Mythos Regenwurm – Lumbricus
Regenwurm - Humus

Mythos Regenwurm – Lumbricus

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  • Beitrag veröffentlicht:8. Januar 2020
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Der gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris), auch Tauwurm oder Aalwurm genannt, ist ein unscheinbarer, jedoch sehr häufig anzutreffender Gast im Garten. Seine Arbeit verrichtet er im Geheimen. Als Doppel-Null-Agent zieht er seine Bahnen sowohl im Kompost, als auch unter der Grasnarbe.

Regenwurm-Humus

Er durchwühlt den Boden sehr intensiv, gräbt dabei gut 3m tief und zieht dabei, noch nicht zu stark verweste Pflanzenteile in seine Wohnröhre. Sein Kot stellt die Sicherung der Gänge, sowie den umgewandelten Humus für unseren Garten da, den er nach oben in Haufen aufwirft. So sieht man seine Tätigkeit besonders auffällig im Herbst.

Regenwurm – Humus

Gutes Futter für ihn bereit zu stellen, bedarf wenig Aufwand, er nimmt im Herbst auch gerne das Laub der Bäume und freut sich, wenn der Garten nicht allzu ordentlich ist. Ein Wurm für alle Garten(ab)fälle.

Regenwürmer leben im Erdreich und gehören dem Stamm der Ringelwürmer an. In Deutschland sind ungefähr 46 Arten der fleißigen Landarbeiter bekannt, weltweit sind es sogar 670. Von den 46 in Deutschland heimischen Arten, waren nicht alle ursprünglich bei uns angesiedelt. Einige Arten sind eingewandert und haben ihren Platz im vielfältigem Ökosystem gefunden.

Den Winter übersteht der Regenwurm in tieferen Erdröhren (der Bodenfrost kann in Mitteleuropa kaum tiefer als 60 Zentimeter vordringen), indem er über Monate keine Nahrung mehr aufnimmt, wobei er lange extrem kalte Frostperioden nicht gut verträgt. Zur thermischen Isolierung wird das “Schlafgemach” zuvor üppig mit Kot ausgekleidet.

Um die eigene Oberfläche zu minimieren, kringelt sich der Regenwurm zum Winterschlaf spiralförmig zusammen. Sein Vorderteil versteckt er dann im Zentrum seiner Spirale, um sich unmittelbar bis zum Frühjahr in eine Starre zu versetzen. Der Regenwurm wird nun ungefähr die Hälfte seines Körpergewichts, das zu 90 Prozent aus Wasser besteht, verlieren.

Regenwürmer sind Zwitter, deren Geschlechtsreife mit ein bis zwei Jahren eintritt und an der Ausbildung ihres Gürtels (Clitellum) erkennbar ist. Es handelt sich dabei um eine gelbliche, sattelförmige Verdickung, die sich aus dem Vorhandensein vieler kleiner Drüsen ergibt, die sich in der Zone vom 27. bis 35. Segments befinden. Die Seitenränder des Clitellums zeichnen sich durch die deutlich sichtbaren, sogenannten Pubertätsleisten aus.

Die Zwitterwürmer befruchten sich gegenseitig, indem die relativ großen Drüsen des Gürtels ein Sekret ausscheiden. Diese Stelle versucht der Wurm am zehnten Segment der Bauchseite des Partners in Position zu bringen. Bei einigen Regenwurmarten konnte aber auch schon eine Selbstbefruchtung nachgewiesen werden. Die Eier werden dann in den sogenannten Regenwurmkokons abgelegt, dabei dient das Clitellum-Sekret zugleich zur Bildung der Hülle des Ei-Kokons. Nach der Eiablage bewegt sich der Wurm rückwärts aus dem Kokonring heraus. Die Embryonen ernähren sich von dem sie umgebenden Eiweiß. Nach einer kurzen Trochophora-Phase erfolgt eine Metamorphose zu dem anfangs noch durchsichtigen Wurm.

