Eine hortane Geschichte

Diese hortane Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. 
So oder so ähnlich ist es geschehen, Ort und Personen sind frei erfunden. Sollte dennoch jemand denken, er könnte Teil dieser Geschichte sein, so bitte ich ihn, mir die künstlerische Freiheit dieses Textes zu gönnen.

” Eines Tages geschah es, dass auf der sonst immer ordentlich gemähten Wiese vorm Schloss ein Samenkörnchen landete. Es kam von irgendwoher her geweht, niemand hatte es zu sich eingeladen. Aber das Samenkörnchen war froh, endlich weich gelandet zu sein und es wollte gern zu einer Pflanze aufwachsen.
Der Gärtner erkannte sofort, dass da kein Gras wuchs, sondern etwas anderes. Aber er war milde und ließ das Pflänzchen im Rasen wachsen, denn in den herrschaftlichen Blumenbeeten hatte er so etwas noch nicht entdeckt. Jedesmal, wenn der Rasen gemäht werden musste, machte er einen großen Bogen um die Pflanze, damit ihr nichts Böses geschieht. Das bemerkte aber der Schlossherr und wollte solch eine Unordnung nicht dulden. Er gab dem Gärtner den Auftrag, dieses, er nannte es Unkraut, zu entfernen. Der Gärtner weigerte sich, aber das half dem Pflänzchen nicht, denn der Schlossherr zog sein Schwert und schlug die Pflanze ab. Nur die Wurzeln und ein paar Blättchen der Pflanze überlebten den Angriff. Unsere Pflanze nahm all ihren Lebensmut zusammen, sie wollte allen zeigen, dass sie wertvoll und schön war und wuchs nun um so kräftiger, bis der Schlossherr sie abermals entdeckte. Der Gärtner bangte sehr um die Pflanze, denn diese zeigte ihm schon ihre Knospen. Er bat die Blumenfeen, das Leben dieser einen Pflanze zu beschützen, wie sie es schon einmal taten. Und so geschah es, dass die Malve, so hieß unsere Blume, in einfacher Schönheit all ihre Blüten öffnen konnte. Ja, sie träumte schon davon, selbst einmal Samenkinder in die Welt schicken zu können. 
Dem Schlossherren gefiel das überhaupt nicht. So eine einfache Blume mit kleinen rosa ungefüllten Blüten, die auch noch wilde Bienen anlockten, wollte er nie und nimmer bei sich wachsen lassen. Er zog abermals sein Schwert und hieb sie um, noch bevor sie sich ihren Lebenstraum erfüllen konnte.
Tränen der Trauer weinte der Gärtner, die Feen überlegten, was sie nun noch tun könnten. Da hatten sie eine Idee. Sie segneten die Wurzeln unserer Malve abermals mit der Fähigkeit, grüne Triebe der Sonne entgegen zustrecken. Die Malve aber sah keinen Sinn darin, auf der Schlosswiese zu wachsen, immer in Angst um ihr Leben. Da erzählten die Feen der Malve ihren Plan. Diese schöpfte Hoffnung. Als sie wieder zu Kräften gekommen war, grub sie der Gärtner aus der Wiese und brachte sie an einen sicheren Ort. Dort pflanze er sie liebevoll in die Erde, gab ihr frisches Wasser zu trinken und wünschte ihr Frieden für den Rest ihres Blumenlebens. Unsere Malve wächst nun mit vielen anderen Pflanzen hoffentlich noch viele Jahre glücklich und zufrieden im Hortus Andersgarten.”

Gitta Wittich
Die Malve aus unserer Geschichte.

Gitta Wittich
Ich musste die Pflanze ordentlich zurückschneiden, damit sie eine Chance hat, anzuwachsen.

Gitta Wittich
Da kann sie ihrer Bestimmung entgegenblicken. Die Bienchen im nächsten Jahr freuen sich bestimmt schon auf sie.

Gitta Wittich
Das, was ich abschneiden musste, habe ich in einen Blumentopf ins Sumpfbeet gestellt. Sie blühen hier weiter.


Autor:
Gitta Wittich
Hortus Andersgarten
Hortus Andersgarten auf FB

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