Plädoyer für heimische Wildpflanzen
Wildbiene an Pippau

Plädoyer für heimische Wildpflanzen

Ein häufiges Thema in allen Gartengruppen und ja, auch in Naturgartengruppen und im Hortus-Netzwerk sind heimische Wildpflanzen und Neophyten.

Um zu verstehen, warum heimische Wildpflanzen zu bevorzugen sind, muss man erst einmal die erdzeitgeschichtliche Einteilung der hiesigen Fauna verstehen. Man unterscheidet ganz klar zwischen einheimischen Arten, Archäophyten und Neophyten.

Wie funktioniert diese zeitliche Einteilung?

Einheimische Arten sind dort, wo sie auftreten schon immer heimisch. Archäophyten sind vor 1492 in ein Gebiet eingebracht worden und haben sich etabliert. Neophyten sind alle, die nach 1492 (der Entdeckung Amerikas) in ein Gebiet eingebracht wurden, in dem sie ursprünglich nicht vorkamen.

Bei Archäophyten und Neophyten spricht man nicht selten auch von sogenannten Kulturfolgern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass innerhalb von Migrationsbewegungen bereits bekannte Pflanzen mitgebracht wurden, weil man sich davon einen Nutzen versprach. Es gibt auch Neophyten, die inzwischen in unserem Kulturraum eingebürgert sind – und kein Problem darstellen, weil sie unbeständig sind und sich ohne menschliches Zutun nicht etablieren. Tja, und dann gibt es eben noch die Einteilung in bisher nicht invasive Neophyten (weiße Liste), potenziell invasive Neophyten (graue Liste) und invasive Neophyten (schwarze Liste).

Kornelkirsche (Cornus mas)

Doch warum sind heimische Wildpflanzen (und Archäophyten) in einem Naturgarten vorzuziehen?

Kurz gesagt, weil sogenannte polylektische Arten selten bedroht sind, weil sie Generalisten sind, oligolektische Arten sich aber evolutionär auf bestimmte Pflanzengattungen angepasst haben – und diese Pflanzen dann auch noch häufig auf eben jene Arten angewiesen sind für ihre Vermehrung.

Die bekannteste polylektische Biene ist zum Beispiel die Honigbiene. Honigbienen brauchen unsere Hilfe nicht unbedingt, was die Gartengestaltung betrifft. Sie finden noch am leichtesten Pollen und Nektar. Das gleiche gilt für die meisten Hummeln. Wollen wir bei der Gartengestaltung jedoch etwas für unsere heimischen Wildbienen tun, müssen wir eben an jene denken, die spezialisiert sind. So gibt es zum Beispiel Wildbienen, welche auf Windengewächse oder Glockenblumen angewiesen sind. Die Regensburger Sandbiene kann zum Beispiel nicht ohne Geißklee überleben. Diese Liste kann sehr lang werden, wenn man sich unsere heimischen Wildbienenarten (rund 550 an der Zahl) genauer anschaut.

Diese heimischen Wildbienen sind teilweise auch bereits an Archäophyten angepasst, weil diese lange genug bei uns vorkommen, dass eine Anpassung erfolgen konnte, aber Neophyten werden dann eben häufig nur noch von den Generalisten angeflogen. Die Honigbiene ist auf den Neophyt nun aber nicht unbedingt angewiesen und könnte genauso gut die heimischen Wildpflanzen und Archäophyten „abernten“, wenn sie in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Schlehenborstenspinnerraupe auf Weidenröschen

Geht es nur um Wildbienen?

Allerdings sind heimische Wildpflanzen nicht nur für die Bienen wichtig. Es gibt Schmetterlinge, die für ihre Raupen bestimmte Gewächse brauchen und diese Raupen überleben nun einmal auch dann am besten, wenn die ursprüngliche Form genutzt wird – und nicht die buntlaubige Zuchtform, für welche die Raupe nicht angepasst ist. Eine grüne Raupe auf einem roten Blatt überlebt in der Regel nicht lange. Sie wird gut sichtbar für Fraßfeinde – und ist am Ende häufig so angepasst, dass sie auch nur grün frisst. Das Ergebnis kann sein, dass der jeweilige Schmetterling immer seltener wird, weil das Raupenfutter fehlt – und die Nektarpflanze, auf die er angepasst ist. Dies ist bei einigen Arten inzwischen durchaus nicht nur eine Eventualität, sondern eben auch schon tatsächlich der Fall.

Leider werden landauf und landab immer noch Pflanzen wie der sogenannte Schmetterlingsflieder empfohlen, weil man damit angeblich etwas für die Schmetterlinge tut – nur tut man das wirklich? Häufige Arten kann man dort beim Nektarsammeln beobachten. Das war es dann aber auch schon. – Je nachdem in wessen Liste man schaut, steht dieser übrigens schon auf der Grauen oder Schwarzen Liste der invasiven Neophyten.

