Pflanzendatenbank: Das Thema des Monats September 2020 – Blumenzwiebeln I

Pflanzendatenbank: Das Thema des Monats September 2020 – Blumenzwiebeln I

Die „Kinder“ der Pflanzendatenbank des Hortus-Netzwerks stellen sich vor. Jeden Monat findet Ihr hier ein neues Thema, zu dem zehn passende Pflanzen vorgestellt werden.

Diesen Monat geht es um das Thema Blumenzwiebeln Teil 1

Spätestens Ende September überlegen die meisten, welche Blumenzwiebeln in den Hortus gepflanzt werden sollen. Die Auswahl ist riesig und – wie immer – gibt es gute und … weniger gute „Hortus-Kandidaten“. Und weil die Anzahl der für uns geeigneten Blumenzwiebelarten so groß ist, wird es im Oktober noch eine Fortsetzung dieses Monatsthemas geben.

Wenn man sich mal ein wenig bei der nicht hortanen Allgemeinheit umhört und nach Blumenzwiebeln fragt, werden meist die Klassiker als Antwort kommen: Krokusse, Schneeglöckchen, Narzissen und Tulpen. Danach wird es dann aber auch schon bei den meisten „eng“. Das ist wirklich sehr schade, denn sehr viele Zwiebel-Pflanzen sind äußerst wertvoll und nützlich für Insekten. Lange bevor die ersten Stauden aus ihrem Winterschlaf erwachen, bieten die Frühblüher unter den Blumenzwiebeln ein reiches Nahrungsangebot und manch ein Engpass im sogenannten Trachtenband (dem durchgängige Nahrungsangebot im Jahresverlauf) kann mit Zwiebelblühern überbrückt werden.

Die beste Pflanzzeit ist von Ende September bis Mitte November, aber auch noch später gesetzte Zwiebeln blühen meist gut. Es kommt ein wenig auf das regionale Klima an. Am besten pflanzt man seine Blumenzwiebeln direkt nach dem Kauf. Ist das – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich, dann sollte man die Zwiebeln trocken und kühl lagern. Von einer Lagerung im Gemüsefach des Kühlschranks kann ich nur abraten, denn dann besteht die Gefahr, die Zwiebeln einem Kältereiz auszusetzen, der sie zum Austreiben bringt. Die Pflanztiefe richtet sich nach der Größe der Zwiebel. Als Faustregel gilt: Zwiebel doppelt so tief einpflanzen, wie sie dick ist, die Spitze muss dabei nach oben zeigen. Das war es dann auch schon, den Rest erledigt die Natur.

 

Allium carinatum – Gekielter Lauch

Der mehrjährige Gekielte Lauch ist eine wahre Schönheit. Seine lilavioletten Blüten zeigen sich ab Juni, stehen in der Mitte aufrecht und hängen am Rand über. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind eifrige Besucher.

Ursprünglich wahrscheinlich aus dem südlichen Europa stammend, zählt der Gekielte Lauch bei uns zu den Archäophyten, also zu den Pflanzen, die schon vor der (Wieder)Entdeckung Amerikas 1492 hier heimisch waren.

Die bis zu 60cm hohe Pflanze mag Standorte, die sonnig und mager sind, mit der Feuchtigkeit nimmt er es nicht so genau, sowohl trockene als auch feuchte Standorte sind möglich. Die konkurrenzstärkste Pflanze ist der Gekielte Lauch nicht, man sollte also darauf achten, dass die Nachbarn nicht zu ausbreitungsfreudig sind und die Zwiebeln in Gruppen setzen.

Für einen tollen Farbakzent kann man ggf. noch den Gelben Lauch (Allium flavum) dazupflanzen. Er kommt aus Eurasien , wobei der Schwerpunkt eher in Südeuropa und Asien liegt. Der Gelbe Lauch sieht dem Gekielten Lauch sehr ähnlich, hat aber – wie der Name schon vermuten lässt – gelbe Blüten.

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Allium moly – Gold-Lauch

Wer noch Farbtupfen am Rand seiner Pufferzone benötigt, sollte einmal über den Gold-Lauch nachdenken. Viele dicht aneinanderstehende gelbe Blüten zeigen sich ab Juni und ziehen Bienen, Schmetterlinge und Hummeln an.

Ursprünglich stammt diese Lauchart aus Südeuropa, ist aber schon seit langer Zeit bei uns eingebürgert.

