Die ökologische Sicht der Dinge

Der missbrauchte Begriff!

Nachdem „Bio“ als Vorsilbe für alles Mögliche herhalten musste und an Glaubwürdigkeit verloren hat, ist jetzt „Öko“ dran.

Ökologische Waschmittel, ökologisch orientierte Energie und Wirtschaftspolitik, ökologisch vertretbare Pflanzenschutzmittel usw. und so fort, viele neue Wortkombinationen zeigen nur zu deutlich, dass die wenigsten Menschen wissen, was Ökologie eigentlich ist. Durch das Präfix ÖKO kann man heute ganz selbstverständlich eine „grüne“ Absicht suggerieren und ein positives Image schaffen.

Ökologie ist…

ganz einfach die Wissenschaft von allen Beziehungen der Lebewesen untereinander, zu ihrer unbelebten und belebten Umwelt und deswegen im Grunde genommen absolut wertneutral. Der Ökologe interessiert sich für die Wechselbeziehungen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Einfach zu verstehen ist dies bei den Mäusen und Turmfalken, eine sogenannte Nahrungskette. Viele Mäuse, viele Turmfalken und umgekehrt. Doch auch Fuchs, Eule, Marder, Wiesel und Storch fressen Mäuse und beeinflussen so das Gleichgewicht, die Mäuse fressen Samen und Pflanzenteile, ein Nahrungsnetz entsteht. Doch die Pflanzen gewinnen ihre Energie aus der Sonne und verarbeiten Mineralien aus dem Boden. Wasser verdunstet, bildet Wolken, regnet nieder und wäscht beim Versickern eben diese Mineralien aus. Große Energie- und Stoffkreisläufe geben sich zu erkennen. Irgendwann müssen wir auch den Menschen aufnehmen und enden schließlich bei dem gesamten Ökosystem der Erde. Eine unüberschaubare Verflechtung von Beziehungen, funktionierenden Rückkopplungen und dynamischen Prozessen erschwert ein Verstehen, ermöglicht aber bei ehrlichem Interesse einen Einblick in das Geheimnis des Lebens.

Ökologie ist…

Waldbrettspiel!
Markus Gastl

also eine naturwissenschaftliche Betrachtungsweise und keine ideologische Ausrichtung.

Diese Sicht der Dinge, bezogen auf z.B. einen Schmetterling, ergibt eine

 

          


Vielzahl von Fragen:

  • Welche Blüte wird am liebsten zur Nektaraufnahme angeflogen?
  • An welcher Pflanze findet die Eiablage statt?
  • Welche Pflanze frisst die Raupe?
  • Wo überwintert die Puppe oder der Schmetterling?
  • Welche Feinde hat der Schmetterling?

Die Antworten dieser Fragen richtig in Beziehung zu setzen und daraus Konsequenzen zu ziehen, enden unweigerlich immer im ehrlichen

 

 

 

NATUR- und ARTENSCHUTZ!

Hochmotivierte Einzelpersonen oder Gruppen erhalten unter hohem Arbeitseinsatz und geringen Geldmitteln die intakte Natur. Ihren Erfolg messen Sie an dem Vorkommen oder dem Weiterbestand von Tier- und Pflanzenarten der Roten Listen.

Naturschützer mit fundierter Artenkenntnis sind in unserer Gesellschaft mittlerweile sehr selten geworden, der Begriff Naturschützer wird sogar als Schimpfwort gebraucht.

Schade eigentlich, denn es geht um unsere Zukunft und auch die Zukunft unserer Kinder…

Der Gott des Geldes!
Markus Gastl

 

 

 

Mit hohem personellen Einsatz, immensen Fördergeldmengen, großen Maschinenparks, politischer Unterstützung und totaler Medienanteilnahme feiert sich hingegen der

 

 

 

TECHNISCHE UMWELTSCHUTZ!

Ihm geht es um die Sauberhaltung von Luft, Wasser und eventuell noch Boden; eine gute Absicht fürwahr. Unter dem Schlagwort Artenvielfalt in Verbindung mit kommerziellen Interessen werden Arbeitsplätze geschaffen. Diese Industrie boomt, Investitionen werden getätigt, man kann ganze Regionen fördern, sich das grüne Mäntelchen umwerfen ohne auch nur einmal zu fragen woher eigentlich die dreckige Luft, das schmutzige Wasser und der verpestete Boden kommt? Wie eigentlich Tiere oder Pflanzen zu schützen sind durch verbessernde Maßnahmen?

Ökologische Fragestellungen spielen keine Rolle, Antworten gibt es nicht.

Der Erfolg wird an eingehaltenen Grenzwerten festgemacht, an der Anzahl der aufgestellten Schilder, aber niemals an den tatsächlichen Effekten auf das Artenspektrum. Man feiert nicht das Leben, sondern sich selbst. Das Gewissen ist beruhigt und verdient hat man nebenbei auch noch daran.

Welche Rolle spielt es denn,

  • dass bei der Errichtung des Klärwerkes die letzte noch intakte Feuchtwiese überbaut wurde?
  • dass bei den neuen Hochwasserdämmen die Dynamik des dahinterliegenden Auwaldes zerstört wurde?
  • dass Biogasanlagen unterm Strich mehr Energie verbrauchen als sauber erzeugen?
  • dass Schilder uns auf Tiere und Pflanzen hinweisen, die wir nicht kennen und schon lange nicht mehr da sind?
  • dass bei dem Dioxin Skandal nie gefragt wurde, woher das Gift eigentlich stammt und warum es auch heute noch als Nebenprodukt entsteht und folglich entsorgt werden muss?
  • dass bei Fukushima und der ganzen Atomdebatte nie darüber diskutiert wird, Energie einzusparen, sondern immer nur über die Erschliessung neuer Ressourcen gesprochen wird…

Es spielt keine Rolle, denn wir wollen alle weiter machen wie bisher. Die Luft verschmutzen, das Wasser verdrecken und den Boden zerstören, Hauptsache alles wird danach gereinigt und recycelt. Ganz einfach die Kontrollen verschärfen und die Strafen erhöhen, mehr Schreibtischjobs einrichten und der Bürokratie noch mehr Raum zugestehen. Toller Nebeneffekt, es ändert sich nichts und die Menschheit entfernt sich immer mehr von der Natur.

Das ist technischer Umweltschutz und suggerierter Artenschutz durch Fördergelder…

Herzlichen Glückwunsch.

Und die Wirtschaft boomt, das Wachstum geht weiter, koste es Leben was es wolle.


Autor:
Markus Gastl
Hortus-Insectorum.de

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