Wildbiene an Pippau

Was muss man tun, wenn man die heimische Flora unterstützen will?

In erster Linie erst einmal den Boden bereiten. Auf nährstoffreichen Böden wachsen Pflanzen schneller und höher und was dort besonders schnell wächst, ist nun einmal Gras. Das bedeutet, dass man, selbst wenn man Wildblumen einsät, über die Jahre dort nur noch Gras haben wird. Egal wie oft man mäht, das Gras wächst schneller als die Blumen. Deswegen ist es eigentlich unabdingbar, den heimischen Wildblumen einen Boden zu bereiten, auf denen sie gegen Gras noch eine Chance haben. Sogenannte magere Flächen findet man tatsächlich noch in der freien Natur. Zum Beispiel an Weg- und Straßenrändern, an denen (noch nicht) (so oft) gemulcht wurde. Dort kann man Mohn, Wegwarte und andere Pflanzen, die diese grasfreien Flächen benötigen zumindest über einige Jahre gut beobachten. Nachdem einige Jahre gemäht und das Mähgut liegen gelassen wurde, wandelt sich jedoch das Bild und man hat fast ausschließlich Gras dort, denn irgendwann kommen die Grassamen und dann eben auch das Gras. Es gibt also gute Gründe, für heimische Wildblumen und Wildstauden magere Flächen anzulegen oder zumindest die Vielfalt durch konsequentes Mähen und Mähgut entfernen zu erhöhen.

Ist Gras immer schlecht?

Natürlich gibt es auch für Insekten wertvolle, heimische Süß- und Sauergräßer, welche zum Beispiel als Raupenfutterpflanze dienen. Auf einer mageren Fläche verdrängen diese jedoch in der Regel nicht die Wildblumen.

Gibt es sinnvolle Neophyten?

Ja, natürlich gibt es die, wenn man gerecht sein will. Will man eine gewisse Variation bei den Frühblühern erreichen, muss man gelegentlich auch Zwiebeln aus anderen Regionen Europas zurück greifen. Ein gutes Argument für diese Frühblüher ist im Übrigen auch, dass sie schon so lange in unseren Kulturräumen (Gärten) anzutreffen sind, dass die ein oder anderen Insekten sich ohnehin schon soweit angepasst haben. Außerdem ist ein Großteil unserer früh fliegenden Wildbienen ohnehin eher Generalist.

Was ist das Problem an invasiven Neophyten?

Invasive Neophyten verdrängen heimische Pflanzen und vermindern so die Artenvielfalt. Angepasste Tierarten werden ebenso wie die Pflanzen, auf welche sie angewiesen sind, verdrängt und landen so erst auf der Liste der bedrohten Arten – und sterben dann letztlich irgendwann aus. Die vielblättrige Lupine, welche mancherorts auch schon verwildert an Straßenrändern wächst, reichert den Boden mit Stickstoff an und schmälert so die Artenvielfalt nachhaltig, weil auf nährstoffreichen Böden wie bereits erwähnt weniger Arten gegen Gras ankommen können, wodurch dann eben irgendwann nur noch Gras da ist.

Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea)

Welche Alternativen gibt es?

Wer etwas gelbes im Frühling will und dabei an die Forsythie denkt, könnte es auch einfach mal mit einer Kornelkirsche versuchen. Sie blüht zeitgleich, bietet aber im Gegensatz zum gelbblühenden, pollenlosen Strauch aus China Pollen und Nektar für Insekten, wird bestäubt, bildet Früchte aus und dient so auch nach der Blüte noch als Nahrung. Wer Goldruten mag, könnte anstatt der kanadischen Goldrute ja mal die heimische Vertreterin der Goldrute (Solidago virgaurea) in Betracht ziehen. Diese Liste kann man gut fortsetzen, wenn man sich damit auseinander setzt.

Was ist die Empfehlung des Hortus-Netzwerks?

  • Fokus auf heimische Wildpflanzen (Verhältnis 90:10 hat sich bewährt)
  • Wenn Neophyten, dann nur pflegeleichte und sinnvolle
  • Keine Arten der Schwarzen Liste (noch besser auch keine von der grauen Liste)

Weiterführende Informationen zum Thema Wildbienen und Wildblumen findet man im Übrigen bei Paul Westrich (online und in seinen Büchern), in den Büchern von Markus Gastl und natürlich auch im Hortus-Netzwerk. Weiterhin empfehlen kann ich die Literatur Reinhard Witt bezüglich Naturgartenplanung. – Oder in unserer Pflanzendatenbank.

Listen bezüglich invasiver Neophyten bieten unter anderem das Bundesamt für Naturschutz an. Auch in Österreich und der Schweiz (und vielen anderen Staaten der EU) gibt es dazu bereits Listen von öffentlicher Seite.

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