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Hortus Columbarium; Schwanzmeise - Aegithalos caudatus

Schwanzmeise – Aegithalos caudatus

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  • Beitrag veröffentlicht:1. September 2022
  • Beitrags-Kategorie:Tiere
Hortus Columbarium; Schwanzmeise – Aegithalos caudatus

 

Ein kleiner Sperlingsvogel aus der Familie der Schwanzmeisen (Aegithalidae). Ihren Namen verdankt sie dem langen Schwanz, der ihr ein präzises Ausbalancieren beim Hangeln auf den äußeren Enden feiner Zweige ermöglicht, auf denen sie vorrangig ihre Nahrung sucht. Sie besiedelt vor allem lichte Wälder, Waldränder und Parks mit viel Unterwuchs, in dem sie ihr eiförmiges Nest aus Moos, Pflanzenwolle und Federn errichtet. Außerhalb der Brutzeit bewegt sie sich meist in kleineren Trupps.

Die Schwanzmeise ist nicht enger mit den echten Meisen verwandt. Sie wird in die Überfamilie der Sylvioidea gestellt, zu der auch die Laubsänger, Grasmücken, Schwalben und Lerchen gehören.

Die Schwanzmeise ist mit 13 bis 16 Zentimetern Gesamtlänge recht klein, hat einen rundlich-kugeligen Körper und einen mit 6 bis 10 Zentimetern auffallend langen Schwanz, worauf der Artname zurückgeht. Der schwarze Schnabel ist mit 6 bis 7 Millimetern Länge kurz und fein. Das Gewicht beträgt sieben bis zehn Gramm, die Flügellänge 6 bis 7 Zentimeter. Die Maße und Proportionen können hierbei je nach Unterart bedeutend variieren. Die Kopfzeichnung ändert sich mit der Unterart und der geographischen Verbreitung.

Die Schwanzmeise ist mit ihrem leichten Körperbau und dem langen Schwanz, der ihr ein präzises Ausbalancieren des Körpers ermöglicht, daran angepasst, ihre Nahrung an den äußersten Spitzen der Zweige zu suchen. Etwa 80 % der Nahrungssuche entfallen auf diese ökologische Nische. Versuche haben ergeben, dass sie diese Möglichkeiten weitgehend verliert, wenn man den Schwanz auf die Länge von dem einer Blaumeise stutzt. Ihre Fähigkeiten im Hangeln und Hüpfen an kleinen Zweigen sind erstaunlich. So kann sie sich beispielsweise durch einen Hüpfer kopfüber an einen Zweig in eine Hängelage begeben und über Kopf an diesem entlanghüpfen. Sie kann ihren Körper in dieser Haltung um 90° drehen und damit das gesamte Umfeld an dem entsprechenden Zweig erreichen. Ebenso kann sie sich mit einem Fuß halten und zum nächsten Zweig weiterhangeln. Dabei ist es ihr auch möglich, gesammelte Nahrung „aus der Faust“ zu fressen, sie benötigt also keine Unterlage, um die Nahrung aufzubereiten.

Das Sozialverhalten der Schwanzmeise ist recht ausgeprägt. Außerhalb der Brutzeit lebt die Schwanzmeise in kleinen Schwärmen von bis zu 30 Individuen. Diese zeigen einen starken Zusammenhalt und beanspruchen ein bestimmtes Territorium, das gegen andere Schwärme verteidigt wird. Dessen Grenzen werden meist durch natürliche Gegebenheiten, wie Straßen oder Waldränder definiert. 

In der nahrungsreichen Zeit werden etwa 50 % des Tages, im Winter bisweilen 90–96 % für die Nahrungssuche im Trupp aufgewendet. Dabei werden innerhalb eines Tages mehrere Kilometer (meist 3–5, bisweilen bis zu 11) zurückgelegt. Ein Futter suchender Trupp hält sich meist zwischen 2 und 15 Minuten an einem Ort auf und zieht dann weiter.

Innerhalb der Winterschwärme wird auch gemeinsam in eng aneinander geschmiegten Schlafgesellschaften geschlafen, was eine größere Widerstandsfähigkeit gegen besonders niedrige Temperaturen ermöglicht. Die Schlafplätze liegen meist in dichtem Gebüsch in 1–10 m Höhe. Er wird gezielt angeflogen und die Individuen des Schwarms sammeln sich in der Nähe des Schlafzweiges. Dann wird in einer ritualisierten Handlung, ähnlich der Balz, die Individualdistanz überwunden. Zwei Individuen lassen sich auf dem Schlafzweig nieder und rutschen hin und her. Nach dem Zusammenrücken schauen sie voneinander weg und putzen sich. Dann fliegen weitere Individuen in die Mitte. Die Bildung der Reihe, in der die Ranghöchsten in der Mitte sitzen, erfolgt unter leisem Zwitschern. Bisweilen wird der Vorgang durch noch aggressive Individuen gestört, dann wird von neuem begonnen. Das Prozedere dauert daher meist bis zu 30 Minuten. Die Schwänze der aufgereihten Vögel zeigen am Ende in unterschiedliche Richtungen, manchmal wird auch eine Kugel mit nach außen gerichteten Schwänzen gebildet. Am Morgen wird die Versammlung ohne weitere Zeremonie aufgelöst.

