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Pflege eines Hortus

Ich stell mir grad die Frage wieviel Pflege und Eingreifen ein Hortus braucht. Reguliere ich zuviel, wieviel darf antiautoriät wachsen. Aus alter Gewohnheit mache ich mir über bestimmte Pflegemaßnahmen keine Gedanken, aber vielleicht sollte ich mir die machen? Wie arbeitet Ihr?

Viele Gärtner haben eine Meise

Ich jäte

Löwenzahn, Gras, kleine Pappeln, kleine Weiden. mähe Wiese. Versorge liebevoll mein Gemüse - und erfreue mich am ungepflegten Rest

Mü, Gsaelzbaer und Amarille haben auf diesen Beitrag reagiert.
GsaelzbaerAmarille
Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.

Also als Naturgärtner versuchen wir ja immer, möglichst viel Vielfalt zu schaffen. Und um das zu erhalten, ist ein gewisses Grundmaß an Pflege natürlich erforderlich. Wenn ich bei mir den Löwenzahn aus manchen Bereichen nicht raus nehme, nimmt der die ganze Fläche ein und der wertvolle, seltene Lebensraum ist nur noch 0815-Wiese. Und ansonsten ist das persönlicher Geschmack. Ich persönlich finde die Veränderungen sehr spannend, daher greife ich (außer bei „Unkraut“), nicht groß ein. Hauptsache die Elemente bleiben in der Art so wie ich sie angelegt habe (also entgegen der natürlichen Sukzession).

Gsaelzbaer und Amarille haben auf diesen Beitrag reagiert.
GsaelzbaerAmarille

Bei mir breiten sich in den im Herbst neu angelegten Beeten die Gänseblümchen aus. Noch lasse ich sie gewähren, sozusagen als Bodenschutz vor Austrocknung. Wenn die Initialpflanzen mehr Raum benötigen, kann ich sie immer noch jähten. Löwenzahn darf nur in der Wiese wachsen.

Den Hohlzahn habe ich aus den Beeten eingesammelt und in eine Schale gepflanzt. Der würde mir so verstreut im Garten zu viel Platz einnehmen.

Amarille hat auf diesen Beitrag reagiert.
Amarille

Liebe Amarille, wir sind Schwestern im Geiste... Erst gestern hatte ich so ein kleines Erlebnis, das mich wie Dich zum Nachdenken brachte und zu noch mehr Achtsamkeit ermahnte.

Ich hatte es eilig, sprang nur kurz raus in den kleinen Vorgarten, um ein paar Wildkräuter für die genesende Schildkröte zu pflücken. Das Gras stand ja hoch, das Foto hast Du ja gesehen (in der Zwischenzeit wurde der DHH-Nachbarvorgarten schon dreimal raspelkurz gemäht). Das erste, was passierte, als ich mein Wiesenstück betrat, war, daß ein ganz kleiner Grashüpfer vorbeischaute. Das machte mich sehr glücklich und sagte mir ganz deutlich: Nicht mit dem Rasenmäher mähen. Eigentlich ist es eh zu eng mit all den Gehölzen mittendrin und den Stauden an den Rändern.

Und da ja Feiertag war, nahm ich nichts Elektrisches und Krachmachendes in die Hand, sondern so einen ganz einfachen, altmodischen Rasenkantenschneider, ähnlich einer Schere. Ich war sehr lange mit dem Stückchen Wiese beschäftigt, es sieht jetzt so aus, als wenn ein Schaf alles abgeweidet hätte, ein bißchen unregelmäßig. Eigentlich müßte man ja sogar so ein kleines Stück abschnittsweise mähen zum Wohle der Bewohner. Weil das Gras aber nun schon so hoch war, wollte ich es der Nachbarin nicht länger zumuten und habe alles auf einmal gemacht. Jetzt brauchen weder sie noch ihre Tochter Angst haben, daß mein vieles Unkraut rüberwächst.

Jedenfalls habe ich am Daumen fast eine Blase bekommen von diesem komischen Gerät, aber der Grasschnitt durfte im Vorgarten verbleiben und liegt jetzt auf einem kleinen Asthaufen am Rand. Alles, was drin lebt, kann zurückkrabbeln. Weil ich ja händisch mähte und ganz langsam unter meinen Sträuchern herumkroch, konnte ich um jede einzelne Glockenblume drum herummähen. Die Campanula rapunculus habe ich schon einige Jahre in der Wiese, sie samt sich gut aus (war ein Geschenk der Vögel oder der Ameisen). Noch dazu entdeckte ich Sämlinge, die wie die Pfirsichblättrige Glockenblume aussehen... :-)   Die wäre ganz neu im Vorgarten und auch um diese Schönheit wurde sorgsam drum herum gemäht. Einem Rasenmäher wäre alles zum Opfer gefallen....

