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Wie hot sind eure Hotspots? - Diskussion um Magerkeit

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Bei mir ist ja eh alles mehr oder weniger mager und ich renne jedem Nährstoff- und Lehmkrümelchen nach für mein Gemüse. Ich brauche hier eigentlich nichts abmagern. Oder doch - magerer als mager geht immer.

Eine ganz interessante Erkenntnis hatte ich als mal eine Naturschutzbeauftragte hier war und sagte:'hier ist ja eh schon alles sehr strukturreich'. Davor sah ich nur meine Wiese auf der ein paar Bäume wachsen (Obst und Birken) und meine kleine Sträucherecke, die aber noch sehr ausbaufähig ist.

Wenn ich den Blick weiter schweifen lasse sehe ich den Waldsaum entlang der Lauter (kleines Flüsschen), die Bäume und Sträucher auf Nachbars Wiesen, die gemähten und ungemähten Wiesen, den Hohlweg, die Gemüsegärten, die Schafe, Hühner und Rinder die hier fressen.

Tatsächlich sehr strukturreich. Ich hatte es nur vorher gar nicht gesehen weil ich mich nur auf mein Grundstück fokussiert habe.

 

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tree12, Primulaveris und 4 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
tree12PrimulaverisStefanieDorotheeGsaelzbaerDorfgärtner
Zitat von am 6. Juni 2021, 11:40 Uhr
Zitat von Amarille am 2. Juni 2021, 19:48 Uhr

Mein Buch ist zwar interessant, aber wirklich hilfreiches hab ich nicht gefunden.

ich habe das Buch auch. Viele Infos und ein schönes Nachschlagewerk.

Aber für das hier diskutierte Thema nicht brauchbar. Bawü ist halt doch groß und seehr unterschiedlich. Schwäbische Alb mit kalkigem Lehm auf 1000m, Schwarzwald Buntsandstein sauer regenreich und Rheinebene mit Sand und fast tropisch. Alle Pflanzen die dort vorkommen sind da beschrieben. Das hilft dir für deinen Standort nicht wie du auch schon gemerkt hast.

Frag doch mal bei der Forst FH in Rottenburg nach. Die machen auch viel in der Richtung. ist doch nicht so weit weg von dir, oder?

https://www.hs-rottenburg.net/hochschule/ansprechpersonen/professorinnen/prof-dr-thomas-gottschalk/

Ist jetzt nicht direkte Nachbarschaft. Ich war aber schon auf dem Spitzberg  und der Wurmlinger Kapelle, von daher kann ich klar sagen das man "meine" Kulturlandschaft mit der vom Spitzberg nicht wirklich vergleichen kann. Bei uns hier ist klar die Monokultur Weinbau vor herrschend, Wiesen/Streuobst gab es sicher schon wesentlich mehr, die sind aber in Folge der Aufgabe vieler kleiner Nebenerwerbsbetriebe alle an die Großbetriebe übertragen worden (Pacht, Verkauf) und durch industielle Landbearbeitung ersetzt worden. D.h. die Äcker sind größer geworden, Obstbäume weniger. Wir haben noch schöne Landschaftsgebiete mit Felsen und Magerstandorte, die haben überlebt weil sie nichts wirtschaftlich abwerfen. Steillagenweinberge werden vermehrt aufgegeben und verbuschen. Die einen nennen es Verlust einer Kulturlandschaft, die anderen sehen darin ein Gewinn für die Biodiversität und die Natur. Ich beobachte seit diesem Frühjahr was hier so wächst und wo es wächst, das wird erstmal meine Grundlage sein. Für den Winter hab ich jetzt ja genug Lesestoff.

Mü und Gsaelzbaer haben auf diesen Beitrag reagiert.
Gsaelzbaer
Wer die Saat hat, hat das Sagen

Zu heimischen Gehölzen hab ich ne interessante Internetseite gefunden, betr. Ba-Wü, in der Liste finden sich aber fast alle Orte:

https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/63670

dort unter Download.

@gsälzbär - Oedheim siehe S. 59

Primulaveris und Zooni haben auf diesen Beitrag reagiert.
PrimulaverisZooni
Wer die Saat hat, hat das Sagen

Moin an alle,

eine sehr interessante Diskussion!

