Kräuterspirale (Garten der Gartenphilosophin)

Von der Reife bis zur “Ernte”

Im letzten Jahr reifte meinem Garten und mir die Idee heran, eine besetzbare Kräuterspirale zu bauen. Für diesen Ort im Garten hatte ich schon immer den Plan, ihn zu verändern, nur keine Idee. Eigentlich sollte es etwas mit Rosen werden und Musikern. Es kam jedoch keine zündende Idee in meinen Kopf, der Garten lag still und bildlos da, wenn ich mit meiner Idee kam. In meiner Not habe ich mit Gärtnern gesprochen. Denen wollte auch nichts rechtes einfallen, sie stocherten genauso in meinem Garten herum, der keine Inspiration zuließ.

Dieser Platz soll verändert werden

Legebeginn

Wie die Spirale anlegen?

Im Netz habe ich mir angesehen, wie man eine Spirale plant, eigentlich ganz einfach. Ich bin auch ganz frohgemut mit den passenden Schnüren und Stäben rausgegangen, konnte aber die Ausführung nicht vernünftig hinbekommen. Da sieht man, ich bin keine gelernte Facharbeiterin… 
Im Letzten haben wir sie doch Freihand gebaut. Mit einer leichten Spur von Einstreu habe ich den Weg vorbereitet, dann haben wir versucht, die Steine einigermassen da hin abzulegen.

In Spiralform sieht es einfach schöner aus

Findlinge aus Ausgangsmaterial

Zuerst allerdings: der Steinhaufen, der im Januar kam, war beeindruckend hoch und mit wirklich gigantischen Findlingen angefüllt. Wie Ihr ja wisst, haben wir hier oben keine wirklichen Steinvorkommen, hier gibt es Findlinge aus der letzten Eiszeit. 

Der Haufen ist deutlich größer gewesen, als er hier erscheint

Als dann der Frost vorbei war, habe ich meine Jungs aktiviert, die auch den ersten Stein noch mit viel Müh und großer Not aus dem Haufen gescharrt hatten, ihn dann aber keinen mm weit bewegen konnten. Meine Jungs sind stark, aber doch nicht Popeye. Zum Glück haben wir ja auch im letzten Jahr den kleinen roten Trecker erstanden, der war unsere Rettung. So wurde aus dem Bau eine richtige Familienunternehmung, auch meine Jüngste konnte helfen, indem sie den Trecker fuhr.

Ohne Hilfe wäre das nie möglich gewesen – Ein Dank an die Familie

Nach vielen Stunden Arbeit lagen die größten Steine an Ort und Stelle. Im nachhinein war es sicher ein Fehler, das ich den ganzen Bereich nicht gleich ausgekoffert habe, aber gut, nun liegen die Findlinge auf Mutterboden. Im Innenbereich haben wir die Erde zwei Spatenstich tief ausgehoben. Die Grassoden kamen in die Hecken und können da langsam verrotten, in den Hühnerauslauf kam auch ein großer Teil. Der “zweite-Spatenstich-tief” kam als krautfreie Erde in die Hochbeete und ist dort wunderbarst untergebracht.

Es wurde viel Erde umgeschichtet…

Schutt und Schotter statt Humus und Kompost

Ab jetzt wurde es sehr spannend, denn nun begann ich etwas zu tun, das eigentlich kein Gärtner je tun würde; ich brachte Schutt in meinen Garten. Als GärtnerInnen wollen wir ja eigentlich fruchtbare Erde, die die Pflanzen von selbst zum Blühen bringen und alles schön wächst und gedeiht. Dabei vergessen wir aber, das echte Vielfalt eigentlich im mageren Boden entsteht. Das Buch von Markus Gast “Der Drei-Zonen-Garten hat mich da sehr inspiriert, das faszinierende Prinzip wollte ich in der besetzbaren Kräuterspirale nun anwenden. Vielfalt auf dem magersten Substrat(?) schaffen, das man so haben kann, auf Schutt und Sand. In seinem Hortus-Insectorum  kann man die Umsetzung sehr schön sehen. Für mich hatte dieser erste Bau eines Hot Spots sehr viel mit Schnappatmung und echtem Abenteuer zu tun. Dieser Bau führt mich lustigerweise zuerst zum Gärtner, sondern zu Baustellen und Sandkuhlen. Immer in dem Vertrauen, das nicht guter Boden, sondern bester Schutt die Voraussetzung für lebendige Vielfalt darstellt. 

