genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

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Ann1981
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genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Ann1981 »

Berthold Daubner im Gespräch mit Reinhard Witt zum Thema genetische Vielfalt, heimische Pflanzen sowie ihrer Kartierung (z.B. bei FloraWeb).

Im Biounterricht lernte ich, dass Gene die Anlagen zur Ausbildung von Möglichkeiten sind. Je nach Lebensbedingungen eines Geschöpfes werden manche Gene aktiviert, manche "stumm geschaltet". Das sind Standortanpassungen, die man sich zu nutze macht, wenn man vom eigenen Gemüse Saatgut gewinnt. Das kann andererseits zu Ausprägungen führen, die bei sich schnell verändernden Umweltbedingungen nicht mehr tragfähig sind. Durch den Import anderen Genmaterials (Pflanzen der gleichen Art) kann das wieder ausgeglichen werden.

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Umkraut
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Re: genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Umkraut »

Irgendwie befremdlich bis kurz vor Ende, vorher scheint vieles durcheinandergewürfelt zu werden. Das Gespräch sollte lieber nochmal mit zusätzlich anwesenden Leuten vom Fach wiederholt werden, schließlich gibt es wirklich sehr wichtige Kritik an den UrsprungsGebieten & den Regeln bzw. der praktischen Folgen der aktuellen Umsetzung - aber doch nicht so wirr.

Zusammenhänge, die da genannt werden, kann ich teils zumindest nicht nachvollziehen... Floraweb zeigt Kartierungsdaten ganzer Arten(Gruppen), was hat das mit den (doch eher geografisch/kleinklimatisch bedingten) UrsprungsGebieten einzelner angenommener Sippen zu tun? Das ist eine andere Karte sowie eine andere Ebene. Und was hat irgendetwas davon mit Privatgärten zu tun außer eine grobe Orientierung zum Erfolgsquotienten zu bieten?
Bei 'einheimisch = mitteleuropäisch' bin ich im Gartenkontext voll bei ihm, in der freien Landschafts wäre es stellenweise interessant aber extrem verschwenderisch. Da ist Klima und Boden nämlich in Teilen wirklich unterschiedlich genug. Bodensee, Harz Vorland und Nordöstliche Tiefebene sind definitiv andere Hausnummern was Wuchsstärke von Arten und wahrscheinlich auch Sippen anbelangt.
Beim Beispiel Wiese säen geht's wohl um nicht gewährte Fördergelder / Artenfilter Probleme? Das ist nachvollziehbar ein Ärgernis.

Wenn man nachhaltige Etablierung in der freien Landschaft möchte, scheint es mir logisch, möglichst die Populationen zu nehmen, die an die Gegebenheiten bestmöglichst angepasst sind. Ich finde es eigentlich auch gut, dass endlich die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, wenn auch nur minimalst und auf gut Glück, ein klein wenig mitberücksichtigt wird. Aber wo Perfektionismus hinderlich wird ist sein Zwiebelschal Modell ein guter Kompromiss.

Aber wie schon im Video gesagt, kommt eben ganz drauf an, was man möchte. Wenn Pflanzen nur Mittel zum Zweck 'Masse Wildbiene, Falter und Käfer' sind, ist es schon zu kompliziert gedacht, wenn man den Biodiversitätsbegriff auch unter der Art-Ebene ernst nimmt und die genetische Vielfalt innerhalb einer Pflanzenart um ihrer selbst Willen (und eventuelle, extrem eng angebundene Organismen), dann noch viel zu einfach. Bin ja selbst auch in der 'Hauptsache LieblingsTierchen' Fraktion.

Per Definition schließt Biodiversität jedoch nun mal genetische Diversität sowie auch Pflanzen um ihrer selbst Willen ein :ka Wäre mal interessiert daran, wie er/ihr andersherum im großen Stil vermehrte und verschickte Wildbienen oder Schmetterlinge seht bzw. sehen würdet, wenn's auch seltenere Arten umfassen würde.