Das Thema Hotspot bereitet mir in meinem Hortus auch das meiste Kopfzerbrechen, da ich mir hier in Norddeutschland keine „Felslandschaften/Geröllfelder“ vorstellen kann. Sie passen hier einfach nicht ins Landschaftsbild.

Hier gibt es die Marsch (unheimlich fruchtbar und meist ziemlich feucht, sogar nass), viele Moore (Hoch- und Niedermoore), Strand, Dünen, Sandgruben, Deiche, Kleipütten (Teiche vom Deichbau), Salzwiesen (fruchtbarer, feuchter Boden, aber durch das Salzwasser trocken wie eine Wüste) und die Geestrücken/-inseln (Endmoränen mit viel Sand und runden Steinen, die bei der Bearbeitung an die Oberfläche kommen). Alles hat seine eigenen Pflanzengesellschaften und das finde ich schon ganz schön vielfältige Lebensräume!

Bis auf die Marschländer sind das alles Lebensräume für Spezialisten und damit m.E. Hotspots!

Was bringt mir ein Alpengarten auf 6 m üNHN? Das Klima ist ein ganz anderes. In den Alpen sind die Winter kalt und trocken (Schnee), bei uns sind die „Winter“ meist mild und es regnet oder ist über Wochen neblig. Dazu kommt ein mehr oder weniger kräftiger Wind. Und wenn mal Frost ist, ist es meistens Kahlfrost.

M.E. sollte ein Hotspot zur, den Hortus (ursprünglich) umgebenden Landschaft passen. Daher finde ich den Ansatz mit den Lebensraumführern und Streifzügen durch die Natur und deren Beobachtung den Besten. Ich halte es jedenfalls so. Schließlich werden sich hier auch eher die, in der Gegend ursprünglich beheimateten Insekten, Vögel etc. einfinden.

Für den „Hortus der Nachtkerzen“ ergeben sich daraus Hotspots mit zumeist „zugelaufenen“ Blumen bzw. Kräutern, die sich darin wohlfühlen. Teilweise sind es auch gekaufte, die jetzt vagabundieren.

Die Hotspots sind Waldränder, 1 fettes und 2 magere Wiesenstücke, ein sehr sandiges Beet mit einem Friesenwall und einer Pyramide (Lesesteine) sowie überall kleine Lesesteinhaufen. Eben so, wie die Landschaft, die uns hier noch vor 100 Jahren umgeben haben dürfte, vermutlich aussah, mit vielen Übergängen zwischen Hotspot und Puffer- bzw. Ertragszone. Die einzige Pflege, die die Wiesen erhalten ist ein Schnitt (1 – 2 x/Jahr). Wird ein Kräutlein oder Blümchen zu raumgreifend, wird es dann zurückgestutzt. Ab und zu pflanze ich auch mal etwas Passendes dazu, wie z. B. Pechnelken oder „gerettete“ Fetthennen. Hauptsache insektenfreundlich. Bei uns geht alles – nur kein stures Dogma!

Im Moment mache ich eine Bestandsaufnahme. Einige Neuzugänge müssen erst noch blühen, bevor ich sie bestimmen kann. Aktuell beläuft sich der bekannte Bestand in Puffer- und Hotspotzone auf ca. 50 bzw. 170 Pflanzenarten (ohne Gräser, inkl. Beerensträucher und das bei umgebender Monokultur!). In der Ertragszone dürften nochmal ca. 20 Arten hinzukommen. 10 der 220 werden uns noch verlassen, denn sie sind deutlich nicht insektenfreundlich.

@primulaveris: Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele werden. Aber bei ganz genauem Hinschauen findet man mehr als man denkt!

