Sind GärtnerInnen verantwortlich für ihr Tun?

Der Garten im Fluss der Arbeit, Entscheidungen und Gedanken

Der Diestelfalter liebt es trocken und offen

Jetzt beginnt der Frühling, das Warten nähert sich dem Ende. Das macht Warten auf die Blütenpracht unerfreulicher, denn gepaart mit der Ungeduld, das es kurz vor dem Ende steht, wird die kurze verbliebene Zeitspanne gefühlt umso länger, bis alles aufgeht und das Leben wieder so richtig zur Entfaltung kommt!
Schlimmer noch, viele Gärten, z.B. im nächst größeren Ort sind uns hier zwei Wochen voraus. Das macht das Warten noch schlimmer….

In Gedanken blüht sie schon, die Stockrose

Garten und Gedanken aufräumen

Um die Zeit zu verkürzen, beginnt nun das Aufräumen und Abräumen. Beete wollen von alten Stängeln befreit werden, die ersten Quecken gezogen werden und der ein oder andere Baum oder Busch noch mal geschnitten oder ausgelichtet werden.
Mit solchen Bildern will ich Euch nicht langweilen, Ihr bekommt hier die lebendigen Auswirkungen nach getaner Arbeit im Gartenjahr zu sehen!

Warum wird sie häufig weggeschmissen? Die Christrose samt sich aus und bietet Hummeln erste Nahrung!

Während dieser Arbeiten stehe ich häufig mit meinen Gedanken mit meinem Garten in Verbindung und wir diskutieren das eine oder andere Thema:
Heute zum Beispiel über die Verantwortung, die uns als GärtnerInnen zukommt. Alles, was ich im Garten geschehen lasse oder auch nicht geschehen lasse, hat eine unmittelbare Auswirkung auf Pflanzen und Tiere. Im Garten und auch außerhalb!

Die Ulmen sind jetzt ein wahrer Hingucker, während ich denke und diskutiere…

Meine Entscheidungen sind zu ihrem Nutzen oder Schaden. Deshalb ist es klug und wichtig, sich mit einigen Abwägungen zu beschäftigen, bevor schnell gehandelt wird, ohne die Folgen zu bedenken.
Mein Garten hat nicht nur eine Bedeutung für sich innerhalb seiner Gartengrenzen, nein, er wirkt nach Außen und die äußere Welt wirkt auf ihn ein. Deshalb sind die Entscheidungen, die mein Garten und ich treffen eben auch für die Welt um uns herum von Bedeutung! Insekten entwickeln sich in meinem Garten und streben dann nach draußen, andersherum ist es auch so, sie entwickelten sich woanders,leben aber in meinem Garten.
Daraus entwickelt sich eine Verantwortung: Ich kann in meinem Garten eben auch die Umwelt mit stärken und fördern!

Weiden bieten sich immer für alles an!

Wie fördere ich meinen Garten am Besten?

Zum Beispiel gibt es eine Stelle in der Hecke, da muss ein abgestorbener Busch herausgenommen werden. Es war eine Weigelie. Sie stand zwischen Haselnuss und Flieder. Nun stellt sich die Frage nach dem Ersatz; wer kommt da nun hin?
Weigelien ziehen mit ihren Blüten viele Hummeln an, haben dadurch schon einen gewissen Wert. Es gibt aber auch Büsche, die mit ihren Blüten Insekten anziehen und dann später mit Beeren Vögeln und vielleicht auch mir eine Nahrungsgrundlage bieten.

Da gibt es genug Pflanzen, die sich von heimischer Natur aus anbieten. Es ist klar, es wird ein Busch werden, der nicht nur dem Auge sondern auch einer Vielzahl von Gartenbewohnern dienen wird. Eine schöne Blüte, die Insekten anzieht, eine Struktur, die vielleicht als Brutplatz herhalten kann, eventuell auch Früchte, die als Nahrungsgrundlage im Herbst/Winter dienlich ist. Gleichzeitig darf sie allerdings nicht zu breit werden, denn an dem Ort ist der Platz eher eng und wir wollen da durch gehen können.

Rote Taubnesseln sind ein echter Hingucker!

Unkraut? Jäten oder stehen lassen?

Viele wilde Kräuter werden gerne aus den Beeten entfernt, weil sie als Unkraut gelten. Doch gerade sie sind wichtig und wertvoll.
Die Taubnessel z.B. dient den ersten Wildbienen als Nahrungsquelle, sie sieht hübsch aus, sie verdrängt nichts, sie deckt den Boden ab, sie blüht lange und ausdauernd, ist also fast das ganze Jahr über eine Nektarbar der Sonderklasse.
Wenn sie also nicht wuchert, warum sie nicht stehen lassen? Als Bodendecker hilft sie, Feuchtigkeit durch Beschattung zu erhalten. Sie ist grün und somit auch im Winter ein freundlicher Anblick.
Bei mir lasse ich einiges wildes Kraut stehen. Ein gelassener Umgang bietet Euch viele schöne Momente im Garten, denn wenn die großen Blumen nicht mehr blühen, sind die kleinen wilden immer noch zur Stelle! 
Sie decken die blütenarmen Zeiten wunderbar ab!
Sie sind preiwert, denn sie stellen sich von alleine ein!
Sie sind wertvoll, denn sie ernähren viele Insekten!

