Nachgedacht: Vom Autobahnrasthof und Luxus-Ressort

Was bringt dem Insekt das Luxus-Ressort in der unerreichbaren Ferne, wenn es dieses nicht erreichen kann, weil ihm die Rasthöfe dazwischen fehlen?

Es kann nicht mal eben in den Zug oder das Flugzeug steigen, nein, es muss mühevoll selbst dorthin fliegen.

Nun hat das Insekt aber keine allzu große Reichweite.

Es braucht Orte, wo es verweilen und sich stärken kann.

Nun kann eben nicht jeder, sei es wegen Platz oder was auch immer, den perfekten Hortus zur Verfügung stellen.

Ja, mancher hat nur einen Balkon, aber wenn auf diesem Balkon nun wertvolle Pflanzen stehen, an denen das Insekt sich stärken kann, dann erreicht es womöglich auch einen Ort, wo es sich vermehren kann.

Dann ist so mancher Balkon oder Garten eben nur der Autobahnrasthof, wo das Insekt auftanken und sich einen Snack holen kann, aber ohne diesen Rasthof kommt es nirgendwo an und bleibt verhungert auf dem Standstreifen liegen, wo keiner anhält um es zu retten.

Es braucht eben auch den Rasthof, der so gar nicht perfekt für es ist, aber ihm immerhin Nahrung und einen Platz zum Ausruhen bieten kann.

Ohne Rasthof gibt es kein Netz für das Insekt, sondern nur unerreichbar ferne Oasen irgendwo im Nirgendwo.

Deswegen sollte man statt mit dem Zeigefinger darauf zu zeigen, was schlecht ist, hervor heben, was schon gut ist.

Deswegen sollte man statt zu sagen, dass diese und jene Pflanze nicht optimal ist, sagen, dass dies und jenes zusätzlich noch eine gute Idee wäre.

Deswegen sollte man, wenn man nur ein Bild sieht, weil man eben den Rest nicht sehen kann, nachfragen, was es da sonst noch gibt.

Und wenn jemand keinen Balkon oder Garten hat, aber fundiertes Wissen, das er teilen kann, dann ist er immer noch mehr Wert für das Netzwerk als jemand, der alles schlecht redet und jemanden, der etwas bewirken könnte, jegliche Lust verdirbt, die Motivation raubt und damit am Ende nicht zum Mitmachen begeistern kann.

Ein Netzwerk muss ein Netz sein und keine Inselkolonie wie im West-Pazifik.

Ein paar perfekte Gärten retten gar nichts.

Wir brauchen alle eine gemeinsame Motivation und jeder tut, was er kann.

Denn, wie sagt Markus immer so schön?

„Machen ist wie wollen, nur krasser.”

In diesem Sinne: Sei selbst der Wandel und nicht das Rädchen.


Autor:
Natascha Kolb
Hortus Brunnladesch

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