Was nun das „Problem“ mit den Pflanzen für Magerstandorte betrifft:

Ich nehme mal das Beispiel Salzwiese, weil es mir am geläufigsten ist. Hier wachsen super spezialisierte Pflanzen. Sie können auf salzigem Boden wachsen und kommen mit wenig Süßwasser klar, wobei ihre Wurzeln gleichzeitig in mit Salzwasser getränkter, meist nasser, stark verdichteter Erde stehen. Sie haben ihre Strategien entwickelt, um damit klar zu kommen. Diese Pflanzen wachsen meist sehr langsam und sind konkurrenzschwach. Sie können auch ohne Salz und auf gutem Gartenboden sehr gut leben! Der Strandflieder war zu Trockenblumenzeiten eine sehr beliebte Pflanze oder die Grasnelke. Auf diesen guten Böden wachsen aber auch die sehr konkurrenzstarken, schnellwüchsigen „Fettwiesen-Pflanzen“ und denen sind diese Arten einfach nicht ohne unsere Hilfe gewachsen.

Genauso ergeht es auch den übrigen Pflanzen für Magerstandorte!

Wenn ich den Ansatz des 3-Zonen-Gartens richtig verstehe, geht es ja nicht darum um jeden Preis diese Spezialisten im Garten zu haben, um sie dann intensiv pflegen zu müssen! Was auf einem nährstoff-/humusreichen Boden der Fall wäre, sondern darum, dass sich die Pflanzungen/Anlagen ohne größere Pflegemaßnahmen auch über längere Zeit selbst stabil erhalten können. (Von der natürlichen Sukzession mal abgesehen!) Und das kann eigentlich nur mit an die Umgebung, die Gegebenheiten und das Klima angepassten Pflanzungen funktionieren. Und der Fußabdruck bleibt, denke ich am kleinsten, wenn wir mit dem Material und den Pflanzen arbeiten die wir bei uns vorfinden.

LG

Martin, Yorela und 8 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
MartinYorelatree12PrimulaverisTillivillaDorotheeGsaelzbaerAmarilleOostfreesen Jung
Zitat von Nachtkerze am 7. Juni 2021, 15:52 Uhr

Moin an alle,

eine sehr interessante Diskussion!

Das Thema Hotspot bereitet mir in meinem Hortus auch das meiste Kopfzerbrechen, da ich mir hier in Norddeutschland keine „Felslandschaften/Geröllfelder“ vorstellen kann. Sie passen hier einfach nicht ins Landschaftsbild.

Hier gibt es die Marsch (unheimlich fruchtbar und meist ziemlich feucht, sogar nass), viele Moore (Hoch- und Niedermoore), Strand, Dünen, Sandgruben, Deiche, Kleipütten (Teiche vom Deichbau), Salzwiesen (fruchtbarer, feuchter Boden, aber durch das Salzwasser trocken wie eine Wüste) und die Geestrücken/-inseln (Endmoränen mit viel Sand und runden Steinen, die bei der Bearbeitung an die Oberfläche kommen). Alles hat seine eigenen Pflanzengesellschaften und das finde ich schon ganz schön vielfältige Lebensräume!

Bis auf die Marschländer sind das alles Lebensräume für Spezialisten und damit m.E. Hotspots!

Was bringt mir ein Alpengarten auf 6 m üNHN? Das Klima ist ein ganz anderes. In den Alpen sind die Winter kalt und trocken (Schnee), bei uns sind die „Winter“ meist mild und es regnet oder ist über Wochen neblig. Dazu kommt ein mehr oder weniger kräftiger Wind. Und wenn mal Frost ist, ist es meistens Kahlfrost.

M.E. sollte ein Hotspot zur, den Hortus (ursprünglich) umgebenden Landschaft passen. Daher finde ich den Ansatz mit den Lebensraumführern und Streifzügen durch die Natur und deren Beobachtung den Besten. Ich halte es jedenfalls so. Schließlich werden sich hier auch eher die, in der Gegend ursprünglich beheimateten Insekten, Vögel etc. einfinden.

Für den „Hortus der Nachtkerzen“ ergeben sich daraus Hotspots mit zumeist „zugelaufenen“ Blumen bzw. Kräutern, die sich darin wohlfühlen. Teilweise sind es auch gekaufte, die jetzt vagabundieren.

