Es war einmal wieder ein spannender und arbeitsreicher Gartentag.... arbeitsreich deswegen, weil unser Unterstand fürs Ofenholz Schieflage bekommen hat und ein Teil zusammengebrochen ist. Der Unterstand, der damals eher provisorisch angelegt wurde, hat echt lange gehalten. Die Rückwand war einmal der Holzfußboden der alten Küche der Vorbesitzerin unseres Hauses.
Wir sind also derzeit dabei, das Holz umzuräumen, damit mein Mann irgendwann einen neuen Unterstand bauen kann, diesmal aber etwas wirklich Stabiles für die Ewigkeit. Während wir ausräumten, die Schubkarre immer wieder beluden und das Holz neu stapelten, hatte ich zwischendurch Zeit, die Tierwelt in der wilden Ecke zu bewundern. Über mir fütterten die Stare unentwegt ihren Nachwuchs und es war entsprechend laut und schön. Ein wenig höher waren die Kleiber an ihrem Kasten zugange, wahrscheinlich wird dort noch nicht gefüttert, aber bewacht, geguckt, auf dem Kasten gesessen und gelegentlich gemeckert.
Immer wieder wanderte mein Blick rüber zum Hummelkasten, wo ich diese Saison noch keine Regung bemerkt hatte...doch nun sind sie da, wohl schon etwas länger, denn es fliegen bereits Arbeiterinnen raus und rein. Toll! Morgen abend werde ich den Haupteingang dichtmachen, damit sie lernen, den Seiteneingang zu benutzen. Ich glaube, auch wenn ich das mit der Wachsmottenklappe und dem Training für die Hummeln zeitlich nicht hinkriege, ist es für das Volk trotzdem etwas sicherer, wenn der größere und problemlos anfliegbare Haupteingang nicht mehr existiert. Heute guckte z. B. ganz kurz auch eine Hornissenkönigin am Haupteingang vorbei. Ich freue mich über das Volk und werde natürlich versuchen, die Hummelart zu bestimmen. Was ich echt genial finde, ist die Tatsache, daß die Hummeln den Eingang in meinem Fall "einfach so" finden, ohne daß ich eine Rampe gebaut hätte. Ich hatte in den Seiteneingang jedoch wieder ein paar Blätter aus einem Mauseloch hingesteckt. Wahrscheinlich riecht der Kasten so lecker nach Maus, Steinhummelkönigin und den kleinen Wespen vom Vorjahr, daß eine neue Königin gar nicht widerstehen kann.
Schräg hinter dem Hummelkasten steht unsere riesige Salweide. Direkt am Boden wächst sie aus einem einzigen Stamm empor, der sich jedoch in ca. 80 cm Höhe in fünf oder sechs Stämme aufteilt. Dort sah ich plötzlich ein Eichhörnchen, das mich irgendwie schläfrig anguckte. Nicht einmal, als ich es ansprach, reagierte es. Also wollte ich nachsehen gehen, ob es vielleicht krank oder verletzt aussieht. Ich muß dazu einen kleinen Umweg nehmen und als ich bei der Salweide ankam, war das Hörnchen geflohen, aber was ich zu sehen bekam, war allerliebst: Das Hörnchen hat sich in der Kuhle, wo sich die Stämme aufteilen, ein weiches Bettchen zum Ausruhen gebaut bzw. es so vorgefunden und sicherlich noch Material eingetragen. Die Salweide ist weiblich und ihre flauschigen Samenstände haben die Kuhle in ein behagliches Nest verwandelt. Das Hörnchen kann sich hineinlegen und ist vor Blicken gut geschützt.
Allerdings sah ich das Hörnchen kurze Zeit später erneut in der Nähe der Kuhle, es könnte sich um ein Tierchen handeln, das mir schon öfter aufgefallen ist. Das Fell sieht an manchen Stellen merkwürdig überpudert aus und ich vermute Milben als Ursache. Möglicherweise ist es nicht ganz vital und hat deswegen erst einmal nicht reagiert. Wenn es in der Salweide sein Krankenbett eingerichtet hat, ist das sicher sehr kuschelig und Futter und Wasser sind nicht weit. Allerdings ist in Hörnchen, das sich nur 80 cm über dem Boden befindet, nicht wirklich sicher vor Beutegreifern. Nunja, machen kann ich eh nix, außer drauf zu achten, daß immer Nüsse, Karotten und Wasser am Stamm des Kirschbaumes bereitstehen.
Aber das flauschige Bettchen aus den weißen Samenständen erinnert an ein Daunenbettchen einer kleinen Prinzessin, so niedlich!