Das Vorkommen des Vogels ist eurasisch.

In Mittel- und Westeuropa ist die Schwanzmeise meist Stand- oder Strichvogel. Gelegentlich gibt es leichte, ungerichtete Dispersionen, bei denen die meisten Vögel jedoch deutlich unter 100 km zurücklegen. In Nord- und Osteuropa zählt die Schwanzmeise zu den Invasionsvogelarten.

Die Schwanzmeise bewohnt Lebensräume mit reich strukturierten Säumen und einem häufigen Wechsel zwischen bewaldeten oder bebuschten und offenen Flächen. Gerne werden bodenfeuchte Habitate, oft auch in Gewässernähe angenommen. Für die Errichtung des Nestes ist das Vorhandensein von dichtem Unterholz, einer gut entwickelten Strauchschicht, Dornsträuchern oder Koniferen wie Wacholder oder Jungfichten erforderlich. In Mitteleuropa besiedelt sie daher lichte Laub- und Mischwälder in feuchten Habitaten, aber auch Heckenlandschaften und verbuschte Ruderalflächen. Sie ist auch seit mehreren Jahrzehnten in städtischen Biotopen wie Grünanlagen, Parks, Friedhöfen oder verwilderten Gärten zu finden. Lediglich das Innere geschlossener, einförmiger Forste meidet sie weitgehend.
In Nordeuropa brütet sie oft in Sümpfen, Mooren oder am Rande der Kulturlandschaft. In der Zone des borealen Nadelwalds werden bevorzugt Birkenbestände angenommen.

In Westeuropa ist sie vermehrt außerhalb von Wäldern in der Heckenlandschaft, Wacholderheiden und Trockenhängen mit Ginster zu finden. Im Mittelmeerraum besiedelt sie die dichte Macchie, in Kleinasien auch trockene Kiefernwälder und Olivenhaine. Im Allgemeinen meidet sie ausgedehnte reine Nadelwälder, kommt aber in Mittelsibirien auch in Nadelmischwäldern aus Fichte, Tanne, Lärche und Sibirischer Zirbelkiefer vor, hier vermutlich aber ebenfalls in Waldrandhabitaten mit Beimengungen von Laubhölzern. In Südwestchina (Provinz Yunnan) besiedelt sie auch Kiefernwälder.

Im westlichen Teil des Verbreitungsgebietes kommt die Schwanzmeise für gewöhnlich in Höhenlagen bis 1000 m vor, vereinzelt findet man sie aber auch in Höhen bis 1300 m (Türkei), 1500 m (Kaukasus), 1800 m (Alpen) oder 1830 m (Iran). In Ostasien lebt sie vorwiegend in montanen Lebensräumen ab 500 m. In Japan findet man sie dort in Höhen bis 1600 m, in einigen chinesischen Provinzen in Höhen bis 3050 m. Meist wandert sie im Winter in tiefere Lagen ab, es gibt jedoch auch aus den Monaten Januar und Februar Beobachtungen aus solchen Höhen.

Die Nahrung der Schwanzmeise besteht zum allergrößten Teil aus kleinen Insekten und anderen Arthropoden sowie deren Larven und Eiern. Besonders kleine und kleinste Insekten werden von Schwanzmeisen gerne als Nahrung angenommen, Blattläuse und Schildläuse etwa. Diese werden vor allem von den äußeren Zweigen von Bäumen abgelesen. Eine erkennbare Spezialisierung gibt es dabei nicht. Durch saisonale oder lokale Gegebenheiten kann es aber dazu kommen, dass bestimmte Arten zur ausschließlichen Nahrungsquelle werden.

Pflanzliche Nahrung (z. B. Knospen, Sämereien, kleinen Beeren, Baumsaft, Flechten oder Algen an Zweigen) spielt im Allgemeinen eine geringe Rolle, kann jedoch besonders zur kalten Jahreszeit eine wertvolle Ergänzung des Nahrungsspektrums bilden. Dass sie an Winterfütterungen auch kleine Stücke von Nüssen, Talg, Brotkrumen, Käse oder sonstigem annehmen, zeigt, dass Schwanzmeisen nicht allzu spezialisiert sind.

Die Nestlingsnahrung unterscheidet sich kaum von der sonstigen, es wird aber bevorzugt größere Beute wie die Raupen von Schmetterlingen (Eichenwickler, Schwammspinner, Nonne etc.) verfüttert.