Die Hotspots sind Waldränder, 1 fettes und 2 magere Wiesenstücke, ein sehr sandiges Beet mit einem Friesenwall und einer Pyramide (Lesesteine) sowie überall kleine Lesesteinhaufen. Eben so, wie die Landschaft, die uns hier noch vor 100 Jahren umgeben haben dürfte, vermutlich aussah, mit vielen Übergängen zwischen Hotspot und Puffer- bzw. Ertragszone. Die einzige Pflege, die die Wiesen erhalten ist ein Schnitt (1 – 2 x/Jahr). Wird ein Kräutlein oder Blümchen zu raumgreifend, wird es dann zurückgestutzt. Ab und zu pflanze ich auch mal etwas Passendes dazu, wie z. B. Pechnelken oder „gerettete“ Fetthennen. Hauptsache insektenfreundlich. Bei uns geht alles – nur kein stures Dogma!

Im Moment mache ich eine Bestandsaufnahme. Einige Neuzugänge müssen erst noch blühen, bevor ich sie bestimmen kann. Aktuell beläuft sich der bekannte Bestand in Puffer- und Hotspotzone auf ca. 50 bzw. 170 Pflanzenarten (ohne Gräser, inkl. Beerensträucher und das bei umgebender Monokultur!). In der Ertragszone dürften nochmal ca. 20 Arten hinzukommen. 10 der 220 werden uns noch verlassen, denn sie sind deutlich nicht insektenfreundlich.

@primulaveris: Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele werden. Aber bei ganz genauem Hinschauen findet man mehr als man denkt!

Was nun das „Problem“ mit den Pflanzen für Magerstandorte betrifft:

Ich nehme mal das Beispiel Salzwiese, weil es mir am geläufigsten ist. Hier wachsen super spezialisierte Pflanzen. Sie können auf salzigem Boden wachsen und kommen mit wenig Süßwasser klar, wobei ihre Wurzeln gleichzeitig in mit Salzwasser getränkter, meist nasser, stark verdichteter Erde stehen. Sie haben ihre Strategien entwickelt, um damit klar zu kommen. Diese Pflanzen wachsen meist sehr langsam und sind konkurrenzschwach. Sie können auch ohne Salz und auf gutem Gartenboden sehr gut leben! Der Strandflieder war zu Trockenblumenzeiten eine sehr beliebte Pflanze oder die Grasnelke. Auf diesen guten Böden wachsen aber auch die sehr konkurrenzstarken, schnellwüchsigen „Fettwiesen-Pflanzen“ und denen sind diese Arten einfach nicht ohne unsere Hilfe gewachsen.

Genauso ergeht es auch den übrigen Pflanzen für Magerstandorte!

Wenn ich den Ansatz des 3-Zonen-Gartens richtig verstehe, geht es ja nicht darum um jeden Preis diese Spezialisten im Garten zu haben, um sie dann intensiv pflegen zu müssen! Was auf einem nährstoff-/humusreichen Boden der Fall wäre, sondern darum, dass sich die Pflanzungen/Anlagen ohne größere Pflegemaßnahmen auch über längere Zeit selbst stabil erhalten können. (Von der natürlichen Sukzession mal abgesehen!) Und das kann eigentlich nur mit an die Umgebung, die Gegebenheiten und das Klima angepassten Pflanzungen funktionieren. Und der Fußabdruck bleibt, denke ich am kleinsten, wenn wir mit dem Material und den Pflanzen arbeiten die wir bei uns vorfinden.

LG

Ich denke du hast mit deinem Post den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich sehe das auch so und das war für mich schon immer der Grundantrieb. Was hier wächst und gedeiht und ins Bild passt darf hier sein, in geballter Form eben. Viele meiner Pflanzen finde ich in der heutigen Zeit auf Feld, Wiesen und Flur nicht mehr. ABER, es gab sie einst und darum darf es bei mir dann auch geballt sein. Alles wird sich eh nicht etablieren und das ist auch okay.

 

Meine Steinbeetumrandungen z. B.(Muschelkalkstein) sind Steine direkt von hier. Das Haus in dem ich wohne STEHT auf selbigem Stein/Fels. Schotter, Sand und Kies wurde in der Vergangenheit hier abgebaut, Spuren davon drüben am Fluss sind still gewordene Zeugen.