Es hat mich gestern einfach mal  wieder sehr berührt zu sehen, was alles kommt, wenn man es nur zuläßt und nicht akribisch "Ordnung" hält. Der Vorgarten vor zwölf Jahren war einmal Rasen, zwar kein englischer und sicher auch kein gedüngter, aber viel Leben war da nicht. Es ist nun eine Art kleine Streuobstwiese mit Aprikose, Zwergnektarine, Aronia und Zierapfel und ich sollte sie künftig wirklich nur abschnittsweise mähen.

Hinten im Garten gibt es ein paar Unkräuter, denen ich zu Leibe rücke: Sämlinge von Kirschlorbeer und Ilex. Und auch von Haselnuß und Walnuß. Ich muß ja mein Biotop vor völliger Verbuschung schützen, auch wenn es ein Waldgarten ist. Eigentlich ist das ja fast wie in einem richtigen Naturschutzgebiet, wo viele Flächen auch immer wieder freigestellt werden müssen. Ansonsten entferne ich rigoros das Geum urbanum, ich mag es einfach nicht. Auch den Gundermann muß ich im Zaum halten und den Efeu. Alles andere fällt bei mir unter "Wildkräuter", wovon sehr viele auch als Schildkrötenfutter dienen.

Ach ja, zunehmend stören mich die Rasengräser, die natürlich meinen, sich überall dazwischen mogeln zu müssen. Läuft mittlerweile eher unter "Unkraut".

Mein Fazit ist, daß man als Naturgärtner lernt, mit der Dynamik zu leben. Man hat sorgsam ein keines Beet hergerichtet - am nächsten Tag sind zwei Mauselöcher drin. Ok, da können irgendwann mal Hummeln einziehen... Der Kleine Wiesenknopf ist ganz nach unten in den Garten gewandert, wo er nicht hingehört.. ach, unterm Walnußbaum wächst also doch was... Vieles finden wir toll und spannend, anderes tolerieren wir zähneknirschend. Manches geht trotzdem nicht, wie zuviel Schneckenfraß im Gemüsebeet oder Wühlmausschäden, wenn sie überhand nehmen.

Malefiz, Primulaveris und 2 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
MalefizPrimulaverisGsaelzbaerAmarille

Also ich werde eingreifen müssen, im Moment, nach dem Regen, wächst es in jedem meiner Beete gefühlt zweilagig. Ich denke aber ich werde mich von vielen langjährige Stauden verabschieden die sich im Laufe der Jahre in großer Stückzahl vermehrt haben, ganz besonders die Taglilien (haben die überhaupt einen Naturwert?) und die ans Gartentor zum verschenken legen. In dem ganzen Gewusel hab ich heute schon eine weiße Taubnessel gesehen, die es vorher nicht gab und die ich auch nicht gesät habe. Gut das wir hier erst das Thema hatten. Ich lass mich überraschen .

Viele Gärtner haben eine Meise
Zitat von Amarille am 14. Mai 2021, 18:22 Uhr

ganz besonders die Taglilien (haben die überhaupt einen Naturwert?) und die ans Gartentor zum verschenken legen. In dem ganzen Gewusel hab ich heute schon eine weiße Taubnessel gesehen, die es vorher nicht gab und die ich auch nicht gesät habe. Gut das wir hier erst das Thema hatten. Ich lass mich überraschen .

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Simbienchen und Amarille haben auf diesen Beitrag reagiert.
SimbienchenAmarille
Zu hegen und zu pflegen sei bereit, das Wachsen überlaß der Zeit.
Zitat von Amarille am 14. Mai 2021, 9:06 Uhr

Ich stell mir grad die Frage wieviel Pflege und Eingreifen ein Hortus braucht. Reguliere ich zuviel, wieviel darf antiautoriät wachsen. Aus alter Gewohnheit mache ich mir über bestimmte Pflegemaßnahmen keine Gedanken, aber vielleicht sollte ich mir die machen? Wie arbeitet Ihr?