Schwanzmeisen werden mit Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif und führen vermutlich eine monogame Saisonehe. Es findet eine Jahresbrut statt, das Vorkommen von Zweitbruten ist bislang nicht eindeutig nachgewiesen.

Während der Nistplatzwahl fliegen beide Partner auffällig und unter Rufen mit Nistmaterial umher, wobei das Männchen auf verschieden geeignete Orte aufmerksam macht. Es trägt meist ein sehr auffälliges, helles Stück Material wie eine Feder bei sich und wartet dann singend und flügelzitternd auf das Weibchen. Legt dieses etwas Moos oder ähnliches ab, ist über den endgültigen Standort entschieden.

Das Nest kann in Laub- wie Nadelbäumen, in rankenden Pflanzen, Hecken oder Büschen, in Wurzel- oder Dorngestrüpp, in Reisighaufen oder am Boden stehen. In Ausnahmefällen gab es Bruten in Höhlen oder Nistkästen. Die Höhe des Neststands ist sehr variabel, liegt aber meist zwischen 1,5 und 6 m. Nur ausnahmsweise wird das Nest am Boden oder in bis zu 30 m Höhe gebaut. Bei Laub- und jungen Nadelbäumen befindet es sich meist stehend in Stammnähe, bei alten Nadelbäumen wird es auch oft hängend in die äußeren Zweige gebaut. Solche Nester befinden sich meist recht hoch. Die Öffnung ist in der Regel zur sonnigsten Seite hin ausgerichtet.

Das Nest besteht außen aus fein verflochtenem Moos, Flechten und Spinnweben, aber auch Halme, Fasern sowie andere Pflanzenbestandteile, Federn, Wolle und Haare werden verbaut. Für die Außenhülle werden oft die Flechten des Nistbaumes verwendet, was gute Tarnung bewirkt. Die umfangreiche Polsterung besteht meist größten Teils aus Federn. Das Nistmaterial wird meist aus der näheren Umgebung zusammengesucht, zwecks Beschaffung der Federn werden aber auch Strecken bis zu 600 m in Kauf genommen.Das Nest wird von unten nach oben gebaut. Als erstes entsteht eine Plattform aus Moos oder ähnlichem, in die durch drehende Bewegungen eine Mulde geformt wird. Dann werden mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 3,5 cm pro Tag die fein verfilzten Wände hochgezogen. Ein großer Teil der Bautätigkeit erfolgt dabei von innen. Am Ende werden die Wände vom innen bauenden Vogel noch einmal in die Höhe gezogen und das Dach geschlossen. Das Schlupfloch entsteht durch Aussparung und wird schließlich an der Unterkante verstärkt. Der „Rohbau“ nimmt etwa neun Tage in Anspruch. Als letzte Phase, die gleich lang dauern kann, folgt die sorgfältige Auspolsterung.

Der Legebeginn erfolgt meist 1–7 Tage nach der Fertigstellung des Nestes, in Ausnahmefällen wurde noch am Nest gebaut, während ein Vogel schon brütete. Je nach Witterung liegt der Beginn der Brutperiode dabei zwischen Ende März und Ende April, seltener auch früher. Das Gelege besteht meist aus 8–12, seltener nur aus 5–6 oder sogar aus bis zu 16 Eiern. Diese sind rundoval, an einem Ende etwas zugespitzt und fast glanzlos. Auf einem weißen bis gelblichweißen Grund sind sie zart gelblichbraun oder grau gesprenkelt. Die Fleckung verdichtet sich etwas am breiten Ende, fehlt aber oft bei einem Teil der Eier auch ganz oder ist kaum zu erkennen. Die Eier sind durchschnittlich 14 × 11 mm groß. Es brütet ausschließlich das Weibchen, das in dieser Zeit vom Männchen gefüttert wird. Die Brutdauer liegt zwischen 12 und 18 Tagen, in Mitteleuropa beträgt sie meist 13–14 Tage.

Neben den beiden Altvögeln, von denen das Weibchen gelegentlich auch noch hudert, werden die Nestlinge von einer variablen Anzahl von Helfern gefüttert. Dies können bis zu acht mit dem Männchen verwandte Individuen sein. Durch die Hilfe anderer Altvögel ist es möglich, eine erstaunliche Anzahl von bis zu 12 Jungvögeln pro Brut großzuziehen. Welche Vögel eine Helferrolle einnehmen, ist nicht abschließend geklärt. Dabei kann es sich beispielsweise um Paare handeln, deren Brutversuch gescheitert ist. Diese helfen jedoch nie gemeinsam am gleichen Nest, sondern nur ihren jeweiligen Nestgeschwistern.

Die Jungen verlassen das Nest nach 14–18 Tagen, werden aber noch bis zu 14 weitere Tage von Eltern und Helfern gefüttert.

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