Ich finde im Garten darf nichts "fremd" wirken. So habe ich in diesem Jahr so meine Probleme mit dem türkischen Mohn. Er blüht grandios, keine Frage, da gehen alle Köpfe rum und jeder sagt "boahhhh". Aber seit diesem Jahr kommt er mir irgendwie "falsch" vor.

Vielleicht ist das die Entwicklung der letzten Jahre....aber das ist gut und richtig so!

 

Ich denke manchmal es ist hilfreicher 3, 4 größere Spaziergänge in der eigenen Region zu machen und die Augen offen zu halten, als 1000 Bücher zu wälzen. So zumindest für den Anfang?! Einfach mal aufschreiben was habe ich gesehen, was gefällt mir, was passt größenmäßig in meinen Garten. Vielleicht so?

@amarille , danke für die Aufmerksamkeit!

Fällt mir grade so ein, solch eine Liste gibts bei uns sogar im Rathaus! Ich habe sie mal vor Jahren per Mail bekommen, weil vor unserem Haus ein kl. Teil Fläche nur gepachtet ist. Da ich den Rand zw. Garten und diesem Stück (u.a.Parkfläche)bepflanzen wollte, schickte man mir diese Liste mit der bitte nur heimisches, möglichst von dieser Liste zu pflanzen. Nun, da ich ja so ein lieber Kerl bin, kam ich dem auch nach.

Vogelbeere

Haselnuss

Feldahorn

Eibe

Ok, bei der Akazie wusste ichs nicht besser - motzt aber auch keiner :-)

tree12, Primulaveris und 4 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
tree12PrimulaverisTillivillaDorotheeKataFuxNachtkerze
Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. (Victor Hugo)
Zitat von Nachtkerze am 7. Juni 2021, 15:52 Uhr

Moin an alle,

eine sehr interessante Diskussion!

Das Thema Hotspot bereitet mir in meinem Hortus auch das meiste Kopfzerbrechen, da ich mir hier in Norddeutschland keine „Felslandschaften/Geröllfelder“ vorstellen kann. Sie passen hier einfach nicht ins Landschaftsbild.

Hier gibt es die Marsch (unheimlich fruchtbar und meist ziemlich feucht, sogar nass), viele Moore (Hoch- und Niedermoore), Strand, Dünen, Sandgruben, Deiche, Kleipütten (Teiche vom Deichbau), Salzwiesen (fruchtbarer, feuchter Boden, aber durch das Salzwasser trocken wie eine Wüste) und die Geestrücken/-inseln (Endmoränen mit viel Sand und runden Steinen, die bei der Bearbeitung an die Oberfläche kommen). Alles hat seine eigenen Pflanzengesellschaften und das finde ich schon ganz schön vielfältige Lebensräume!

Bis auf die Marschländer sind das alles Lebensräume für Spezialisten und damit m.E. Hotspots!

Was bringt mir ein Alpengarten auf 6 m üNHN? Das Klima ist ein ganz anderes. In den Alpen sind die Winter kalt und trocken (Schnee), bei uns sind die „Winter“ meist mild und es regnet oder ist über Wochen neblig. Dazu kommt ein mehr oder weniger kräftiger Wind. Und wenn mal Frost ist, ist es meistens Kahlfrost.

M.E. sollte ein Hotspot zur, den Hortus (ursprünglich) umgebenden Landschaft passen. Daher finde ich den Ansatz mit den Lebensraumführern und Streifzügen durch die Natur und deren Beobachtung den Besten. Ich halte es jedenfalls so. Schließlich werden sich hier auch eher die, in der Gegend ursprünglich beheimateten Insekten, Vögel etc. einfinden.

Für den „Hortus der Nachtkerzen“ ergeben sich daraus Hotspots mit zumeist „zugelaufenen“ Blumen bzw. Kräutern, die sich darin wohlfühlen. Teilweise sind es auch gekaufte, die jetzt vagabundieren.

