
Wie ja mein Hortus-Name schon nahelegt, ist das ein Problem, das wir teilen...
Die schlechten Nachrichten zuerst: DIe Bekämpfung ist ein Kampf gegenen Windmühlen, und selbst wenn es dir gelänge, die Wühlmäuse auf deinem Grundstück zu tilgen, können ihre Geschwister ja jederzeit wieder zuwandern – es ist also eigentlich sinnlos.
"Pflanzen gegen Wühlmäuse" haben sich bei mir ausnahmslos als Illusion erwiesen – ich erinnere mich noch an ein Jahr, da kam die Öffnung eines Wühlmausganges direkt an einer Kaiserkrone raus, die ja oft als "Vergrämungsmittel" gegen Wühlmäuse angepriesen wird. Soviel dazu. (Ich könnte die "debunked"-Liste noch fortsetzen, bei Interesse gerne fragen. Meiner Erfahrung nach werden die so "beworbenen" Pflanzen selbst nicht gefressen, aber sie helfen nicht, ihre Nachbarn zu schützen.)
Wühlmäuse fressen beinahe alles und insbesondere Gehölzpflanzungen können zur Herausforderung werden. Ich habe z.B. zwei oder drei mal versucht, eine wilde Birne im Vorgarten zu pflanzen, aber selbst in doppelt gelegten (unverzinkten) Wühlmaus-Schutznetzen aus Draht wurden sie gefressen (Löcher reingebissen) und im nächsten Frühjahr konnte ich die Stämmchen mit zwei Fingern aus der Erde ziehen.
Wenn du, wie ich, emotionale Bindungen zu spezifischen Pflanzen aufbaust, würde ich raten, davon Ableger zu machen und mindestens einen davon als Reservepflanze im Kübel zu halten.
Generell wirst du dich wohl, wie ich es auch musste, von der Vorstellung verabschieden müssen, ein Beet mit X Pflanzen bepflanzen zu können und dann über Jahre das auf- und einwachsen der Pflanzen beobachten zu können. Alle Pflanzen wachsen hier quasi mit geborgter Zeit, und man kann Glück haben und sie halten jahrelang, aber vielleicht sind sie schon im nächsten oder übernächsten Jahr wieder verschwunden...
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Wie gerade schon gesagt
gibt es Pflanzen, die jahrelang überleben. Die Wühlmäuse gehen also nicht wie ein unterirdischer Pflug vor und tilgen flächig alles, was sie finden. Es ist eher so, daß immer mal hier, mal da Pflanzen verschwinden. Und einige Pflanzen überleben hier schon seit bald 10 Jahren am selben Standort, es ist also nicht so, daß man alle zwei Jahre das Beet komplett neu gestalten müsste.
Aus dem Pflanzenverlust ergibt sich auch ein positiver Aspekt: man hat immer wieder Gelegenheit, neue Pflanzen auszubrobieren. Das klingt erstmal nach einem schwachen Trost, aber ich jedenfalls lese gerne über Pflanzen und entdecke immer wieder neue Arten, die ich mal in den Garten holen möchte. Obwohl wir ein relativ großes Grundstück haben, ist aber auch hier der Platz in den Beeten begrenzt, und wenn dann mal was verschwindet, hat man plötzlich wieder eine schöne Lücke, in die was neues hineinpasst.
Bei den Frühblühern habe ich die Erfahrung gemacht, daß Narzissen, Schneeglöckchen, Allium-Varianten und bedingt auch Muscari relativ gut überleben. Versch. Scilla halten sich hier auch ganz gut. Man kann also trotzdem schöne Frühblüher-Flächen anlegen, nur halt nicht so artenreich, wie man es vielleicht gerne hätte. (Wild-)Tulpen haben besonders schlechte Karten, da helfen dann nur verzinkte Pflanzkörbe, wenn man sie dauerhaft an einem bestimmten Ort haben will (durch die Plastikkörbe, die man dafür im Handel bekommt, knabbern sich die Wühlmäuse mühelos durch).
Nicht zu vergessen sind die Hummeln, die offene Erdlöcher brauchen und sich selbst in bewohnten Gängen gegen Wühlmäuse durchsetzen können. Auf ihre Weise tragen also auch Wühlmäuse zur ökologischen Vielfalt bei, auch wenn nicht so, wie man sich das als Gärtner wünschen würde.
Insgesamt kann ich deine Betrübnis sehr, sehr gut verstehen und ich war hier auch schon phasenweise am Verzweifeln. Man investiert ja viel Zeit und Mühe, und dann kommt so ein bescheuerter Nager, der noch nicht mal niedlich aussieht

und macht vieles wieder zunichte. Das ist jetzt vielleicht kein so motivierender Satz, aber ich habe tatsächlich einige Jahre gebraucht, bis ich mich damit wirklich abgefunden habe und nicht bei jedem einzelnen Wühlmausopfer traurig wurde. Aber ich habs geschafft und dsa Leben wie der Garten geht auch mit Wühlmaus weiter.
Wenn du magst, spaziere ich gerne mal durch den Garten und mache eine Liste von den Pflanzen, die sich hier als relativ wühlmausfest erwiesen haben. Ansonsten sind Pflanzen, die sich gerne selbst aussäen, deine neuen besten Freunde

Das ist gewissermaßen auch meine Pointe zu diesem viel zu langen Text: Als Wühlmaus-Gärtner*in muß man Dynamik im Garten akzeptieren und fördern – dann kommt man zurecht.