Bienen und Wildbienenschutz

Die wichtigen Bestäuber!

Entscheidend sind hier die folgenden 5 Aspekte:

  • Nisthilfen und Nistmöglichkeiten
  • der Sonderfall Honigbiene
  • das Trachtfließband
  • einheimischer Blütenreichtum
  • Pflanzenlisten

Die Honigbiene, etwas ganz Besonderes!

Der Imker betreut die Honigbiene in den sogenannten Beuten in überdachten Häusern, verteidigt sie gegen Schädlinge und kümmert sich hingebungsvoll um das Wohlergehen des Volkes im gesamten Jahresverlauf.

Apis mellifera, die Honigbiene, ist aus mehreren Gründen neben den ca. 500 Wildbienenarten gesondert zu betrachten. Zu außergewöhnlich sind die Besonderheiten und Eigenschaften:

  • als Haustier unterliegt sie seit Jahrhunderten einer züchterischen Auslese (sanft und fleißig)
  • sie überwintert als einzige einheimische Biene als Volk und ist auf einen Vorrat an Honig als Energiequelle angewiesen
  • sie sammelt deswegen gezielt die größten und gewinnbringendsten Trachten und tut dies über die ganze Vegetationsperiode

Daraus ergibt sich ein ökonomischer Aspekt bei der Betrachtung der Honigbiene, sowohl was sie produziert (Honig, Wachs, Gelee Royal, Pollen) als auch was sie leistet (Bestäubung der Obstbaum- und landwirtschaftlichen Kulturen wie Raps).

Wenn man vom Bienensterben spricht, meint man in der Regel immer diese Zusammenhänge und ist mit Berechtigung zutiefst bestürzt und besorgt, was die Zukunft ohne Bienen wohl bringen mag.

Die Wildbienen hingegen haben andere ökologische Verhaltensweisen, die eine klare Trennung von der Honigbiene notwendig machen:

  • es handelt sich um Wildtiere mit einer sehr geringen Lobby und kaum gezielter Unterstützung in der Landschaft
  • alle Wildbienen überwintern als Einzelindividuen und haben auch in optischen Aggregationen nichts direkt miteinander zu tun
  • die einzelnen Arten fliegen nur in relativ kurzen Zeitfenstern der Vegetationsperiode, füllen aber die gesamte Zeit mit einer unglaublichen Vielfalt aus, die dem Laien in der Regel verborgen bleibt
  • es gibt eine Vielzahl von sehr spezialisierten Anpassungen, so dass etliche Wildbienen nur ganz bestimmte einheimische Wildblumen besuchen können

Nektar und Pollen über die Vegetationszeit!

Die Bienen stürzen sich drauf!
Markus Gastl

Die Gewährleistung der Blüte von Pflanzen, die Nektar (als Energiespender) und Pollen (als Aufzuchtfutter) liefern, über dem Zeitraum von Ende Februar/März bis Ende September/Oktober nennt man das Trachtfließband. Hier sollen keine Lücken auftreten, sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Blüten in der Landschaft betrifft.

Im Mai, wenn die Obstbäume blühen und die Wiesen in sattem Löwenzahngelb mit den ebenso gelben Rapsfeldern um die Wette leuchten, herrscht purer Überfluß. Davor und danach sind für die Bienen Zeiten eines großen Mangels zu überbrücken und zu durchstehen.

Diese Trachtlücken zu schliessen kann mit zusätzlichen Blühflächen teilweise gelingen, hilft aber vordergründig und wahrhaftig nur der Honigbiene und vor allem nur zur Blütezeit der Flächen im Juni oder Juli. Blühflächen, die zum Großteil aus nichteinheimischen Blumen (Rübsen, Raps, versch. Kleearten, Senf, Lupine, Sonnenblume, Bienenfreund, Buchweizen, Borretsch usw.) bestehen und nach Gutdünken wieder umgeackert werden dürfen, können nie ökologisch vernetzte Strukturen und wertvolle Biotope, die Jahrhunderte gewachsen und entstanden sind, mit ihrer ganzen Vielfalt an Heuschrecken, Schmetterlingen, Käfern usw. entstehen lassen oder ersetzen.

Das ununterbrochene Trachtfließband ist durch diese unbedingt notwendige aber doch oberflächliche Landschaftskosmetik noch lange nicht gewährleistet.