Historischer Schutt ist meist unbelastet

Meine Reise nach gutem unbelasteten Bauschutt führte mich zu einem Hof, dessen Fachwerk neu ausgefacht werden sollte. Schutt nach meinem Geschmack. Historischer Schutt ist wenig belastet, die Steine aus naturbelassenem Material, ohne gefährliche Zuschlagstoffe. Der durfte kommen und ich dann den Vorschlaghammer schwingen. Zum Glück hatte ein Freund Erbarmen mit mir und hat mir diese echt schwere Arbeit abgenommen, ich wäre heute noch nicht fertig mit dem Zerschlagen. Es waren so schöne Steine dabei, das ich viele aufgehoben habe, um sie noch zu verbauen. Später. Ideen sind schon da, auch abgenommen durch meinen Garten. Uff.

Fertig zerschlagener Schutt

Nach dem Stein zerkloppen kam die Frage, welche Abdeckung da drauf? Nach Markus Gastl muss es eine grobe Kiesschicht mit viel 0-Anteilen sein. Diese obere Schicht wird das Pflanzbett und darf zu keiner Zeit und nimmernie Stauwasser halten. Wasser muss gleich wegfliessen können. Auch das will mir nicht recht in den Kopf, zumal ich weiss, was es für meine Beetpflanzen bedeutet, wenn Wasser gleich weg ist, mein dunkler Karnickelsand kann nämlich gar kein Wasser halten, ist aber dennoch nicht geeignet. Am Anfang war ich versucht, da wieder den Boden aufzubringen, dennoch, nein, ich halte mich an die Anleitung und suche hier in der Gegend (Kalk-)Schotter. Wir haben hier kein Kalkgestein. Also suchte ich lange und klapperte die Sandgruben der Umgebung ab. Irgendwann traf ich auf eine Grube und machte eine sehr spannenden Fahrt mit den dortigen Angestellten, um einen Berg mit Kalkschotter(?) zu finden. Es ist nicht klar, ob es Kalk oder ein anderer Steinschotter ist, ich kaufte dennoch 7m3 mit lehmigem Sand als 0-Anteil.

7m3, kaum von Hand zu schaufeln

Um den in vernünftigem Aufwand zu verteilen brauchte es wieder eine kleine Maschine und zwei willige Männer, die aber durch die Nutzung der Technik wenig Motivationsprobleme hatten. Ein kleiner Hoftruck mit Schaufel half beim Umschichten. Den Rest schaufelten wir aus der Mulde und nach drei Tagen war die Spirale gefüllt und die Mulde leer. 
Mein Angst bis Panik, das das alles nichts wird und nie etwas darauf wachsen wird, will aber immer noch nicht recht vergehen.

Fertig gefüllt, nun muss gepflanzt werden

Nun, drei Wochen schaute ich mir das an, liess etwas Regen darauf nieder regnen und alles sich etwas setzen. Ausserdem war es im August noch zu heiss für eine Neuanpflanzung. 
Die startet nun, vorher hebe ich aber noch die Grasnarbe um einen Teil der Spirale ab, denn um die Spirale soll es auch mager grünen und wenig Rasen sich an den Steinen lang hangeln. Gute Kräuter und insektenfreundliche Pflanzen sind da besser.

Auch aussen herum trage ich die Grasnarbe ab

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Autor:
Ulrike Lohmann
Garten der Gartenphilosophin
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