Ein Naturgarten und somit auch ein Hortus ist ja immer ein gestaltetes Stück Natur. Von daher sehe ich schon als meine Aufgabe auch regulierend einzugreifen, z.B. dass einzelne Pflanzen nicht die Gartenherrschaft übernehmen und die Vielfalt verdrängen. Einer meiner besonderen Lieblinge ist da der Giersch. Der war früher brav in ein paar Ecken, verhält sich aber seit letztem Jahr zunehmend invasiv. Ganz los werde ich natürlich nicht und will ich auch nicht, aber er soll nicht überall wachsen. Auch Löwenzahn lass ich nicht in meine Beete, in der Wiese darf er wachsen. Der Wiesenpippau hat mitlerweile auch einen Wiesenteil fest im Griff, da stech ab und zu mal ein bisschen aus, lass ihn aber im Großen und Ganzen gewähren. Gundermann lass ich momentan komplett wuchern. Ich mag seine kleinen blauen Blütchen und dort, wo er ist, wachsen höhere Stauden. Da darf er also gerne den Boden bedecken. Wenn ich die ein oder andere Ecke umgestalte, dann muss er dort aber vorläufig weichen.

Die Veränderungen im Garten finde ich aber grundsätzlich spannend und entferne nichts, bevor ich nicht weiß, was es ist. Da kommen durchaus ein paar Überraschungen. Seit letztem Jahr hab ich z.B. eine Zaunrübe und sie wächst an der perfekten Stelle. Ich hatte schon überlegt, dort eine hinzusetzen. Auch eine Königskerze war letztes Jahr erstmals da. Dieses Jahr habe ich zwei große Rosetten und auch sie haben sich sehr gute Plätze ausgesucht. Nachdem ich einen Flieder und mehrere Kirschbüsche ausgegraben habe, kam an der Stelle Fingerhut zum Vorschein. Den hab ich hier noch nie gesehen, aber meine Schwiegermutter hat wohl vor 30 Jahren dort welchen angesiedelt. Der hat jetzt bestimmt 20 Jahre auf seine Chance gewartet und wird wohl dieses Jahr blühen.

Wenn ich gar nicht eingreifen würde, dann würde unser Grundstück auch komplett verbuschen. Wir haben einen wilden Kirschbaum, der fleißig Ableger produziert. Da wäre innerhalb von ein paar Jahren kein Garten mehr übrig.

Summa summarum würde ich sagen: Eingreifen ja, aber immer mit Maß und Ziel und nicht in jeder Gartenecke gleich. Die richtige Balance muss wahrscheinlich jeder für sich selbst finden. Da gibt es kein allgemein gültiges Patentrezept.

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Malefiztree12PrimulaverisTillivillaDorotheeGsaelzbaerKataFuxAmarille

Dem Summa Summarum von Kirsten @morgi möchte ich mich hier gerne anschließen. Seit ich letztes Jahr begonnen habe, bei mir alles umzukrempeln, möchte ich es fast nicht gLauben, wie die Natur hier mit Macht zuschlägt. Und wenn ich meine Neupflanzungen sehe, die im Herbst noch ziemlich verloren dastanden und jetzt fast eingewachsen sind von (was auch immer  )..... sage ich mir, ein klitzeklein, minimal, ganz wenig "ordnende" Hand kann vielleicht doch nicht schaden.

Auf Disteln zum Beispiel scheine ich eine nahezu magische Anziehungskraft zu haben. Der neu gepflanzte Weißdorn verschwindet fast schon unter ihnen.   In einem Sketch von Loriot heißt es: "Wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin?"  Und ich möchte hier ausrufen: "Wo wachsen sie denn, wo wachsen sie denn noch hin?"

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Primulaveris, Kirsten und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
PrimulaverisKirstenDorotheeGsaelzbaerAmarille

Das Lied mit den Disteln sing ich mit, auch sonst hab ich das Gefühl das mein Garten explodiert. Letztes Jahr hab ich Gartenarbeit einfach erledigt, für jeden Gartenteil 1 Tag und dann war gut. Dieses Jahr fang ich an, erinnere mich an so viele schöne Ideen und Bilder von hier, dann der Gedanke "könntest du doch auch, wenn du schon mal dabei bist" und dann bin ich Tage an einer Stelle, während sich die anderen im wachsen überbieten. Allein sind hier alle Pflanzen an so viel Wasser von oben und die erträglichen Temperatuen gar nicht gewöhnt. Für die ist dieses 1. Halbjahr wie eine Wellnesskur. Für mich ist das Wetter ebenfalls perfekt, ich vertrage große Hitze auch ganz schlecht.

 

 

Simbienchen, tree12 und 3 andere Benutzer haben auf diesen Beitrag reagiert.
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