Jedoch wie Anfangs gesagt, genug zu kritisieren gibt es!
Zum Thema §40 Kritik finde ich (für Geduldige) das Video hier auch ganz gut, obwohl dort Naturschutz-Perspektive nicht Hauptthema ist und nur hier und da am Rande angesprochen wird:
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Dorfgaertner
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Re: genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Dorfgaertner »

Ich fand auf jeden Fall ganz grundsätzlich gut, daß auch die "nationale" Definition von "heimisch" in Frage gestellt wurde. Ich hab die Definition selber relativ lange unkritisch hingenommen und das als hilfreichen Anhaltspunkt gesehen – bis mir klar wurde, daß es da auch richtige Hardliner in Sachen "heimisch" gibt, und wenn Hardliner irgendwas machen, werde ich direkt skeptisch ;) Außerdem hat sich die Häufung von im Internet gut zugänglicher Verbreitungskarten bei mir so ausgewirkt, daß ich mitunter baß erstaunt war, daß eine beliebige "heimische" Pflanze eigentlich gar nicht in meiner Region vorkommt, also dort nicht heimisch ist.

Was ich auch bei den Frühblühern immer mal anmerke: da, wo ich wohne, ist nicht mal das Schneeglöckchen heimisch. Soll ich deshalb aufs Schneeglöckchen verzichten? Ich finde: nein :)
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Ann1981
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Re: genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Ann1981 »

Mein Pflanzenauswahlkriterium habe ich für mich so definiert: Wenn niemand vor Ort die Blätter nutzen kann, kommt sie nicht in den Garten. Da fallen viele Neophyten raus. Schneeglöckchen und auch Krokusse dürfen/ müssen bleiben, weil sie das erste Futter für die erwachenden Insekten sind. Lavendel, Salbei und Rosmarin bleiben auch, weil mensch davon essen kann.
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Dorfgaertner
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Re: genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Dorfgaertner »

Ann1981 hat geschrieben: Fr 27. Feb 2026, 10:24 Mein Pflanzenauswahlkriterium habe ich für mich so definiert: Wenn niemand vor Ort die Blätter nutzen kann, kommt sie nicht in den Garten. Da fallen viele Neophyten raus. Schneeglöckchen und auch Krokusse dürfen/ müssen bleiben, weil sie das erste Futter für die erwachenden Insekten sind. Lavendel, Salbei und Rosmarin bleiben auch, weil mensch davon essen kann.
Find ich gut! :thumb

Bei mir ist es ein frei fingiertes, auf Bauchgefühl setzendes System geworden :D Ich guck mir an, wo die Pflanze heimisch ist und dann überlege ich mir, wie realistisch sich eine natürliche "Einwanderung" anfühlt ;)
Da fallen dann alle Amerikaner prinzipiell raus, alle afrikanischen Pflanzen eigentlich auch (zumal mir da nur welche aus Südafrika einfallen), und bei den Asiaten muss es schon sehr, sehr gute Gründe geben, die meistens die Gestalt meiner Frau annehmen :lol
In der Praxis bemühe ich mich zwar hauptsächlich um "klassisch heimische" Pflanzen, aber wenn es sich ergibt, pflanze ich alles ohne größere Bedenken, was im Vieleck zwischen Südschweden, West-Rumänien, Balkan, Nord-Italien, Mitte-/West-Frankreich und wieder schräg rauf nach Südschweden vorkommt.
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Re: genetische Diversität - Wie groß ist die "Heimat"?

Beitrag von Tidofelder »

Ich pflanze generell alles was mir gefällt und irgendwie einen Nutzen für die Insektenwelt hat.
Einzige Ausnahme sind meine winterharten Karnivoren, die eher von der Insektenwelt profitieren als anders rum.
Ich könnte auch sagen mein Garten ist kosmopolitisch bepflanzt, ein botanischer Garten sozusagen.
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