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Weißfäule und Holzarten
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:43
von Somnia
Es heißt, für den Käferkeller sei weißfaules Holz sinnvoll. Weiß jemand warum?
Weißfäulepilze bauen im Holz Cellulose, Hemicellulose und Lignin ab. (Dagegen Braunfäulepilze überwiegend Cellulose)
Die Holzstruktur bleibt erhalten, daß Holz wird aber heller, faserig, leichter.
Wenn man Holz mit den Pilzen impft, (Pilzfamilien findet man in Wikipedia, unter Evolution und Erreger, ich erkenne da dem Namen nach nur Champignonartige) könnte man den Käferkeller wohl auch als Ertragszone nutzen... bei oberflächlichen Lesen in Käferforen dauert es wohl zulange, um nur Käferfutter zu machen.
Weswegen ich überhaupt da reingeschaut habe, ist, weil ich die Holzarten wissen möchte, die für den Käferkeller gut sind.
Das hängt auch von der Käferart ab, der Hirschkäfer mag wohl Eiche.
Generell gehen Weißfäulepilze wohl eher an Laubbäume als an Nadelbäume, wobei es wohl auch eine Unterart gibt, die auf Kiefer geht (Wiki mal wieder, ich will nicht abschreiben)
Im Häckselhaufen liegt u.a. Cornus, Weide und da haben sich Nashornkäfer wohlgefühlt.
Welche Hölzer habt ihr, und konntet ihr bestimmte Käfer zuordnen?
Und hat jemand den Käferkeller als Pilzzucht mitgenutzt?
(Eingangspost aus dem alten Forum)
Re: Weißfäule und Holzarten
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:44
von Somnia
Zu diesem Thema kann ich dir das Buch
"Lebensraum Totholz" von Werner David
ans Herz legen.
Darin empfiehlt er auch jedem Totholzinteressenten die im März 2009 eingereichte Doktorarbeit von Dr. Georg Möller "Struktur- und Substratbindung holzbewohnender Insekten, Schwerpunkt Coleoptera- Käfer"
Da werden wohl ausführlich die Käferlebensräume behandelt.
Natürlich hat jede Käferart seine spezifischen Lebensbedingungen und Holzvorlieben, sowohl in der Holzart, als auch im Alter und Zersetzungszustand des jeweiligen Totholzes.
Ganz grob gesagt, ist aber die zunehmende Verpilzung des Holzes für die Entwicklung der Käferlarven erforderlich.
Am besten geeignet für unsere heimischen Käfer sind Laub- und Obstgehölze. Käfer und ihre Larven zerkleinern das Holz mechanisch mit ihren Kieferzangen, aber den eigentlichen Abbau übernehmen dann im Darm lebende symbiotische Bakterien . Eine in der Natur vorkommende Win- Win- Situation, in der zwei Organismen sich gegenseitig Nahrungsressourcen erschließen, auf die er andernfalls keinen Zugriff hätte.
Die Schlüsselrolle bei der Zerlegung des Totholzes in " verbraucherfreundliche kleinere Untereinheiten" ( wie Werner David es so schön beschrieb) , spielen hierbei die Pilze neben Bakterien , um für die Holzbesiedler zu Nahrungsquellen zu werden.
Darum vermute ich, ist das weißfaule Totholz das wertvollste unter den faulen Hölzern. Da die weiße, faserige Zellulose ( Vielfachzucker) beim Abbau aller drei Komponenten bis zuletzt übrig bleibt. Zumal vor allem Laubbäume durch Weißfäule verursachenden Pilze besiedelt werden.
Nadelbäume werden meist durch Braunfäule verursachenden Pilze besiedelt, Laubbäume nur selten.
Die Anzahl der Pilzarten nimmt mit zunehmender Härte des Holzes der jeweiligen Baumart ab. Es gibt wohl eine Schweizer Hitliste , eine Studie über die Pilzbesiedelung der verschiedenen Holzarten.
Es arbeiten viele verschiedene Pilzarten bis zur völligen Zersetzung des Holzes und jede Verottung ist in sich einzigartig.
In seinem Buch gibt es auch einige Seiten zum Pilzanbau auf Totholz mit einer kurzen Anleitung zur Pilzzucht.
(Antwort von Simbienchen im alten Forum)
Re: Weißfäule und Holzarten
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:46
von Somnia
Die Doktorarbeit von Dr. Georg Möller "Struktur- und Substratbindung holzbewohnender Insekten, Schwerpunkt Coleoptera- Käfer"
kann man sich als
PDF runterladen. (Tip von Simbienchen)
Kommentar von Mü/Alma dazu:
So wie ich es verstanden habe sind für den Käferkeller die Tabelle 'Ordnungsgruppe Bewohner verpilzter, oft unmittelbar am Boden liegender und in der Streu eingebetterter Hölzer vorzugsweise schwache Dimensionen' interessant.
Seite 181.
Da stehen in der letzten Spalte die Holzarten. Die Kürzel der Holzarten stehen auf Seite 77. L, N, LN heißt einfach Laub/Nadel bzw. Laub und Nadelholz.
Für uns noch interessant sind die liegenden Hölzer stärkere Dimensionen (ab 35cm Durchmesser) und die Stubben. Seite 177, 178
Das sind Strukturen, die in jedem Garten umsetzbar sind und vom Gewicht her noch tragbar.
Welche sind pilzreiche Holzarten
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:49
von Somnia
Die von Werner David in seinem Buch erwähnte Schweizer Hitliste , eine Studie über die Pilzbesiedelung der verschiedenen Holzarten ist auch im Internet als
pdf hinterlegt.
(von Simbienchen)
Hirschkäfer
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:54
von Somnia
https://www.waldwissen.net/wald/tiere/i ... n/index_DE
https://www.waldwissen.net/wald/tiere/i ... n/index_DE
Z.B. der Hirschkäfer benötigt Totholz als Lebensraum.
Der Hirschkäfer lebt bis zu sechs Jahre lang versteckt als Larve und dann als Puppe im Totholz, ehe er kurz als Käfer auftaucht. Meist brummt er dann von Mitte Mai bis Ende Juli partnersuchend umher. Er ernährt sich von zuckerhaltigen Baumsäften. Seine Lieblingsplätze sind alte, wunde Laubbäume, besonders Eichen, die äußerlich saften und innerlich bereits modern. Die wünscht er sich möglichst an lichten Standorten. Denn Käferlarven lieben Wärme.
(Simbienchen)
Weißfäule und Braunfäule
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:57
von Somnia
Weißfaulem Totholz
Bei der Weißfäule werden alle drei Komponenten vom Holz abgebaut: Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Befallen werden vor allem Laubbäume. Da prozentual gesehen mehr Zellulose als Lignin vorhanden ist, bleibt auch beim Abbau aller drei Komponenten im Endstadium die weiße, faserige Zellulose zurück.
Bei der Braunfäule werden nur Zellulose und Hemizellulose abgebaut, das Lignin bleibt übrig. Dieser relativ seltene Zersetzungstyp tritt in erster Linie bei Nadelbäumen auf. Das Holz wird dabei spröde und brüchig, im Endstadium lässt sich das befallene Holz zwischen den Fingern zu feinem Pulver zerreiben. Auffällig bei der Braunfäule ist die intensive rot-braune Farbe des zurückbleibenden Lignins.
(Von CHX aus dem alten Forum)