so toll euer Hortus!
Wirklich großes Kompliment!
Was mich echt interessiert - was ist denn ein Spurplattenturm?
ich kanns mir irgendwie vorstellen, aber ein Foto oder eine Beschreibung würde mich freuen.
liebe Grüße zu euch und weiter so!!
Raddetal
Beiträge: 12
Registriert: Fr 23. Jun 2023, 10:58
Wohnort: Westerstede
Hortus-Name: Hortus Serenitatis
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Raddetal »

Simbienchen hat geschrieben: Di 9. Jun 2026, 16:44 Hallo Anika,

euer Hortus bietet ein wunderbares Igelhabitat, vielen lieben Dank für die Vorstellung und Fotos eurer igeltauglichen Strukturen,deren Erläuterungen und Anmeldung zur Zertifizierung. Perfekt vorgestellt :hut Das erleichtert uns die Überprüfung immens. :thumb Um uns noch weiter vergewissern zu können, würdest du uns sehr helfen, wenn du uns etwas mehr über die Pflanzenzusammenstellung eurer Staudenbeete in Hinblick auf die heimische Arten erzählen könntest. In deiner Aufzählung fand ich nur die klassischen Pflanzen aus Bauerngärten (Phlox, Astern, Anemonen,...), hat sich da in der Zwischenzeit etwas verändert in der Pflanzenzusammenstellung?
--> Nun, in den Staudenbeeten stehen "Oma"-Stauden, meist keine Neuzüchtungen. Jakobsleiter, Fingerhut, Storchenschnabel in allen möglichen Sorten. Entscheidend ist für uns inzwischen: Ohne ein ausreichendes Angebot an heimischen bzw. ökologisch wirksamen Pflanzen lässt sich die beobachtete Insektenvielfalt nicht erklären. Das sehen wir sehr deutlich in unserer Artenentwicklung seit 2018. ;-)

Gerne dazu auch noch ein paar Fotos und auch allgemein gerne mehr von eurem tollen Garten, z.B. den Wallhecken, Spurplatten- Turm...denn leider funktioniert der Instagram - Link nicht. Wir sind natürlich auch immer an der Weiterentwicklung seit der Anmeldung zum Hortus 2023 interessiert.
--> oh, Instagram ist tot (muss ich nochmal ändern), weil es dort inzwischen Sicherheitsprobleme gibt, wie ich schmerzlich erfahren musste. ich kann da nochmal auf meinen Blog verweisen: https://www.raddetal.de/wissenswertes/h ... renitatis/

Ebenso wichtig ist es für uns zu erfragen, wie sich - trotz der Größe eures Hortus- das Umfeld, die Nachbarschaft ( in Bezug auf Gifteinsatz, Mähroboter, Freischneidereinsatz etc...) gestaltet.
--> Zum Umfeld: Wir liegen im klassischen Außenbereich zwischen Maisacker und intensiv genutztem Grünland. Direkt angrenzend gibt es aber auch eine verbuschte bzw. extensiver genutzte Wiese, die immerhin erst im Juli gemäht wird (auch wenn das für viele Arten suboptimal ist). Auf die Bewirtschaftung der umliegenden Flächen haben wir leider keinen Einfluss. Umso spannender ist für uns zu beobachten, dass unser Garten trotzdem als Rückzugs und Nahrungsraum genutzt wird – auch von Arten, die im Umland nur noch eingeschränkt geeignete Bedingungen finden.


Toll und bewundernswert ist eure Dokumentation/ Erfassung der vielen verschiedenen Arten, da habt ihr euch wirklich viel Mühe gemacht! Eine derartige Dokumentation ist für zukünftige Beobachtungen immens wichtig. Nur so fällt auf, ob Arten verschwinden oder ob neue einwandern. Sehr spannend!
--> Die Entwicklung der Arten ist tatsächlich das Spannendste an dem ganzen Projekt:
Ausgangspunkt war 2018 eine klassische „grüne Wüste“. Seit etwa 2023 sehen wir einen deutlichen Entwicklungsschub:
Nicht nur mehr Arten, sondern vor allem zunehmend spezialisierte Arten (z. B. Wildbienen, parasitische Arten und strukturgebundene Insekten).
Einige Highlights aus den letzten Jahren:
  • Erstnachweis Moorfrosch (2026) nach Anlage des Feuchtbereichs („Möörchen“)
  • deutliche Zunahme von Wildbienen (z. B. Mauerbienen, Sandbienen) und Hummeln
  • Nachweise parasitischer Arten (z. B. Kuckuckshummeln, Schmuckbienen, Raupenfliegen), die auf stabile Wirtspopulationen angewiesen sind
  • Auftreten von Totholz- und Rohbodenarten (z. B. Käfer und spezialisierte Bienen)
  • kontinuierliche Zunahme blütenbesuchender Schwebfliegen und Schmetterlinge