Der Gold-Lauch mag es sonnig, recht trocken und humos. Damit ist er bestens geeignet um Gehölzränder, die nach Süden oder Westen zeigen, zu unterpflanzen. Seine maximale Höhe liegt bei ca. 35cm. Er ist ausbreitungsfreudig und robust. Ähnlich wie der Krokus können sich im Laufe der Jahre schöne verwilderte Bestände bilden.

Die Blüten sind übrigens essbar und erinnern ein wenig an Bärlauch.

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Allium nigrum – Zier-Lauch

Nicht ganz heimisch – zugegeben, der Zierlauch stammt aus der Region Südeuropa ostwärts bis zum Nahen Osten. Später kam er dann über den Mittelmeerraum zu uns. Wer also seinen Hortus streng einheimisch bepflanzen möchte, müsste beim Zier-Lauch Verzicht üben. Für all jene, die ihre Grenzen nicht ganz so eng stecken, empfehle ich ihn trotzdem als eine wunderbare Ergänzung für Trockenstandorte.

Der kugelige Kopf besteht ab Mai aus vielen einzelnen weißen Blüten mit grüner Mitte, der emsig von vielen verschiedenen Insekten angeflogen wird. Der Zier-Lauch kann bis zu 80cm hoch werden.

Der Standort sollte mager und trocken bis frisch sein, desweiteren ist der Zier-Lauch ein Sonnenkind. Am richtigen Standort stehen die Chancen gut, dass er verwildert und größere Bestände bildet, ohne dabei andere Arten zu verdrängen.

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Lilium martagon – Türkenbund-Lilie

Eine der wenigen heimischen Lilienarten ist die Türkenbund-Lilie. Sie kann unter optimalen Bedingungen eine Höhe von fast zwei Metern erreichen, bleibt aber in der Regel kleiner (ca. 120 – 150cm). Sie mag humosen, frischen bis leicht feuchten Boden, ist aber wegen ihrer Größe für Heckenunterpflanzungen nicht geeignet. Sie wächst im kühlen Halbschatten – gern auch unter Laubbäumen – am besten, wobei ihre schönen, rosa Blüten ab Juni auch nachts duften und viele Nachtfalter anziehen. Aber auch andere Insekten mit langem Rüssel fliegen die Blüten an.

Eine Vermehrung der Lilie ist zwar über Samen möglich, allerdings kann es durchaus vier Jahre dauern, bis die Pflanzen blühen. Schneller geht es mit Brutzwiebeln, die mit ein wenig Glück schon nach zwei Jahren blühen können.

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Ornithogalum umbellatum – Dolden-Milchstern

Eine wahre Augenweide ist der Dolden-Milchstern, der auch Stern von Bethlehem genannt wird. Das heimische Zwiebelgewächs wird bis zu 30cm hoch und zeigt seine sternförmigen, weißen Blüten ab April bis in den Mai hinein. Damit gehört er zu den Frühblühern und ist eine wertvolle Nahrungsquelle für alle frühfliegenden Insekten. Im Sommer „zieht er ein“, das bedeutet, dass er scheinbar verschwindet und sich erst im nächsten Frühling wieder zeigt.

Der Standort sollte sonnig bis halbschattig und trocken bis frisch sein. Er eignet sich wunderbar zur Unterpflanzung von Hecken, da im Frühling kaum Laub den Boden beschattet. Aber auch als Randbepflanzung sieht der Dolden-Milchstern sehr schön aus. Im Laufe der Jahre kann er sich am richtigen Standort stark vermehren.

Übrigens: <font color=”#FF0000″><strong> Die Zwiebeln sind stark giftig!!!</strong></font> Man sollte gut darauf achten, sie von Kindern fern zu halten und nach dem Pflanzen die Hände gründlich zu waschen.

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Erythronium dens-canis – Hunds-Zahnlilie

Während die Stauden noch ihren Winterschlaf halten, zeigt diese bis zu 30cm hohe Lilienart ihre schönen violeten Blüten bereits ab März. Sie ist deshalb eine überaus wichtige Nahrungsquelle für die ersten Insekten des Jahres. Die Hundszahn-Lilie stammt ursprünglich aus den nördlichen Mittelmeerländern und setzte ihren Weg in Richtung Schweiz, Österreich und das mittlere Frankreich fort. Bei uns ist sie seit mehreren Jahrhunderten kultiviert.