Der Kompostwurm (Eisenia fetida) schlüpft zum Beispiel in seiner eher warmen Umgebung schon nach 16 bis 20 Tagen. Im Gegensatz dazu braucht der Lumbricus terrestris bei mittleren Bodentemperaturen um nur zwölf Grad Celsius bis zu 135 Tage zum Schlüpfen. Die Jungwürmer der Kompostwürmer entwickeln sich dank der höheren Temperaturen des verrottenden Pflanzenmaterials bereits nach ca. 20 Tagen. Auch ist diese Art wesentlich produktiver. Sie paart sich häufiger im Jahr und produziert auch mehr Eier pro Kokon (bis zu 11). Ein einzelnes geschlechtsreifes Tier kann so bis zu 300 Nachkommen pro Jahr produzieren. Der Gemeine Regenwurm hingegen paart sich in der Regel nur ein mal pro Jahr, produziert dabei 5 bis 10 Kokons mit jeweils einem Ei.

In freier Wildbahn können die Würmer zwischen drei und acht Jahren alt werden, da ist sich aber die Wissenschaft noch nicht ganz einig.

Ihre Lieblingstemperatur liegt im Bereich zwischen zehn und 14 Grad Celsius. Kompostwürmer verstehen unter gemütlich eher die Temperaturspanne von 20 bis 25 Grad Celsius. Die kalte Jahreszeit veranlasst die Regenwürmer zum Abstieg zum Teil bis in Tiefen um 80 Zentimeter. Baumstümpfe, Komposthaufen oder bestimmte größere Steine gelten auch unter Regenwürmern als Wärme speichernde Bodenstrukturen. Daher lassen sich dort oftmals ganze Heerscharen zusammengerollter Würmer finden.

Eine ergiebige Schneebedeckung fungiert ebenfalls als thermische Isolierung für den Boden. Daher können in diesem Fall sogar im Winter aktive Regenwürmer im Oberboden beobachtet werden. Es ist heute noch nicht ganz klar, wie lange Regenwürmer Frost überleben können. Was ihnen wahrscheinlich noch mehr zusetzt, ist die Trockenheit des Bodens durch eine Dauerfrostabschirmung. Die während der Herbstzeit abgelegten Kokons entwickeln sich in frostfreien Böden auch über den Winter hinweg weiter. Wenn die Bodentemperatur im Frühjahr die Zehngradmarke übersteigt, schlüpfen die jungen Würmer.

Der Regen und der Wurm, man weiß bis heute nicht exakt warum bei Regen viele Würmer aus ihren Röhren kommen und das, sprichwörtlich, Weite suchen. Früher dachte man, der Wurm tut dies, weil er ertrinken könnte, in seinen Röhren, aber der Forschung ist es gelungen, fest zustellen, das die Würmer unter Wasser 35 Stunden überleben können. An der kanadischen Carleton Universität in Ottawa wurde die Frage in einer speziellen Studie bearbeitet. Hierbei kam man zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass Regenwürmer berechtigte Angst vor Maulwürfen (Fressfeind des Regenwurms) haben. Fallende Regentropfen trommeln in einer Weise auf die Erdoberfläche ein, dass dabei in etwa das gleiche seismische Frequenzspektrum entsteht, wie bei den Grabungsgeräuschen von Maulwürfen.

Fressfeinde sind unter anderem auch Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien nach. Dachse besitzen zum Beispiel kräftige Gliedmaßen, mit denen sie die Grasnarbe aufreißen, um an die Würmer zu kommen. Füchse stellen ihnen genauso nach wie Igel, Mäuse und Ratten. Eine besondere Jagdmethode zeigt der Maulwurf, er lähmt den Wurm mit einem Biss in den Kopfbereich und legt ihn sich als Vorrat für den Winter bereit. So wurden einmal über 500 Regenwürmer in einem Maulwurfsbau gezählt.

Molche, Salamander und Kröten stellen dem Regenwurm im feuchten, aber keinesfalls nassen Bereich in der Nähe von Gewässern nach. Länger anhaltende Überschwemmungen verträgt der Wurm nämlich nicht auf Dauer.

Schlangen wie die Schlingnatter und Echsenverwandte wie die Blindschleichen, zählen genauso zu den Fressfeinden wie Steinkriecher und Tausendfüßler, die die Regenwürmer sogar in ihren Gängen verfolgen.

Man darf gespannt bleiben, was Wissenschaft und Forschung noch heraus findet.

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