Die Hotspots sind Waldränder, 1 fettes und 2 magere Wiesenstücke, ein sehr sandiges Beet mit einem Friesenwall und einer Pyramide (Lesesteine) sowie überall kleine Lesesteinhaufen. Eben so, wie die Landschaft, die uns hier noch vor 100 Jahren umgeben haben dürfte, vermutlich aussah, mit vielen Übergängen zwischen Hotspot und Puffer- bzw. Ertragszone. Die einzige Pflege, die die Wiesen erhalten ist ein Schnitt (1 – 2 x/Jahr). Wird ein Kräutlein oder Blümchen zu raumgreifend, wird es dann zurückgestutzt. Ab und zu pflanze ich auch mal etwas Passendes dazu, wie z. B. Pechnelken oder „gerettete“ Fetthennen. Hauptsache insektenfreundlich. Bei uns geht alles – nur kein stures Dogma!

Im Moment mache ich eine Bestandsaufnahme. Einige Neuzugänge müssen erst noch blühen, bevor ich sie bestimmen kann. Aktuell beläuft sich der bekannte Bestand in Puffer- und Hotspotzone auf ca. 50 bzw. 170 Pflanzenarten (ohne Gräser, inkl. Beerensträucher und das bei umgebender Monokultur!). In der Ertragszone dürften nochmal ca. 20 Arten hinzukommen. 10 der 220 werden uns noch verlassen, denn sie sind deutlich nicht insektenfreundlich.

@primulaveris: Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele werden. Aber bei ganz genauem Hinschauen findet man mehr als man denkt!

Was nun das „Problem“ mit den Pflanzen für Magerstandorte betrifft:

Ich nehme mal das Beispiel Salzwiese, weil es mir am geläufigsten ist. Hier wachsen super spezialisierte Pflanzen. Sie können auf salzigem Boden wachsen und kommen mit wenig Süßwasser klar, wobei ihre Wurzeln gleichzeitig in mit Salzwasser getränkter, meist nasser, stark verdichteter Erde stehen. Sie haben ihre Strategien entwickelt, um damit klar zu kommen. Diese Pflanzen wachsen meist sehr langsam und sind konkurrenzschwach. Sie können auch ohne Salz und auf gutem Gartenboden sehr gut leben! Der Strandflieder war zu Trockenblumenzeiten eine sehr beliebte Pflanze oder die Grasnelke. Auf diesen guten Böden wachsen aber auch die sehr konkurrenzstarken, schnellwüchsigen „Fettwiesen-Pflanzen“ und denen sind diese Arten einfach nicht ohne unsere Hilfe gewachsen.

Genauso ergeht es auch den übrigen Pflanzen für Magerstandorte!

Wenn ich den Ansatz des 3-Zonen-Gartens richtig verstehe, geht es ja nicht darum um jeden Preis diese Spezialisten im Garten zu haben, um sie dann intensiv pflegen zu müssen! Was auf einem nährstoff-/humusreichen Boden der Fall wäre, sondern darum, dass sich die Pflanzungen/Anlagen ohne größere Pflegemaßnahmen auch über längere Zeit selbst stabil erhalten können. (Von der natürlichen Sukzession mal abgesehen!) Und das kann eigentlich nur mit an die Umgebung, die Gegebenheiten und das Klima angepassten Pflanzungen funktionieren. Und der Fußabdruck bleibt, denke ich am kleinsten, wenn wir mit dem Material und den Pflanzen arbeiten die wir bei uns vorfinden.

LG

Als Nordlicht bei Hamburg kann ich dir hier nur zustimmen, mein Garten liegt z.b mitten neben einer Sumpf/Wald und Seenlandschaft, zudem haben wir eine recht hohe Bewaldung in der Gartenanlage mit 250 Jahren alten Eichen. Dadurch habe ich dann schon etwas mehr Schatten auf vielen Flächen und habe zwar eine kleine Wiese abgemagert, dennoch ist bei mir die größere Hotspotfläche eher das Totholz/Teich/Unterholzgebiet. Dadurch habe ich natürlich auch automatisch die dazugehörigen schattigeren Pflanzen (Farne, Nachtkerzen, Fingerhut usw.). Die alpinen Flächen wie z.b. in der Schweiz   vorhanden sind haben wir einfach nicht, dafür dann halt andere Gebiete und Ausrichtungen.

tree12, Dorothee und Oostfreesen Jung haben auf diesen Beitrag reagiert.
tree12DorotheeOostfreesen Jung
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