Auch für Igel besonders relevant sind die Entwicklungen im Boden- und Nahrungsbereich:
  • hohe Dichte an Laufkäfern und Insektenlarven (wichtige Igelnahrung)
  • regelmäßige Nachweise von Aaskäfern und Asseln als Destruenten
  • stabile Kleintiergemeinschaften (z. B. Schnecken, Käfer, Bodenfauna)
  • strukturreiche Bereiche mit Totholz, Laub und Saumvegetation als Versteck- und Überwinterungsplätze


Einen besonders sichtbaren Effekt hatte die Entfernung weiterer Kirschlorbeerbestände und die Anlage eines kleinen Feuchtbereichs („Möörchen“). Dadurch sind zusätzliche Lebensräume entstanden, die sehr schnell besiedelt wurden.
Was sich aus der systematischen Erfassung klar ableiten lässt: Es kommen nicht nur mehr Arten – das System wird insgesamt komplexer und stabiler.
Vor allem nimmt die Zahl der Wechselwirkungen zu: Es treten inzwischen nicht nur Pflanzen und ihre Bestäuber auf, sondern auch deren Gegenspieler und Parasiten.
Das war in den ersten Jahren noch völlig anders.
Das Ganze dokumentiere ich auf Observation.org.


Jetzt freuen wir uns auf weitere Impressionen von euch... :bravo
Dann werde ich mal Fotos machen.
Benutzeravatar
Simbienchen
Beiträge: 2365
Registriert: Mi 20. Feb 2019, 11:41
Hat sich bedankt: 3345 Mal
Danksagung erhalten: 2199 Mal

Hortus-Netzwerk Unterstützer

Re: Hortus Serenitatis

Beitrag von Simbienchen »

Vielen lieben Dank....
Um uns noch weiter vergewissern zu können, würdest du uns sehr helfen, wenn du uns etwas mehr über die Pflanzenzusammenstellung eurer Staudenbeete in Hinblick auf die heimische Arten erzählen könntest. In deiner Aufzählung fand ich nur die klassischen Pflanzen aus Bauerngärten (Phlox, Astern, Anemonen,...), hat sich da in der Zwischenzeit etwas verändert in der Pflanzenzusammenstellung?
--> Nun, in den Staudenbeeten stehen "Oma"-Stauden, meist keine Neuzüchtungen. Jakobsleiter, Fingerhut, Storchenschnabel in allen möglichen Sorten. Entscheidend ist für uns inzwischen: Ohne ein ausreichendes Angebot an heimischen bzw. ökologisch wirksamen Pflanzen lässt sich die beobachtete Insektenvielfalt nicht erklären. Das sehen wir sehr deutlich in unserer Artenentwicklung seit 2018. ;-)
Genau,"..ohne ein ausreichendes Angebot an heimischen Pflanzen..."! Ich muss hier allerdings doch nochmal ein bisschen nachhaken, entschuldige meine Hartnäckigkeit..., aber wir alle agieren hier mit der Eintragung des Gartens als Hortus auch im Hortussinne, die Vielfalt von heimischen Pflanzen dauerhaft zu erhöhen und zu erhalten. Dazu gehören auch die Zier- und Staudenbeete. Hier jetzt ganz im Speziellen bei der Beantragung zur Auszeichnung zum Igelfreundlichen Garten geht es mir z.B um die Raupenfutterpflanzen, dessen spezialisierten Insekten natürliche Nahrungstiere der Igel sind. Storchschnabelarten sind da natürlich geeignet, aber sind da auch die heimischen dabei?
Dann werde ich mal Fotos machen.
Prima! Darauf freuen wir uns sehr ! ... :thumb
"Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann -tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde!"
Antworten

Zurück zu „Eingetragener Hortus - Mein Hortus und ich!“