Der Kleine Perlmutterfalter liebt offene Böden!

Düngung? Was bedeutet das für den Garten?

Eine weitere Frage ist auch die nach der im Frühjahr nötigen Düngung. Welche Düngung brauche ich? Braucht es überhaupt Dünger? Wenn ja, welchen, wenn nein, warum nicht?
Fest steht: Meine Wiesen werden nicht gedüngt, sie werden nach und nach durch Abtragen von Mahdgut und seltenem Schnitt so verändert, das sich eine eigene ortstypische Pflanzengesellschaft einstellen kann. Meine Wiese entwickelt sich über die Zeit mit Stellen, an denen die Nabe dicht ist und an anderen Stellen eher schütter bis hin zu offenen Böden. Das alles ist z.B. einigen Schmetterlingen dienlich und Grashüpfern ebenso. Sie benötigen offene Böden, um die Wärme zu nutzen.

Persischer Ehrenpreis macht sich von alleine breit

Möchte ich eine aus sich heraus blühende Wiese, dann benötige ich ebenfalls eher eine schüttere Grasnabe, denn die Wurzeln der modernen Gräser verfügen über einen so dichten Filz, da haben Wildblumen kaum eine Möglichkeit, sich zu etablieren.

Standortgerechte Pflanzungen ersparen teuren Düngeeinsatz

Die Obstbäume und -sträucher dünge ich mit anfallendem Kompost, der im Spätwinter unter die Bäume gelegt wird. In den Beeten bringe ich ebenfalls Kompost aus.Kompost ernährt durch seinen langsamen Zerfall den Boden und schafft dadurch wertvolles Bodenleben, das den Boden fruchtbar werden oder bleiben lässt. Bei mir eher “werden”. Das bedeutet aber auch, das ich meine Pflanzen so aussuche, das ich nicht die zehnte Pflanze mit starkem Düngeanspruch pflanze, sondern robuste Naturschönheiten, die mit meinem Boden zurecht kommen!
Das gesparte Geld für teure Düngemittel gebe ich lieber meinem Gärtner vor Ort oder dem Pflanzenhändler über das Internet…

Saubermachen? Oder…

Den Garten kennenlernen

Deshalb ist es wichtig, den Boden zu kennen und ihn mit den Pflanzen zu bestücken die mit eben diesem Boden zurecht kommen! Meist sind es nicht die Exoten! Meist sind es die robusten Naturburschen, die am Besten in den Garten passen.
Woran Ihr das merkt? Hört hin in Euren Garten? Seht hin! Euer Garten bringt seine lebendige Vielfalt zu Gehör und Sicht!

…den Anblick geniessen? Ich bin eher dafür!

Wieviel Zeit verbringt Ihr im Garten?

Brauchen Eure Pflanzen viel Aufmerksamkeit, viel Pflege und Achtsamkeit? Dann habt Ihr wahrscheinlich noch nicht die richtigen Pflanzen gefunden, denn die richtigen Pflanzen halten sich mühelos im eigenen Garten.

Stehen lassen bringt Futter in den Garten

Eine weitere Frage ist die nach der Schönheit. Viele Gärten werden ausgeleuchtet und z.B. Gräser von unten angestrahlt. Kann hübsch aussehen, dient aber nichts und niemandem. Schöner ist es doch, den Garten bei Tage zu genießen, wie es kreucht und fleucht und fliegt und flattert. Das passiert auch am Abend und in der Nacht! Fledermäuse fliegen in einer gesunden Umgebung und fressen die Insekten, die an bestimmten blühenden Pflanzen ihre Nahrung finden.
In der Dämmerung leuchten sie aus sich heraus und verzaubern das Herz!
Da bedeutet, das die Nachtkerzen, die sich selber aussamen, bleiben dürfen, denn sie sind wertvolle Futterpflanzen für Nachtfalter und stellen somit auch für Fledermäuse wertvolle Nahrung zur Verfügung.
Also, lasst stehen und sich aussamen, was geht!

Grauchen mögen lichte Plätze, die trocken sind!

Welchen Busch ich nun pflanzen werde? Nun, nach meinen Recherchen und dem Standort nach wird es eine weitere Pimpernuss werden!
Im letzten Jahr habe ich eine gepflanzt, in diesem Jahr werde ich dorthin eine zweite Pflanze setzen!

Das ist das Schöne an Garten: Es findet immer etwas Neues Platz, das wertvoll für die Tierwelt ist.

Das Übernehmen dieser Verantwortung machen mich und meinen Garten zufrieden!

 


Autor:
Ulrike Lohmann
Garten der Gartenphilosophin
Seite der Gartenphilosophin

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