In welchem Garten ist er noch zu finden?
Markus Gastl

Gerade die erste Tracht im Frühjahr geht durch verschiedene Maßnahmen zum größten Teil total verloren:

  • gängige Heckenpflege im brutalen Stil in der Flur (Ausschneiden aller Weiden und frühjahrsblühenden Sträucher, wie Schlehen und Weissdorn in Streuobstwiesen)
  • Ersatz von einheimischen Sträuchern im Garten durch sterile Kulturformen (das bekannteste Beispiel ist die nektar- und pollenfreie Forsythie in jedem Garten)
  • Flächen mit einheimischen Frühjahrsblühern (Märzenbecher, Hufflatich, Sumpfdotterblume, Lerchensporn, Steinkraut, Taubnesseln, Küchenschelle, Lungenkraut, Schlüsselblumen) sind winzig klein gegenüber den Ackerflächen und werden weiter geopfert und zerstört
  • Kulturpflanzen (Krokus, Winterling, Hyazinten, Narzissen, usw.) in den Gärten sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und auch nicht in jedem Garten zu finden

Der Mangel an einheimischen Blüten!

Ein Honigbienenvolk kann sich mit Hilfe des Imkers (z.b. Gabe von Zuckerwasser, örtliches Versetzen der Beuten in Notzeiten, Aussamen von Ersatzflächen usw.) durch nektararme Zeiten bringen lassen und vermag so trotz eines desolaten Zustands des Trachtfließbandes in unserer Landschaft noch weiterbestehen.

Das zunehmende Bienensterben und die Disskusion des Themas in Presse und Medien ist ein deutlicher Hinweis auf eine sehr angespannte und schon weit vorangeschrittene Entgleisung. Wenn erfahrenen Imkern die Völker wegsterben, sollte das nicht nur die Honigsemmelfreunde wachrütteln.

Die Wildbienen sind in diesem Überlebenskampf deutlich eingeschränkt und erfahren keine Hilfe. Der Ausfall einer bestimmten Pflanzenart in einem bestimmten Monat kann neben dem Nichtvorhandensein oder der Zerstörung der Nistmöglichkeiten das Auslöschen eines Vorkommens einer spezialisierten Art an einem Standort bedeuten.

Dies findet überall statt und bleibt der Allgemeinheit und den Laien verborgen. Da die Honigbienen nur die stärksten Trachten anfliegen, bleiben einheimische Pflanzen ohne ihre angepassten Wildbienen oft unbestäubt und verschwinden langsam aber sicher in einem schleichenden Tod in einer faszinierenden Kettenreaktion (spezielle Biene verschwindet, dann verschwindet die spezielle Pflanze).

Das Aussterben einer FrühlingsSeidenbienen Kolonie konnte ich fast live mitverfolgen, wie in dem Film eindrücklich dargestellt wird:

Dies könnten wir pflanzen,

je nach angestrebter Ausrichtung des Vorhabens und ohne die Vollständigkeit zu gewährleisten:

  • Schutz der Honigbiene und Stabilisierung der großen Trachtfließbandlücken im Frühling (Salweide, alle anderen Kätzchenweiden, Hufflatich, Buschwindröschen in Monokulturen ;-), Ahorn, Kornelkirsche, Brom- und Stachelbeeren, Schlehen, Weissdorn, alle Obstbäume) und im Herbst (alle Disteln, Wasserdost, alle Sedum, Efeu in Monokulturen ;-)) in der Landschaft
  • Gestaltung eines Kulturgartens und Schutz der Honigbiene im Jahresverlauf (Hyazinten, Nieswurz, Hasenglöckchen, Mondviole, Bergenie, Gedenkmein, Salomonsiegel, Himmelsleiter, Wachsblume, Akelei, Pelargonie, Rittersporn, Dreimasterblume, Sterndolde, Fackellilie, Lobelie, Stockrose, Flammenblume, Indianernessel, Prachtscharte, Goldrute, Topinambur im Staudenbeet)
  • Förderung der Wildbienen (gesamt Palette unserer einheimischen Wildblumen, zu realisieren am besten mit einheimischer Hecke, abgemagerter Blumenwiese und ausgedehnten Steingartenflächen)

 


Autor:
Markus Gastl
Hortus-Insectorum.de

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