Die Zwiebeln setzt man am besten in kleinen Gruppen an Standorte, die halbschattig, humos und frisch sind. Die Unterpflanzung von Hecken oder Bäumen bietet sich geradezu an.

Ich selbst habe keine Erfahrung in Bezug auf die Vermehrung der Hunds-Zahnlilie, aber die Vermehrung über Samen soll wohl ganz gut funktionieren.

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Hyacinthoides non-scriptus – Hasenglöckchen

Auch das ursprünglich aus der westeuropäischen Atlantikregion stammende Hasenglöckchen gehört zu den Frühblühern und wird gerne von früh im Jahr fliegenden Insekten besucht. Bei uns ist die Pflanze seit mehreren Jahrhunderten eingebürgert. Das Hasenglöckchen bevorzugt einen halbschattigen, feuchten Standort in humoser Erde, auch Schatten wird toleriert, dort blüht es aber nicht ganz so üppig. Ab April kann man sich dann an den vielen blau/lilafarbenden Blüten erfreuen. Die Pflanze wird bis zu 40cm hoch und ist somit hervorragend zur Unterpflanzung von Hecken, Sträuchern und Bäumen geeignet.

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Tulipa bakeri – Felsentulpe

Bei Tulpen wird es mit heimischen Sorten sehr schwierig, es gibt meines Wissens nach nur eine Tulpe, die – zumindest teilweise – für unsere Region als heimisch angesehen werden kann. Die Felsentulpe gehört definitv nicht dazu, denn sie stammt ürsprünglich aus Kreta. (Um  Ab April ist sie nicht nur ein schöner Farbtupfer im Hortus, sondern wird auch viel von Bienen angeflogen, die so früh im Jahr auf sogenannte Frühblüher angewiesen sind. Vielleicht ist sie nicht die Top-Pflanze für die Spezialisten unter den Insekten, aber auch die „Generalisten“, also jene Insekten, die sich nicht auf eine spezielle Nahrungsquelle festgelegt haben, benötigen Nahrung. Wer also einen wertvollen Nektarlieferanten nichtheimischer Herkunft in seinem Hortus toleriert, kann sein Insekten-Nahrungsangebot in der Magerzone früh im Jahr mit der Felsentulpe ergänzen.

Sie bevorzugt sonnige, trockene und magere Standorte und wird bis zu 25 cm hoch und verschönert mit ihren rosa/violetten Blütenblättern, die in der Mitte gelb sind, jedes Mager-/Steingartenbeet.

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Tulipa humilis – Wildtulpe

Ähnlich wie die Felsentulpe ist auch die Wildtulpe nicht heimisch. Ihre Heimat liegt in der Region des nahen Ostens von der Türkei bis zum Iran. Immerhin wurde sie ca. 1850 bei uns als Kulturpflanze beschrieben. Die Tulipa humilis ist im Handel mittlerweile in vielen unterschiedlichen Farben erhältlich. (Fast) alle haben aber gemeinsam, dass die Blütenblätter außen eine andere Farbe aufweisen als in der Mitte.

Pflanzt man die Wildtulpe an einen sonnigen, trockenen und mageren Standort, so blüht sie ab April und gehört damit zu den ersten wichtigen Nahrungsquellen für frühfliegende Insekten. Mit etwas Glück und dem richtigen Standort verwildert die Tulipa humilis im Laufe der Jahre und bildet schöne große Gruppen.

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Narcissus Tete a Tete – Narzisse/Osterglocke Tete a Tete

Diese Narzisse stammt ursprünglich von der iberischen Halbinsel und wird nur ca. 20cm groß. Ihre gelben Blüten öffnen sich – je nach Region und Witterung – bereits ab März. Sie zählt zu den Frühblühern und daher zu den ersten Nahrungslieferanten des Jahres. Allerdings muss ich gestehen, dass ich in meinem Hortus noch nie Insekten an der Narzisse gesehen habe. Ich kann nicht sagen, ob die Insekten hier die anderen Frühblüher bevorzugen, ob ich immer zur falschen Zeit geschaut habe oder ob meine Narzissen einfach keine Insekten anziehen.

Wie dem auch sei, die Narzisse wächst am besten in humosem Boden, der frisch bis feucht und sonnig bis halbschattig sein sollte. Am richtigen Standort kann sie im Laufe der Jahre verwildern und schöne große Gruppen bilden.

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